BMW Z3 Roadster

BMW Z3 1.8 Roadster BMW Z3 1.8 Roadster

BMW Z3 Roadster

— 01.01.2011

Flieger, grüß mir die Sonne

Wind im Haar, Propeller im Logo: Auf halbem Weg zum H-Kennzeichen ist der BMW Z3 schon ein Klassiker für tollkühne Männer. Dabei muss es nicht unbedingt ein potenter Sechszylinder sein: Schon der leichte 1.8er macht Spaß.

Konservative 007-Fans hatten es 1995 nicht leicht. Gleich zwei neue Darsteller wurden ihnen im 17. Bond-Film vorgesetzt: Der eine war Ire, hieß Pierce Brosnan und verkörperte den britischen Agenten. Der andere kam aus deut­schem Hause, hieß BMW Z3 und sollte dem Agenten als fahrbarer Untersatz dienen. Durfte James die Gauner in früheren Abenteu­ern noch mit Aston Martin und Lotus jagen, musste er sich nun in ein wenig glamouröses Wägelchen zwängen. Der Roadsterboom ging 1996 in die zweite Runde. BMW, Porsche und Mercedes folgten den Ma­chern des Mazda MX-5 mit sieben Jahren Verspätung und zeigten ihre Interpretationen des moder­nen Roadsters.

Der Zettie wackelt schon mal mit dem Popo – wenn man es denn möchte. Im Z3 hat man echten Roadster-Fahrspaß.

Ab rund 45.000 Mark gab es BMWs offenen Zweisitzer beim Händler – anfangs erst nach zwei Jahren Wartezeit! "Kein anderer BMW verkörpert die Freude am Fahren so ur­sprünglich", schrieben die Werbe­texter. Und ursprünglich sollte man diese Freude auch ohne PS-Protzerei erleben. "BMW. Schnell", betont Gadget-Tüftler Q mit der deutschen Syn­chronstimme, als er Bond seinen neuen Dienstwagen vorstellt. In der englischsprachigen Original­fassung spricht Q statt von schnell von agil. Das trifft es besser, denn flinke Richtungs­wechsel sind die Paradedisziplin des Z3, nicht be­eindruckende Längsdynamik, zu­nächst wurde der Roadster ja aus­schließlich von kleinvolumigen Vierzylindern angetrieben. Es sei zu wenig Platz für einen Sechszy­linder, behauptete BMW damals. Bis die zivilen Reihensechser aus 3er und 5er ihren Weg unter die lange Haube des Z3 fanden, spä­ter sogar das 3,2-Liter-Sixpack des M3.

Offenbarung: BMW Z1

Kein Design-Feuerwerk, dafür aber zeitlos und optisch durchaus ansprechend: Armaturentafel mit tadelloser Bedienbarkeit.

Zum Glücklichsein braucht es aber nicht so einen testosteronspritzenden Drehzahljunkie. Die frühen Vierzylinder-Z3 mit ihrer schmalspurigen Optik versprü­hen eine charmante Unschuld, als wollten sie sagen: Ich mach’ doch nur Spaß. Mit diesem Charakter ist der Z3 einem MX-5 viel ähn­licher als einem SLK oder Boxster. Eben ein bisschen provisorischer, ein bisschen unkomplizierter und sogar ein bisschen britisch. Aufgetürmte Seitenlinien, hin­ter denen sich Zugluftallergiker feige verstecken können wie bei SLK oder Boxster, bietet der Z3 nicht. Der Fahrtwind zerrt am Pi­loten wie in einem Doppeldecker-Flugzeug. Kampfflieger langweilt der Z3 nicht mit sicherheitsbe­tontem Fahrverhalten, sondern er erfreut sie mit zackiger Lenkung und lebendigem Heck.

Fahrspaß statt Perfektion

Sterile Perfektion liegt ihm schon gar nicht: Auf schlechten Pisten schüt­telt sich der Bayer aus Amerika schon mal, und das Verdeck nimmt seine Funktion mitunter nicht ganz ernst. Eigenschaften, die in einem urigen 60er-Jahre-Roadster nicht weiter auffallen, bei einem so jungen Auto aber ei­ne Erwähnung wert sind. Kuschelige Heizung und ver­nünftige Rostvorsorge ermögli­chen aber allen, die Hecktriebler ohne ESP noch beherrschen, reuelose Tiefflüge unter der Winter­sonne. Dem Fahrspaß steht also auch an kalten, salzreichen Tagen in unseren Breitengraden nichts im Weg – auch wenn James sei­nen Z3 nur auf Kuba spazieren fährt. What a shame!

