Lancia A 112 Abarth (1981-1985)

Youngtimer Lancia A 112 Youngtimer Lancia A 112

Lancia A 112 Abarth (1981-1985)

— 26.03.2002

Der Mini-Ferrari

Heiß, schnell und laut - nicht nur Freunde italienischen Temperaments packt beim A 112 Abarth die Leidenschaft.

Das erste Mal vergisst du nie: Sie hieß Diana und fuhr Autobianchi A 112 Abarth. Verliebt war ich und fuhr Opel Kadett B Coupé. Aber wenn sie Gas gab, hatte mein braver Blitz gegen den Skorpion nur das Nachsehen. Viel mehr blieb auch nicht von dieser Sommerliebe. Was zählt, ist Erinnerung. Und die ist schlagartig wieder da, als ich in dem kaum brust- hohen Rennzwerg Platz nehme. Schnapp - die Türen klingen noch genauso blechern wie vor 15 Jahren. Schmale Sitze, doch überraschend komfortabel. Das schwarze Leder mit den roten Kedern hat der 84er Youngtimer Besitzer Egon Thede zu verdanken.

Erste Leidenschaft

Klein, aber oho - der Skorpion im Markenzeichen signalisiert die giftigen 70 PS an den Vorderrädern und lässt die Fahrer zu Formel-Piloten werden.

Original waren in den Siebzigern ein Karostoff im braven 112er oder schweißtreibendes Kunstleder im Abarth. Nur das kompakte Lederlenkrad gehört zum Abarth, wie die Farbe rot zu Ferrari. Und wie die schnellen Fiat-Geschwister wurde der Abarth zum Serienstart nur in Racing-Rosso angeboten. Abgesetzt in Mattschwarz waren Motorhaube und die unteren Seitenteile. Die kleinen A-112-Modelle mit 44 PS hatten dagegen eine modische Zweifarblackierung mit einem Dach in Schwarz oder Weiß, das aus Kostengründen Ende der siebziger Jahre nicht mehr angeboten wurde.

Italienische Primadonna

Das große Facelift von 1978 raubte dem Fiat-Abkömmling auch sonst viel seines ursprünglichen Charmes: Die Rundinstrumente im Cockpit fielen Zeitgeist und Kostenkontrolle genauso zum Opfer wie Chromstoßstangen und Grill. Auch die späteren Plastikleisten an den Seiten und auf den Radläufen dienten eher dazu, das typische Italo-Leiden jener Zeit zu tarnen: Rost. Er blüht in Radkästen, Kotflügel, Schweller - überall. Nur 900 Exemplare ließ die braune Pest bei uns übrig, obwohl allein Lancia bis 86 noch 13.299 A112 verkaufte.

Umso wertvoller ist heute ein Abarth wie unser Youngtimer (knapp 250 Exemplare waren 2000 noch zugelassen). Mit Liebe gepflegt und Leidenschaft gefahren. Denn der A 112 verführt selbst zahme Fahrernaturen zur heftigen Liebesaffäre mit dem Gaspedal. Schon wenn das Litermotörchen zum Leben erwacht, schwingt in dem heiseren Schnarren ein giftiger Unterton mit. Der hält sich bis 3000, 4000 Touren noch im Zaum. Doch dann erhebt die italienische Primadonna ihre Stimme zum schrillen Fortissimo, mit Drehfreude ohne Ende.

Erst jenseits von 7000 Umdrehungen verharrt der Zeiger, pendelt der Tacho bei 160 Stundenkilometern. Liebesgeflüster erfordert bei diesem Tempo ausgeprägte Stimmbänder, und Leidenschaft findet dann mehr auf dem Asphalt als im Wagen statt. Seitdem Bergrennen selten geworden sind, zählen Stadt und Landstraße zu den bevorzugten Arbeitsfeldern der italienischen Kreissäge mit dem Extra-Biss.

Formel Abarth

"Ein Automobil, das Platz schafft, statt ihn anderen Verkehrsteilnehmern zu nehmen" hieß es in Annoncen von Importeur Walter Hagen Ende der Siebziger. Wohl wahr. Noch heute wird jede Pole-Position an der Ampel - Ordnungshüter, bitte weghören! - zur Formel Abarth. Beim Start verlangt die schlabbrige Gangschaltung aber eine erfahrene Hand. Auch das Lenkrad erwartet einen festen Griff, entschädigt aber mit wunderbar direktem Fahrbahnkontakt.

Und das mit dünnen 135er-, maximal 155er-Reifen. Badelatschen statt Kampfstiefel. Der Fronttriebler rutscht und radiert mehr durch die Kurven, als er richtig führt, trotzdem macht der Fronttriebler keine Zicken. Sein Fahrer muss nur den Gasfuß zügeln, dann kehrt der Untersteuerer brav in seine Spur zurück - die überdurchschnittliche Straßenlage sichert sportwagentaugliche Überrundungen. Der italienische Mini hat auch heute noch Feuer unter der Haube und spart dem Fahrer jeden Kartbahnbesuch. Und wenn der Rost keine Leiden schafft, hält wenigstens die Liebe zum A 112 ewig.

Historie, Daten, Kontakt

Modellgeschichte Pfiff steckte schon im A 112. Die Fiat-Interpretation des Mini sah 1969 nicht nur flott aus, sondern wirkte auch erwachsener als der kleine Brite. Erstmals setzten die Italiener auf Frontantrieb und quer eingebauten Motor. Doch Vierganggetriebe und das 44-PS-Aggregat waren alte Fiat-Bauteile. Zu dürftig, fand Tuner Carlo Abarth und implantierte einen 108-PS-Motor. Doch selbst eine 90-PS-Version war den Fiat-Chefs zu feurig, mehr als 58 PS durfte der erste A 112 Abarth 58 HP 1971 nicht haben. Aber schon 1974 durfte Abarth nachlegen und entlockte der Litermaschine stolze 70 PS - bei gerade mal 700 Kilo Gewicht. Die gravierendsten Karosserieveränderungen kamen zum Modelljahr 1978. Beim Nuova A 112 umrahmte ein Plastik-Kühlergrill die zuvor chromberingten Scheinwerfer, auf der Motorhaube landete eine Lufthutze, und schwarze Kunststoffleisten und -stoßfänger kamen ans Blech. Im Cockpit wurden die klassischen Rundinstrumente durch einen eckigen Instrumententräger ersetzt. Ab 1981 übernahm Lancia Vertrieb und Modellnamen bis zum Produktionsstopp 1985 (Verkaufsende 86).

Kontakt Autobianchi A112-IG Deutschland, Guido Prigge, Tel. 05482-6079, www.a112.de

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