Fiat Panda wird 30 Jahre

— 06.07.2010

Meilenstein des Minimalismus

Das kleine Wunder: Der Panda wurde verbraucht, verbraten, vergessen. Aber nicht ganz. Denn heute erinnert uns der kantige Knirps daran, dass alle großen Dinge einfach sind. Eine Hommage zum 30. Geburtstag der tollen Kiste!



Ob Fiat, VW oder Toyota – die Autobauer verkünden gerade die Entwicklung neuer CO²- Zwerge. Wendig sollen sie sein, sparsam, sauber und: Hauptsache, günstig! Kennen wir, möchte man rufen, so ein Sparmobil fährt tausendfach herum: Der erste Panda schont nicht nur das Konto, sondern verströmt auch aus jeder Fuge den Esprit der 80er. Der kleine Fiat ist sogar so günstig, dass viele seiner Besitzer diesen Meilenstein des Minimalismus noch gar nicht erkannt haben. Die Kunst seines Schöpfers Giorgio Giugiaro, einem der größten Gestalter der Autogeschichte, bestand offensichtlich im Weglassen. Was nicht drin war, konnte nichts kosten und vor allem nicht kaputtgehen. Als rollendes "Haushaltsgerät" sollte der Panda bar jedem Luxus einfach nur funktionieren.

AUTO BILD KLASSIK – ein Jahr bequem nach Hause

Voll Stoff: Den Innenraum kleidete Fiat weitgehend textil aus. Sogar das Armaturenbrett bekam einen Überzug.

Steile Flanken, dicke Polster für den alltäglichen Park-Kampf und plane Scheiben als kostensenkende Bauform. Stattdessen gab es viel nacktes Blech, eine stoffbezogene Ablage, die den Staub der Jahre einfängt, und eine Rückbank, die durch Aushängen zur Liegewiese wird. So etwas galt 1980, Lichtjahre vor den Vans, als Wunder an Variabilität. Dennoch: Der blanke Pragmatismus des Panda enttäuscht immer wieder. So sehr, dass Fiat die Nacktheit des Kleinen zum Prinzip erhob und eine berühmte Werbekampagne startete. Ihr preisgekrönter Slogan "Die tolle Kiste" rückte den Panda zwischen Micky Maus und "Robin Wood" –  eine zeitlose Absage an die automobile Protzkultur. Motto: Sparen als clevere Größe der Kleinen. Dagegen ist der teure Smart von heute eine glatte Geldschleuder.

Der genial gemachte Panda gehört in den Auto-Olymp

Auch unterm Blech geht die radikale Einfachheit weiter. Die kleinen Vierzylinder mit 0,77 bis 1,1 Liter leisten höchstens 55 PS, was die gut 700 Kilo jederzeit ausreichend fortbewegt. Beschleunigung? Ja doch, gewiss! Ampelsprints interessieren Panda-Fahrer so brennend wie die Rentenreform ein Schulkind. Das italienische Leichtgewicht lässt sich auch ohne Servolenkung schmerzfrei einparken. Und das holperige Fahrwerk, das bis zum Modell-Ende 2003 hinten mit einer Starrachse auskam, geht auch dann nicht in die Knie, wenn der Panda am Umzugstag mal wieder als günstiger Kleintransporter herhalten muss. Der Fiat blieb Zeit seiner 23 Baujahre das rollende Sparschwein und rangierte stets unter den günstigsten Neuwagen. Wie automatisch zog der Panda eine Klientel an, die das Sparen nach dem Kauf strengstens fortsetzte, selbst wenn es um Öl, Wartung oder Erhalt geht. Heute gibt es Besitzer, die ihren Fiat abgeben, weil eine Reparatur für 50 Euro droht. Dabei hat der Panda Besseres verdient als das Schicksal eines Einweg-Autos. Der Kleine gehört in den Auto-Olymp, beim Jupiter!

