Klassiker für Sonne und Strand: VW Apal Jet Buggy

Klassiker für Sonne und Strand: VW Apal Jet Buggy

— 13.06.2011

Kit for Fun

Plastikautos machen das Leben bunt und sind zum Spielen da, dachte sich Bruce Meyers und erfand 1964 das Ganze als Bausatz in 1:1. Mehr als 45 Jahre später fahren wir noch immer auf seine Buggys ab.

Kennen Sie den sagenhaft saftigen Bruce Bacon Burger? Die Bodengruppe aus verstärktem Weizenbrötchen, darauf Schicht für Schicht alles, was Energie liefert: 200 Gramm gegrilltes Hack, Leichtbau-Salatblätter, darüber doppelt krosser Schinkenspeck, hausgemachte Remoulade und als Abschluss ein beidseitig gebratenes Spiegelei. Fehlt nur noch das Verdeck aus luftig-leichtem Weißmehl-Backwerk. Alles in allem also eine gehörige Portion Spaß. Womit wir bei Bruce Meyers und dem Buggy wären. Wir schreiben ungefähr das Jahr 1962, als der ehemalige Marinesoldat den Boots- mit dem Autobau verbindet. Am kalifornischen Pismo Beach schaut er zu, wie wüste Achtzylinder-Ungetüme den Strand in die Generalprobe von Desert Storm verwandeln: Grobschlächtige Leiter- und Rohrrahmen, ihrer Heckflossen beraubt und mit Hinterradfelgen in Waschmaschinentrommel-Format bewehrt, donnern an ihm vorbei. Das konnte er auch. Nur viel besser. Ganz leicht. Yeah!

Apal spritzte als erster Buggy-Bauer die Farbe mit in seine GFK-Karossen ein.

Meyers machte es wie der Burger-Brater: Schicht für Schicht laminierte und formte er von Hand seine GFK-Kreation, die er auf ein zigfach verfügbares VW-Käfer-Fahrgestell setzte. Hinten gab’s die wichtigen Breitreifen, die der optisch durchaus martialisch aus der Karosserie herausschauende Boxermotor antreibt. Das gehaltvolle Ergebnis: ein Spaßmobil ohne Türen und Verdeck, dafür mit amtlichem Leistungsgewicht, wendig, spritzig, kurz: famos! Und weil die Amis sowohl den Käfer als auch ihre strandtauglichen Umbauten "Bug" (Wanze) nannten, stand ein Name alsbald fest. Die Menschen machte Meyers’ Manx Buggy verrückt, seinen Schöpfer berühmt und etwas reicher als vorher. Alle wollten diesen Buggy – und sie sollten ihn bekommen. Als Bausatz. Meyers verkaufte 6000 seiner Manx-Kits, dank vieler Nachahmer wurden es 250.000 Buggys in ganz Amerika.

Die kleine Freiheit: Cabrios für Einsteiger

Kunstlederbezüge und glatte GFK-Sitzwannen boten im Apal Jet vier Sitze zum Schwitzen.

Europäische Bastler und Unternehmen sprangen auf den neuen Trend auf wie die Bikinigirls auf die Flanken der Plastikautos. Keine Frage: Nach Tupperware waren Buggys die erfolgreichsten Kunststoff-Produkte made in USA. Selber machen war damals schwer angesagt. Die plastösen Spaßmobile saßen fast immer auf Käfer-Fahrgestellen, die gab es spottbillig auf dem Schrottplatz. Ein Buggy-Bausatz kostete zwar deutlich mehr als eine Handvoll Dollar, das fertige Spaßmobil aber nicht die Welt. Wer nicht selbst basteln konnte oder wollte, zog die Option auf einen fix und fertig montierten Buggy – zum Preis von etwas über 10.000 Mark. So gerieten auch des Schraubens unkun- dige Ärzte und Anwälte in den Genuss des Freestylers. Ganz schlimme Spießer bestellten sich ein handtuchgroßes Faltverdeck. Und vordere Statikgurte (Schenkelklopf!). Dabei macht so ein Buggy klassenlos. Eigentlich egal, in welche Bücher der Pilot seine Nase vorher gesteckt hat, wenn er sie nach Feierabend nur in den Fahrtwind hält. Einfach die Arme auf Frontscheibenrahmen und Überrollbügel aufgestützt, die lahmen Beine zur Einstimmung über die orangerote GFK-Flanke gehievt und die vier Buchstaben in die Sportsitze abgesenkt. Schon wird man eins mit diesem Ding zwischen Mix aus Marshmallow und Tretboot.

