Fiat Panda wird 30 Jahre
— 06.07.2010Meilenstein des Minimalismus
Das kleine Wunder: Der Panda wurde verbraucht, verbraten, vergessen. Aber nicht ganz. Denn heute erinnert uns der kantige Knirps daran, dass alle großen Dinge einfach sind. Eine Hommage zum 30. Geburtstag der tollen Kiste!
AUTO BILD KLASSIK – ein Jahr bequem nach Hause
Der genial gemachte Panda gehört in den Auto-Olymp
Auch unterm Blech geht die radikale Einfachheit weiter. Die kleinen Vierzylinder mit 0,77 bis 1,1 Liter leisten höchstens 55 PS, was die gut 700 Kilo jederzeit ausreichend fortbewegt. Beschleunigung? Ja doch, gewiss! Ampelsprints interessieren Panda-Fahrer so brennend wie die Rentenreform ein Schulkind. Das italienische Leichtgewicht lässt sich auch ohne Servolenkung schmerzfrei einparken. Und das holperige Fahrwerk, das bis zum Modell-Ende 2003 hinten mit einer Starrachse auskam, geht auch dann nicht in die Knie, wenn der Panda am Umzugstag mal wieder als günstiger Kleintransporter herhalten muss. Der Fiat blieb Zeit seiner 23 Baujahre das rollende Sparschwein und rangierte stets unter den günstigsten Neuwagen. Wie automatisch zog der Panda eine Klientel an, die das Sparen nach dem Kauf strengstens fortsetzte, selbst wenn es um Öl, Wartung oder Erhalt geht. Heute gibt es Besitzer, die ihren Fiat abgeben, weil eine Reparatur für 50 Euro droht. Dabei hat der Panda Besseres verdient als das Schicksal eines Einweg-Autos. Der Kleine gehört in den Auto-Olymp, beim Jupiter!
Historie
1980: Die ersten Panda kommen mit 34 oder 45 PS nach Deutschland. Der Allradler "4x4" erscheint 1983 mit 48 PS. 1986: Neue Hinterachse, neue Fire-Motoren, 769 und 999 ccm (dieser erstmals mit Katalysator). Erster Diesel mit 1,3-Liter, 37 PS (nicht in Deutschland). 1991: Neuer 1,1-Liter, 50 PS, wahlweise auch mit stufenlosem CVT-Getriebe. Ab 1998 wurde in Deutschland offiziell nur noch die Allradversion Trekking verkauft, bis 2003 baute Fiat insgesamt 4,491 Millionen Panda.Technische Daten
Fiat Panda 750 L (1000), 1990Vier Zylinder, Reihe, vorn quer • Hubraum 770 ccm (999 ccm) • 34 PS bei 5250/min (45 PS bei 5250 /min) • max. Drehmoment 57 Nm (74 Nm) • Vierganggetriebe (Fünfganggetriebe) • Vorderradantrieb • L/B/H 3408/1494/1420 mm • Leergewicht 700 (715 kg) • Reifen 135 SR 13 • vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen • vorn McPherson-Federbeine, hinten Starrachse • Spitze 125 (140 km/h) • 0 – 100 km/h in circa 23 s (16 s) • Verbrauch 5,6 l Normal/100 km (6,2 l) • Neupreis 1990 10.390 D-Mark (12.190 D-Mark)
Plus/Minus
Der Stadtwagen ist wendig, Übersichtlich und sparsam. Die Benziner kommen mit rund sechs Liter Sprit aus, günstiger kann man kaum Auto fahren. Fahrbereite Exemplare findet man für wenige Hundert Euro. Überraschend, wie viel Platz die Insassen auf nur 3,41 Meter Länge haben. Nach Ausbau der Rückbank passt in den Kofferraum mühelos ein Kühlschrank hinein. Die Technik gilt durchweg als solide, wenngleich veraltet – bis 1993 hatte der Panda noch Unterbrecherkontakte! Grundübel sind der Rost, der vor allem an Türen nagt und der schlechte Pflegezustand vieler Panda, die meist durch mehrere Hände gegangen sind. Reparaturen sind öfter nötig, aber leicht allein zu erledigen.Ersatzteile