Historie

1980: Die ersten Panda kommen mit 34 oder 45 PS nach Deutschland. Der Allradler "4x4" erscheint 1983 mit 48 PS. 1986: Neue Hinterachse, neue Fire-Motoren, 769 und 999 ccm (dieser erstmals mit Katalysator). Erster Diesel mit 1,3-Liter, 37 PS (nicht in Deutschland). 1991: Neuer 1,1-Liter, 50 PS, wahlweise auch mit stufenlosem CVT-Getriebe. Ab 1998 wurde in Deutschland offiziell nur noch die Allradversion Trekking verkauft, bis 2003 baute Fiat insgesamt 4,491 Millionen Panda.

Technische Daten

Fiat Panda 750 L (1000), 1990
Vier Zylinder, Reihe, vorn quer • Hubraum 770 ccm (999 ccm) • 34 PS bei 5250/min (45 PS bei 5250 /min) • max. Drehmoment 57 Nm (74 Nm) • Vierganggetriebe (Fünfganggetriebe) • Vorderradantrieb • L/B/H 3408/1494/1420 mm • Leergewicht 700 (715 kg) • Reifen 135 SR 13 • vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen • vorn McPherson-Federbeine, hinten Starrachse • Spitze 125 (140 km/h) • 0 – 100 km/h in circa 23 s (16 s) • Verbrauch 5,6 l Normal/100 km (6,2 l) • Neupreis 1990 10.390 D-Mark (12.190 D-Mark)

Plus/Minus

Der Stadtwagen ist wendig, Übersichtlich und sparsam. Die Benziner kommen mit rund sechs Liter Sprit aus, günstiger kann man kaum Auto fahren. Fahrbereite Exemplare findet man für wenige Hundert Euro. Überraschend, wie viel Platz die Insassen auf nur 3,41 Meter Länge haben. Nach Ausbau der Rückbank passt in den Kofferraum mühelos ein Kühlschrank hinein. Die Technik gilt durchweg als solide, wenngleich veraltet – bis 1993 hatte der Panda noch Unterbrecherkontakte! Grundübel sind der Rost, der vor allem an Türen nagt und der schlechte Pflegezustand vieler Panda, die meist durch mehrere Hände gegangen sind. Reparaturen sind öfter nötig, aber leicht allein zu erledigen.

Ersatzteile

Wichtigstes Ersatzteillager ist der Schrottplatz. Dort warten noch genug zerlegte Stücke zu traumhaft günstigen Preisen – so macht der Fiat seinem Ruf als Sparmobil noch heute alle Ehre. Da Motoren und Fahrwerk bis in die jüngste Vergangenheit verbaut wurden, sind die meisten Verschleißteile problemlos bei den Händlern erhältlich oder mit kurzer Wartezeit zu bestellen. Das gilt auch für die Allrad-Versionen, die meist im Geländeeinsatz verschlissen werden.

Marktlage

Das Angebot reicht vom Schrotthaufen für 150 Euro bis zum begehrten 4x4 Trekking, der über 3000 Euro kosten soll. Die Wegwerf-Mentalität vieler Besitzer hat den Bestand vor allem der ersten Jahre bis 1986 fast ausgerottet. Gute, fahrbereite Panda mit zwei Jahren TÜV kosten ab 500, sehr gute Exemplare ab 1500 Euro. Die Suche in Italien macht wenig Sinn, da die Preise laut Panda-Papst Rainer Thiel dort höherliegen. Teuer (ab 3000 Euro) sind die Allrad-Panda mit ihrem robusten Antrieb.

Empfehlung

Für ein sauberes Gewissen sollte es der 45 PS starke 1000er mit Katalysator sein. Die Weber-Einspritzung (ab 1993) erlaubt zwar weniger Eigenreparaturen als die Bosch-Anlage zuvor, gilt aber als problemloser. Frischluft-Freunde suchen ein Exemplar mit Stoffdach. Das ist so groß, dass durchaus Cabrio-Gefühle in den Panda einziehen. Bei der Probefahrt sind vor allem Rost (an Karosserieecken und Türen) sowie der Innenraum zu checken. Die Technik ist meist problemlos.

Autor: J. Staat



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