Was wäre der VW Golf 1 GTI gewesen ohne die karierten Polster und ohne den Golfball-Schaltknauf? Richtig: Schottenkaro-Sitzbezüge und Golfball-Knauf gehören so selbstverständlich ins GTI-Interieur wie die Schornsteine des alten VW-Heizkraftwerks an den Mittellandkanal.

Wie Liljequist für den Golf GTI von 1976 aufs Schottenkaro kam

Karos und Ball waren Ideen von Designerin Gunhild Liljequist. Sie bekam 1975 den Auftrag, etwas Sportliches für den Golf zu kreieren. "Ich war damals oft in der Carnaby Street im Swinging London, und ich liebte diese Schottenkaros, die ich schon für die Westfalia-Camper benutzt hatte. Dieses Mal durfte es kräftiger sein."
Gunhild Liljequist im VW Golf 1 GTI, dazu Detailfoto von ihrer Hand um den Golfball-Schaltknauf
Bei Gunhild Liljequist waren Schottenkaros kein Symbol für Geiz. Im VW Golf 1 GTI nahm die Farbkombination die kühle Ästhetik der 80er-Jahre vorweg. Wer auf die Idee mit dem Golfball-Schaltknauf kam, ist nicht bis ins Letzte dokumentiert.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Über den Golfball-Schaltknauf, der mal ihr, mal VW-Designchef Herbert Schäfer zugeschrieben wird, sagte sie: "Na ja, darauf kommt man fast automatisch!"
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Überhaupt unglaublich, mit welch einfachen Stilmitteln VW einen derart hohen Wiedererkennungswert erzeugte: Mattschwarze Zierstreifen, der rote Plastikrahmen für das Kühlergitter, Breitreifen, ein größerer Frontspoiler und die ebenfalls in Mattschwarz eingefasste Heckscheibe kennzeichnen den GTI äußerlich.

1968: VW T2 Westfalia schon mit Karo-Polsterstoffen

Beim Thema VW T2 Westfalia hat sie es ja schon angedeutet: Gunhild Liljequist erfand noch mehr Designs, die heute über die VW-Fan-Szene hinaus als legendär und ikonisch gelten.
historisches Schwarzweißfoto: Gunhild Liljequist im Designstudio, an der Wand eine Schnittzeichnung vom VW T2
Selbst in Tweed gekleidet, arbeitete Gunhild Liljequist an Stoffen für den VW T2.
Bild: VW Nutzfahrzeuge
Innenraum des VW T2 Westfalia
"Berlin" heißt der grün-gelb karierte Polsterstoff im VW T2 Westfalia.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD

Ihr 90. Geburtstag – und das Werk der Gunhild Liljequist

Wir greifen das Thema jetzt auf, weil Gunhild Liljequist im März 2026 ihren 90. Geburtstag gefeiert hätte – wäre sie nicht 2022 im Alter von 86 Jahren in Hamburg verstorben. Als Gunhild Terzenbach und Tochter einer Hutmacherin wurde sie am 21. März 1936 in Berlin geboren.
historisches Farbfoto: Gunhild Liljequist in jungen Jahren als Malerin an der Staffelei
Neben ihrer Tätigkeit bei VW war Gunhild Liljequist auch eine leidenschaftliche Malerin, die Ausstellungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich hatte, schreibt Buchautorin Jeanette Nentwig. Und sie gestaltete Serien für Fürstenberg-Porzellan.
Bild: privat
Bei der Schokoladenfirma Sarotti entwarf sie nach ihrem Studium der Porzellanmalerei zunächst Bonbonnieren. 1964 aber ging sie nach Wolfsburg, in die VW-Abteilung "Farben und Stoffe". Da war sie die erste Frau in der Abteilung!

