In England jagt im Jahr 1973 Jahren eine Sensationsmeldung die andere. Prinzessin Anne gibt ihre Verlobung mit Captain Mark Phillips bekannt. Roger Moore rettet zum ersten Mal als Bond die Welt. Und vom Filmtitel "Leben und sterben lassen" lässt sich auch die traditionell vaterländisch eingestellte Auto-Fachpresse des Königreichs inspirieren: "BMW, pass auf", lautet ihr Schlachtruf. "Autocar" versteigt sich sogar zu der mutigen Behauptung "Britannia shows the way". Was ist geschehen? Mit 129 PS düpiert der Dolomite Sprint, Triumphs Reaktion auf Alfa Giulia und BMW 02, die Konkurrenz nicht nur in Sachen Leistung. Klammert man den (minimal früher vorgestellten) Escort RS 1600 und das Lotus-Aggregat des Jensen-Healey aus, haben die Briten auch als Erste einen Großserienmotor mit Vierventiltechnik im Angebot, Jahre bevor sich Krethi und Plethi auf dem Kontinent das Kürzel "16V" an ihre Kofferräume kleben können.
Triumph Dolomite Sprint (1973)
Mild untersteuernd tobt der Triumph Dolomite Sprint durch die Pylonengasse.
Bild: Roman Raetzke
Die direkte Konfrontation scheuen die Briten dennoch: In Deutschland wird der Dolly offiziell nicht angeboten, damit bleibt es bei vereinzelten Scharmützeln, die die Soldaten der Rheinarmee mit lokalen BMW-Treibern ausfechten. In der Regel dürften Letztere obsiegt haben, denn wenn es hart auf hart kommt, schlagen beim Sprint trotz Kriegsbemalung und grimmigem Doppelscheinwerfer-Blick doch die gemütlichen Gene durch. Der ausgefallen konstruierte Vierzylinder, bei dem eine einzelne oben liegende Nockenwelle die Einlassventile per Tassenstößel und die Auslassventile über Kipphebel betätigt, outet sich in Sachen Leistungsabgabe als typischer Mehrventiler. Untenrum weht nur ein laues Lüftchen, erst bei hohen Drehzahlen kommt Leben in die Bude. Ab 4000 Umdrehungen stürmt der 1034 Kilo leichte Dolly vehement nach vorn. Allerdings gebärdet er sich dann akustisch wie ein Hooligan im Herrenclub, als den man das konservativ möblierte Cockpit mit seiner Walnussholz-Vertäfelung empfindet. Die Lenkung lässt um die Mittellage spüren, dass Großbritannien einmal eine Seemacht war. Dafür zweifelt der Kapitän ob des agilen Fahrverhaltens keine Sekunde lang daran, dass die zierliche 4,20-Meter-Limousine, wie "The Motor" zum Debüt vor 40 Jahren jubelte, in England tatsächlich eine "Antwort auf die Gebete vieler Leute" war.

Britisches Rauhbein: MGA Roadster


Fazit

Als 1980 in Canley die Lichter ausgingen, starb die gesamte Baureihe. Leider. Denn so bekam das zarte Pflänzchen Innovation, das Anfang der 70er selbst im Hause British Leyland keimte, keine Chance zur Entfaltung.