Die Hormone sind mit im Spiel

Das schwere Custom-Lenkrad thront inmitten des Leichtbau-Ambientes.

Doch das, was jetzt kommt, ist Gott sei Dank weder so süß wie das eine noch so hart wie das andere. Autoscooter trifft es wohl am ehesten. Zwar ohne Chip-Einwurfschlitz im Armaturenbrett, aber den kann man ja nachrüsten, Buggys blieben eh nur selten original. Das massive Sportlenkrad bricht mit jeder Eleganz und im Härtefall auch das Nasenbein, aber solche Gedankengänge unterbindet der Dreh des Zündschlüssels, der Spritgemisch und Endorphine gleichzeitig entzündet. Im Falle des Apal Jet aus der VW-Classic-Kollektion im schönsten Siebziger-Orange dringen 85 PS in unser Ohr, das wie alle anderen Sinnesorgane jetzt auf volle Empfangsbereitschaft geht. Der Kupplungsfuß trifft auf die gummileicht federnde Käfer-Pedalerie, während die rechte Hand den leicht gekröpften Schalthebel in die Position des ersten Gangs klacken lässt. Kupplung kommen lassen, Gas, und schon stürmt die orange Haut los.

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Zweiter Gang, dritter, vierter, alles herrlich kurz und giftig übersetzt. Der Wind zerschellt an der Frontscheibe und zerrt an den Resten der Frisur, um vom brabbelnden Boxer zu Kühlzwecken verschlungen zu werden. Da macht es auch gar nichts, nur rund um den Wolfsburger Allersee zu knattern. Das tun wir immerhin auf dem Fußweg, zur tatsächlichen Freude fast aller Passanten. Die Sonne brennt, als wir den Apal-Buggy schließlich doch noch Sandstrand unter den Gummiwalzen spüren lassen. Nur kurz. Ganz kurz. Denn da erscheinen schon die Herren mit dem Blaulicht auf dem Dach. War doch alles nur ein Riesenspaß, Jungs! Gas und weg. In sicherer Entfernung halten wir an. Brutzelnd und knackend schwitzt der Boxermotor im offenen Heck, was fast so klingt wie in Grillglut tropfendes Bratfett. Noch jemand einen Bruce Bacon?

Historie

Die Kabel mahnen, dass der Buggy für den Strand, aber nicht für das Wasser gebaut ist.

Wie viele Buggy-Hersteller es ab Ende der 1960er-Jahre gab, ist bis heute nicht seriös bezifferbar, denn im Prinzip konnte sich jeder sein Fantasie-Vehikel auf die Räder stellen und zum Kauf anbieten. Die Typologie der Buggys ist in etwa so facettenreich wie die Rezeptur von Polymerkunststoff. Von Apal aus Belgien, zwischendurch immer mal wieder abgebrannt (finanziell und physisch), stammt unser Fotoauto, der Jet. Er besitzt ein Formkleid, als sei feinste Eiscreme hingebungsvoll in die richtigen Proportionen geschmolzen. In Hamburg entwarf und vertrieb die Firma Kühn ihre Buggys, desgleichen Mahag in München, Ruska, Bieber und Siegel sind weitere Hersteller. Aus Schweden kamen Kreationen der Marke HAZ, darunter der Deserter. In Niedersachsen bot das Autohaus Südhannover den AHS Imp an, Karmann in Osnabrück entwickelte den Typ GF – Synonym für die auftraggebende Zeitschrift "Gute Fahrt". Die meisten Buggy-Fahrgestelle stammten vom Käfer, wurden jedoch jeweils um rund 38 Zentimeter gekürzt. Strenge Sicherheitsauflagen killten die Buggy-Kultur in den 1980er-Jahren.

