Oldtimer aus Norwegen

Troll – das Auto aus Norwegen Troll – das Auto aus Norwegen

Troll – das Auto aus Norwegen

— 23.12.2010

Die traurige Geschichte vom Troll

Mitte der 50er-Jahre sollte ein Plastikauto mit Zweitaktmotor der Volkswagen von Norwegen werden. Doch der Troll brachte nur Leid über die Menschen, die ihn bauten. AUTO BILD KLASSIK hat den letzten lebenden Troll besucht.

Mit dem Troll kam der Tod. Und der ließ sich Zeit, viele Jahrzehnte. Bis er einen nach dem anderen holte. Knut und Birger und all die Männer, die am Troll gearbeitet hatten. Der Tod kam als Lungenkrebs, als schweres Asthma, er kam in jeglicher Form unheilbarer Atemwegserkrankungen. Der Troll aber verschwand so schnell, wie er gekommen war. Zwischen 1956 und 1958 entstanden gerade einmal fünf Exemplare von ihm in einem flachen Gebäude am Stadtrand des Örtchens Lunde, zwei Autostunden westlich von Oslo. Der Troll sollte vor mehr als 50 Jahren der Volkswagen Norwegens werden. Ein Sportcoupé mit einer Kunststoffkarosserie, Zweitaktmotor, hinten angeschlagenen Türen, 3,85 Meter lang und 1,29 Meter flach. Günstiger als ein VW Käfer sollte er sein. Ein Auto, das sich jeder Norweger leisten kann. So wollte es sein Erfinder Per Kohl-Larsen.

Das Wirtschaftswunder: Autos der 50er-Jahre

Der letzte noch fahrbereite Troll gehört Ole Christian Simonsen. Allerdings kann er den Troll nur noch im zweiten Gang bewegen.

Dass es ihm nicht gelang, mehr als fünf Stück zu bauen, das hat etwas mit Fischmehl zu tun, mit Russland und mit der Mutlosigkeit der Politik. Die traurige Geschichte des Troll ist die traurige Geschichte des Per Kohl-Larsen und seiner Männer, von denen nur noch einer lebt. Der letzte Zeuge ist heute 75 Jahre alt: Oddvar Lunde, der Mann, der so heißt wie der Ort, an dem der Troll entstand. Oddvar ist ein fröhlicher Großvater, gut zu Fuß, Hörgerät im Ohr. Er war einst Designer und Mechaniker, er arbeitete als Einziger in einem Nebenzimmer. Vielleicht hat der Tod ihn nur deshalb noch nicht geholt. "Alle meine Kollegen arbeiteten ohne Atemschutzmaske an der Kunststoffmasse für die Glasfasermatten. Hätte ich mit denen zusammen in einem Raum gesessen, Sie hätten heute keinen mehr für Ihr Interview."

Nach nur fünf Exemplaren kam das Aus für den Troll. Die norwegische Regierung wollte keine eigene Autoindustrie.

Es gibt außer ihm noch zwei Männer, die vom Troll erzählen können. Der eine, weil ihm das letzte fahrbereite Auto gehört. Der andere, weil er alles gesammelt hat, was seit den 50er-Jahren über das Auto und seinen Erfinder geschrieben wurde. Der eine ist Ole Christian Simonsen, 63 Jahre alt, Getränkehändler aus Sandnes. 1977 kaufte er einen der fünf Troll für umgerechnet ein paar hundert Euro. "Das Auto war mehr oder weniger zerlegt in ein paar Kisten", erinnert sich Oldtimer-Fan Simonsen, als er mit seinen Freunden vor dem kleinen Automuseum "Rogaland Bilmuseum" an der Landstraße 39 steht. Rund 20 alte Autos stehen sich hier in einem Raum, von der Borgward Arabella bis zum alten US-Feuerwehrfahrzeug. Etwa 2000 Besucher kommen pro Jahr – und sie können hier eine echte Rarität entdecken: einen lebenden Troll. Drei stehen leblos in Lillehammer im Museum, einer ist verschollen. Nur der von Ole fährt noch. Wenn auch nur im zweiten Gang.

Lesen Sie die ganze Geschichte oben in der Bildergalerie!

Autor: Hauke Schrieber

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