Historie

April 1994: BMW gibt bekannt, dass im neuen Werk in Spartanburg (USA) ein Roadster produziert werden soll. Januar 1996: Der Z3 wird auf der Detroit Motor Show präsentiert – mit 115-PS-8V- und 140-PS-16V-Motoren aus dem 3er. 1997: Der 2,8-Liter-Reihensechszylinder wird nach­gereicht. Optisches Unterscheidungsmerkmal sind eine neue Bugschürze und ein ver­breitertes Heck. Im selben Jahr präsentiert BMW den M Roadster mit 321 PS. 1998: Das Coupé wird vorgestellt; es ist teurer als der Roadster und nur mit großen Sechszylindern zu haben. April 1999: Zum Facelift bekommt das Heck L-Rückleuchten, Innenraum und Verdeck werden überarbeitet, neue Motoren ziehen ein (2.0, später 2.2, 3.0). Juni 2002: Nach insgesamt fast 300.000 Exemplaren endet die Produktion des Erfolgsmodells.

Technische Daten BMW Z3 1.8

Fast ein Mittelmotor: weitgehend hinter der Vorderachse eingebauter Vierzylinder mit 115 PS.

Reihenvierzylinder, vorn längs • eine oben liegende Nockenwelle, über Steuerkette angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, elektronische Einspritzung (Motronic) • Hubraum 1796 ccm • Leistung 85 kW (115 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 168 Nm bei 3900/min • Fünfgangschaltgetriebe • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung, vorn an Mc­Pherson-Federbeinen, hinten Schräglenker und Schraubenfedern • Reifen 205/60 R 15 • Radstand 2445 mm • Länge/Breite/Höhe 4025/1692/1288 mm • Leergewicht (DIN) 1150 kg • 0–100 km/h in 10,5 s • Spitze 194 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 7,8 l Super pro 100 km • Neupreis Januar 1996: 43.700 D-Mark.  

Plus/Minus

Wackelnde Sitzgestelle, schwergängige Fensterheber, undichte Verdecke: Der Z3 war anfangs nicht so sorgfältig zusam­mengebaut, wie es Stammkunden von Produkten aus dem Hause BMW gewohnt waren. Viele Macken hat der Hersteller im Laufe der Bauzeit behoben. Dennoch ist ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit hilfreich, wenn aus einer Sommeraffäre eine dauerhafte Beziehung werden soll. Der Z3 ist in seinem tiefen Inneren ein 90er-Jahre-3er der Baureihe E36, deren Achsprobleme er gleich mit über­nommen hat. Längerfristige Linderung schaffen hochwertige Ersatzteile aus dem freien Handel. Neben der langen Liste kleiner Marotten gibt es aber kei­ne substanziellen Probleme. Die Motoren sind, abgesehen von den M-Versionen, dank Steuerkette und langen Interval­len wartungsarm, die Antriebskompo­nenten robust, und das Blech ist wir­kungsvoll gegen Korrosion geschützt.

Ersatzteile

Der Z3 war bis 2002 in Produktion. Die Er­satzteillage bereitet daher keine Pro­bleme. Dank des Gleichteileprinzips kann man auf ein breites Angebot an E36-Tei­len zurückgreifen. Nur bei exotischen Innenraumfarben kann es eng werden.

Marktlage

Die Preisspanne ist gewaltig. Vom ver­brauchten Vierzylinder-Roadster für 4000 Euro bis zum späten M Coupé für über 25.000 Euro reicht das Z3-Angebot. Gut 6000 Euro sollte man für ein brauch­bares frühes Exemplar einkalkulieren.

Empfehlung

Noch gibt es scheckheftgepflegte Z3 in Prospekt-Zustand zu kleinem Kurs – noch. Denn mit den stark gesunkenen Gebrauchtwagenpreisen steigt der An­teil verschandelter Tuning-Opfer rapi­de an. Dieses Schicksal eint die meisten Modelle aus dem Hause BMW. Dann werden die originalen Exemplare rar – und deren Wertentwicklung kehrt sich ins Gegenteil um. Ein gepflegter, früher Z3 kann daher fast als Wertanlage gel­ten. Einen Sonderstatus genießen die M Roadster und die seltenen M Coupés: echte Fahrmaschinen, die nach einer kundigen Hand und Reserven im Porte­monnaie verlangen.

Autor: Mario Puksec

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