Technische Daten

VW Apal Jet: Vierzylinder-Boxer-Heckmotor • zentrale liegende Nockenwelle, über Zahnrad angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, Solex-Einfach-Vergaser • Hubraum 1750 ccm • Leistung 63 kW (85 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 148 Nm bei 2600/min • Viergang-Schaltgetriebe • Hinterradantrieb • Drehstabachse mit Stabilisatoren vorne, Einzelradaufhängung, Doppelgelenkachse mit Stoßdämpfern hinten • Reifen 185/65 R 15 vorne, 275/60 R 15 hinten • Radstand 2004 mm • L/B/H 3690/1720/1320 mm • Leergewicht 630 kg • 0–100 km/h in 9,0 s • Spitze 145 km/h • Verbrauch ca. 10 l Super pro 100 km • Neupreis 1973: ca. 4700 Mark (nur Body Kit).

Plus/Minus

Ein Apal fühlt sich an wie ein Power-Tretboot auf Rädern.

Sie sind zugig, sie sind nicht crashfest, sie sind laut – aber unwiderstehlich: Wer einmal im Buggy durch die hochsommerliche Stadt gecruist ist, vorbei an den geschlossenen und vollklimatisierten Blechdach-Cabrios der Neuzeit, der will die olle Plastikwanne nicht mehr hergeben. Gar nicht zu reden von freien Landstraßen oder den wenigen Strandabschnitten, die für Autos nicht tabu sind. Einziger Knackpunkt, und dies im Wortsinne, kann ein geborstenes GFK-Kleid sein, besonders im Bereich der hinteren Karosserieaufnahmen. Räder, Antrieb, Fahrwerk? Alles Massenware vom Käfer, alles solide, reparabel und finanziell überschaubar. Tipp für Vollblut-Buggypiloten: Standheizung und Persenning mit Plastikfenstern auftreiben, damit trotzt ein Buggy selbst schlechtem Wetter. Zumindest theoretisch.

Ersatzteile

Eh, wie bitte? Originalteile? Die gab es doch schon ab Werk nicht, wäre uns jetzt beinahe herausgerutscht. Tatsache ist: Kaum eine andere Klassikergattung macht so viel Spaß beim Schrauben wie die der Buggys. Warum? Weil zeittypisch und damit "original" nur eines an diesen Autos ist: ihr kunterbunt zusammengewürfelter Komponenten- Charakter. Body Kits waren schon immer eine entspannte Sache, bei der alles Spaß machte, was auf dem Markt verfügbar war – und was dem TÜV entging.

Marktlage

Nach der fulminanten Modewelle zwischen 1965 und 1975 erlebten die Buggys einen schnellen Niedergang. Zum einen hatte der Zeitgeist sich gewandelt: Offene, unbequeme und zudem noch gebastelte Freizeitmobile kamen aus der Mode. Den Rest besorgten immer strengere Sicherheitsbestimmungen. Heute sind Buggys wieder im Kommen – und dabei erstaunlich erschwinglich. Ab 3500 Euro gibt es akzeptable Exemplare, völlig utopisch sind Kurse jenseits von 10.000 Euro.

Empfehlung

Glasfaser-Kunststoff ist robuster, als man zunächst glaubt, daher haben viele Buggys in ordentlichem Zustand überlebt. Heute wie früher gibt es die Wahl zwischen "einsteigen und losfahren" und "abschleppen und losschrauben". Reparaturen an der Buggy-Karosserie sind oft anspruchsvoll. Die Mechanik ist dafür so simpel, wie es Käfer-Freunde gewohnt sind. Eine genaue Überprüfung verdienen die gekürzten Chassis, denen Korrosion den Garaus machen kann. Vorsicht: Autos ohne gültige Papiere können nicht neu zugelassen werden.

Autor: Knut Simon

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