Klassik-Test: Porsche B32

— 16.11.2012

Der Power-Quader

Ein 911erer-Motor im VW Bus, das klingt nach gängigem T3-Tuning. Was heute normal und wenig aufregend wirkt, ist vor 30 Jahren praktisch und dekadent zugleich. Gerade als das Geschäftsmodell Sport-Bulli zündet, müssen die Porsche-Ingenieure wieder richtige Sportwagen entwickeln. Sehr, sehr schade.



Mit 185 Sachen nach Sylt, und hinten spielt Mutti mit den Kleinen Mau-Mau? Porsche kaufen! Die wichtigen Herren vom Vorstand sind in Eile und müssen zum Flugplatz, nach rund neun Sekunden liegt Tempo 100 an? Porsche fahren! Das ist kein Fiebertraum, das war Wirklichkeit, rund 30 Jahre ist das her. Der etwas andere VW-Porsche heißt B32.
Youngtimer mit Porsche-Technik
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Porsche B32 bedeutet: viel Platz, dezentes Auftreten und die Fahrleistungen einer Sport-Limousine.

© C. Bittmann

Forschungsvorstand Helmuth Bott verfügte in den frühen Achtzigern die Entwicklung jenes Ausahme-Porsche, nachdem ein getunter Bulli als Begleitfahrzeug im Testbetrieb seine Tauglichkeit bewiesen hatte. Etwa 15 bis 20 Stück (hier widersprechen sich die überlieferten Zahlen) wurden gebaut. Unser Testexemplar nutzte Porsches Chef-Techniker einst als Dienstwagen, nebenbei lief er als Shuttle: Sessel in Vis-à-vis-Stellung bringen, Konferenztisch ausklappen, Akten raus. Und hinten bellt heiser der Carrera-Motor. Natürlich sind auch Klimaanlage und Standheizung an Bord. Dass diese Über-Bullis Porsche-Fahrgestellnummern tragen, beweist, wie ernst die Sache trotz eines Preises von 145.000 Mark gemeint war. Zum Vergleich: Ein 911 Carrera 3.2 kostet 1984 nur 66.950 Mark.

VW Bus T3 Limited Last Edition: Klassisch, kantig, kultig

Dank dem 231 PS starken Sechszylinder-Boxer im Heck zittert sich die Tachonadel bei Rückenwind auch mal an die 200-km/h-Marke ran.

© C. Bittmann

Die Rechnung geht noch heute auf, es passen ja auch mehr als doppelt so viele Menschen hinein. Und der Elfer lebt im feinen, mit Velours und Armlehnen eingerichteten Caravelle-Bus ungefiltert weiter. Von Kompromissen fehlt jede Spur. Der Boxer bellt und dreht wie immer, Getriebe und große Teile des Fahrwerks kommen vom Elfer. Okay, die nicht enden wollenden Schaltwege nerven. Bremsscheiben gibt es nur vorn, und wenn der Bus nicht voll besetzt ist, schmeckt die Abstimmung nach Rundstrecken-Setup. Aber wo gibt es schon mal so viel Drehfreude, Klang und Platz für sechs Personen plus Gepäck in nur einem Auto? Holprig, laut und völlig gestrig fährt sich der VoPo, eben wie ein Oldtimer. Aber wer für den Elfer glüht und Familie hat, bekommt ihn nicht mehr aus dem Kopf. Was noch besser wäre als dieser 911 mit Carat-Ausstattung? Jener zuverlässig überlieferte B32 Westfalia Joker oder der Allrad-Bus, der bei Porsche mit 959-Antriebsstrang in Planung war. Gruppe-B-Technik im Bulli! Uaaahh, Gänsehaut.
Fahrzeugdaten Porsche B32
Motor Sechszylinder, Boxer
Ventile/Nockenwellen 32/4
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 3125 ccm
Bohrung x Hub 95,0 x 74,4 mm
kW (PS) bei U/min 170 (231)/5900
Nm bei U/min 284/4800
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Getriebe Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 225/50 - 245/45 ZR 16
Verbrauch (Werksangabe) 15,6 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 70 l/Super
zulässiges Gesamtgewicht 2540 kg
Vorbeifahrgeräusch 80 dB (A)
Abgas CO2 (nach Werksverbrauch) 370 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0–100 km/h 9,6 s
Leergewicht/Zuladung 1929/611 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 46/54 %
Wendekreis (links/rechts) 12,5/12,7 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 60/66 dB (A)
Testverbrauch - Co2 18,2 l - 431 g/km
Reichweite 380 km
Kosten
Steuern pro Jahr 670 Euro
Versicherung (HPF/100 Prozent) 800 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Zeitwert (Zustand 2, Stand 2012) 65.000 Euro
Autor:

Jan-Henrik Muche

Fazit

Volkswagen hat mit der Entstehung des B32 zwar nichts zu tun, aber ohne Zweifel ist der Porsche Bus die inoffizielle Krönung der T3-Baureihe. Im Vergleich zum Rest der Truppe fährt er sich wie ein Oldtimer, dafür punktet er beim Platzangebot und macht auf schräge Weise Spaß. Im Gesamtklassement wird er Letzter, aber beim Preis liegt er weit, weit vorn: Ausgerechnet der Bus notiert höher als all die anderen Porsche im Feld.

Fotos: C. Bittmann


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