Wichtigstes Ersatzteillager ist der Schrottplatz. Dort warten noch genug zerlegte Stücke zu traumhaft günstigen Preisen – so macht der Fiat seinem Ruf als Sparmobil noch heute alle Ehre. Da Motoren und Fahrwerk bis in die jüngste Vergangenheit verbaut wurden, sind die meisten Verschleißteile problemlos bei den Händlern erhältlich oder mit kurzer Wartezeit zu bestellen. Das gilt auch für die Allrad-Versionen, die meist im Geländeeinsatz verschlissen werden.Marktlage
Das Angebot reicht vom Schrotthaufen für 150 Euro bis zum begehrten 4x4 Trekking, der über 3000 Euro kosten soll. Die Wegwerf-Mentalität vieler Besitzer hat den Bestand vor allem der ersten Jahre bis 1986 fast ausgerottet. Gute, fahrbereite Panda mit zwei Jahren TÜV kosten ab 500, sehr gute Exemplare ab 1500 Euro. Die Suche in Italien macht wenig Sinn, da die Preise laut Panda-Papst Rainer Thiel dort höherliegen. Teuer (ab 3000 Euro) sind die Allrad-Panda mit ihrem robusten Antrieb.Empfehlung
Für ein sauberes Gewissen sollte es der 45 PS starke 1000er mit Katalysator sein. Die Weber-Einspritzung (ab 1993) erlaubt zwar weniger Eigenreparaturen als die Bosch-Anlage zuvor, gilt aber als problemloser. Frischluft-Freunde suchen ein Exemplar mit Stoffdach. Das ist so groß, dass durchaus Cabrio-Gefühle in den Panda einziehen. Bei der Probefahrt sind vor allem Rost (an Karosserieecken und Türen) sowie der Innenraum zu checken. Die Technik ist meist problemlos.Das könnte Sie auch interessieren
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Bin zwischen 1982 und 1989 drei Pandas gefahren ( 45, 45S, 750 Pop), zweimal war ich (über den Autoput) in Griechenland vollbepackt zu dritt. Mit viel Vollgas verbrauchten diese 5,5 L/100. Im Panda kam ich mir niemals unsicher vor, im Gegenteil: oft ließen sich auf Bundesstraßen bei Überholmanövern Unfälle dadurch vermeiden, weil der Panda so kompakt war. Auch heute fahre ich seit über 4 Jahren zufrieden als Zweitwagen Panda 1.2. Für unsere Kinder aufgrund der Übersichtlichkeit ein ideales Auto! Mein Sohn fährt inzwischen einen eigenen tiefergelegten Panda Imola.
Natürlich ist der in den 70er Jahren konstruierte Fiat Panda nicht auf dem aktuellen Sicherheitsstandard. Ebensowenig wie alle anderen Autos aus der Zeit. Hier handelt es sich um einen Klassik-Artikel, der richtet sich nicht an 18-jährige Fahranfänger oder Neuwagenkäufer, sondern an Liebhaber, die diesen genialen Kleinwagen pflegen und erhalten wollen. Wollte man den neuesten Sicherheitsstandard für alle, dann müssten alle Autos vor 2005 von den Straßen verschwinden. Wichtiger als alle Sicherheitssysteme im Auto: ein verantwortungsbewusster und umsichtiger Fahrer.
Jawoll mein Führer!
Jedes ältere Auto ist wohl nicht mit mit den neuesten Errungenschaften der Fahrerassistenten gesegnet. Merke: Damals konnte man noch ohne elektronische Hilfen Automobil fahren. Davon kann in weiten Teilen der Bevölkerung, so wie ich das bei ca. 100000 Km im Jahr sehe, nicht mehr die Rede sein. Die stützt sich bewußt auf die elektronischen Helferlein ab.
Der Wagen ist, vernünftig gefahren, keine Todesschleuder. Zu der wird er erst, wie auch alle anderen Fahrzeuge aus seiner Epoche, wenn die zuvor beschriebene Klientel auftaucht.
Also unterlaßt es bitte hier solche Äußerungen zu verfassen.
Ein minimalistisches Auto ohne jede Sicherheit? Na prost Mahlzeit!