Der Opel Kapitän wird 75
Riesenschiff ahoi!

Opel Kapitän – was für ein Name! Er klingt nach Stolz und Souveränität, erzeugt Respekt, ja Ehrfurcht. Ein Auto, das so heißt, muss Alphatier auf allen Straßen sein. Und genau das waren die Opel der Kapitän-Reihe. Der älteste von ihnen wird nun 75 – wir gratulieren und blicken zurück.
- Stefan Roßbach
Ein Automobil mit einem bedeutungslosen Kunstnamen muss nicht schlecht sein, zugegeben. Ein Auto kann auch in der ersten Liga fahren, obwohl es nach dem letzten Buchstaben des (griechischen) Alphabets benannt ist, okay. Aber wie muss ein Wagen beschaffen sein, der Kapitän heißt? Ganz einfach: So wie jene großen Opel-Limousinen, die 32 Jahre lang als Kapitäne der Landstraßen höchstes Ansehen genossen. Ihre Geschichte begann vor 75 Jahren – Anlass genug für einen Rückblick. 1938 liefen die ersten Exemplare des neuen Luxus-Reisewagens von den Rüsselsheimer Bändern.Sein selbstbewusster Name Kapitän passte zu den anderen Opel-Marine-Dienstgraden Kadett und Admiral. Tatsächlich schloss er die Lücke zwischen dem gutbürgerlichen Olympia und der Spitzenklasse-Limousine Admiral. Er überzeugte optisch wie technisch und war als erster deutscher Oberklassewagen mit selbsttragender Karosserie sogar sehr innovativ. Unter der Haube waltete ein solider 2,5-Liter-Reihensechszylinder seines Amtes. Mit 55 PS waren Kapitän-Fahrer für damalige Verhältnisse üppig motorisiert. Neben der Limousine boten die Hessen sogar ein Cabriolet an, den Aufschnitt besorgte der Dresdner Karosseriespezialist Gläser. Nach knapp zwei Jahren und immerhin 25.374 Exemplare endete die Kapitän-Produktion 1940, Kriegsgüter waren nun wichtiger.

1951: Die Zeiten hatten sich seit 1938 massiv geändert, der Kapitän (fast) nicht.
Bild: Markus Heimbach
Die großen Brüder: Kapitän gegen Diplomat

Und der Haifisch, der hat Zähne... und 1953 erstmals eine Ponton-Karosserie.
Bild: Werk
Würdiger Nachfolger: Opel Senator A

Kapitän P (1958): Der amerikanischste aller Opel fiel beim Publikum durch.
Bild: Christian Bittmann
Mit dem Kapitän P 2,6 ging's rund

Kapitän P 2,6: Der beliebteste aller Käpt'n ließ die Opel-Kassen klingeln.
Bild: Christian Bittmann

Der Kapitän A (1964 bis 1968): schön und gut, aber erfolglos.
Ein Ende in aller Stille
Den Zusatz "A" erhielt das Trio posthum 1969. Es unterschied die alten von der jetzt präsentierten Generation "B" (Kapitän B usw.). An den mittelmäßigen Absatzzahlen änderte diese Maßnahme wenig. Um das Portfoliio zu straffen, strich Opel daher schon nach einem Jahr, von der Autowelt kaum bemerkt, das wenig gängige Einstiegsmodell – den Kapitän. Damit endete eine Karriere. Der klangvolle Name Opel Kapitän war nach 32 Jahren Geschichte, blieb aber bis heute unvergessen.
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