1972: VW-Sondermodell Weltmeister-Käfer

VW Käfer Weltmeister stehen von vorn
Am 17. Februar 1972 baute VW den Käfer Nummer 15.007.034. Damit brach der den Rekord der Tin Lizzie als meistgebautes Auto. VW feierte das bis 31. März 1972 mit dem Sondermodell "Weltmeister". Mehr als 6000 Stück wurden gebaut.
Bild: Dieter Rebmann / AUTO BILD

Das erste Sondermodell von VW überhaupt war laut Werk der "Weltmeister-Käfer": 1972 hatte der VW Käfer das Ford Model T ("Tin Lizzie") als meistgebautes Auto der Welt abgelöst. Diesen Produktionsweltrekord nahm VW zum Anlass, die Sonderserie des 1302-Käfers aufzulegen.
Goldmedaille mit der Aufschrift "Der Weltmeister".
Zum Weltmeister-Käfer gehörten Werkszertifikat, Aufkleber, Schlüsselanhänger, Schmuckanhänger und eine Goldmedaille mit der Aufschrift "Der Weltmeister".
Bild: Dieter Rebmann / AUTO BILD
Gunhild Liljequist stimmte den blauen Farbton "Marathon metallic" des Weltmeister-Käfers ab. Später sagte sie mal: "Dem Käfer kannst du alles anziehen. Dem steht jede Farbe."

1973: VW-Sondermodell Jeans-Käfer

VW Jeans-Käfer fahrend von der Seite
Von Weitem erkennt man Jeans-Käfer an den schwarzen Augenringen (fast alle Chromteile sind geschwärzt) und dem Zierstreifen an der Seite. Unser Foto-Auto ist "Nepalorange".
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD

1973 schuf Gunhild Liljequist den Jeans-Käfer. Zeitzeugenberichten zufolge soll er ein Kind des regen Handels zwischen der DDR und Volkswagen gewesen sein. Gegen Autolieferung bekam VW angeblich Unmengen von Dresdner Christstollen, ein Planetarium von Carl Zeiss Jena und einen Güterzug voll DDR-Jeansstoff. Der wurde zu Sitzbezügen. Legende oder Wahrheit? Das müssen wir noch herausfinden.
Site des Jeans-Käfer
Die Hussen kommen: glattflächige Sitzbezüge in "Denim-Blau", wenige Nieten. Dass die Stoffe aus der DDR kamen, betonte VW in der Werbung nicht.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Der VW Jeans-Käfer erschien 1973 mit mattschwarzen Zierteilen – zunächst nur in "Tunisgelb". 1974 erweitert sich die Farbpalette um "Phönixrot", "Brillantgelb" und nach manchen Quellen auch "Marinogelb", 1975 auf "Nepalorange".

1976: VW-Sondermodell Jeans Polo

Entweder war der Jeans-Käfer ein überragender Erfolg, oder VW hatte noch haufenweise Jeansstoffe rumliegen. Jedenfalls war laut Volkswagen das erste Sondermodell des VW Polo I in Deutschland überhaupt – 1976 – wiederum der "Jeans Polo". Die Designerin, Sie ahnen es: Gunhild Liljequist.
Studiofoto: VW Jeans Polo stehend schräg von hinten
"Jeans" prangte nicht nur am Heck und an den Zierstreifen in den US-Nationalfarben, sondern auch auf dem Polo-1-typischen Deckeln der Zwangsentlüftung. Die Western-Optik sollte eine Reminiszenz an die Hose der Cowboys sein.
Bild: VW
Sitze des Jeans Polo
Beim "Jeans Polo" sind die Polsterstoffe im Jeans-Look aufwendiger vernäht als bei Jeans-Käfer. Sie tragen nicht nur Nieten, sondern auch Taschen.
Bild: VW
1976 gab es den Jeans Polo in "Oregonbeige" und "Carolinagrün". Eine zweite Auflage schob VW 1978 nach, dann in "Alpinweiß", "Mexikobeige" und "Marsrot".
Seite aus einem Prospekt für den VW Jeans Polo
"Das Auto für Lustige, Lässige, Pfiffige", stand bei einem Prospekt für den Jeans Polo auf der Titelseite.
Bild: VW

1984: VW-Sondermodell Samtroter Sonderkäfer

Lange kümmerte Liljequist sich hauptsächlich um Serienmodelle. 1984 aber erschien das Auto, von dem sie sagte, es sei ihr Lieblingsprojekt gewesen. Sein seltsamer Name: Samtroter Sonderkäfer.
Studiofoto: VW Käfer Sondermodell Samtroter Sonderkäfer von schräg vorn
Zum Sondermodell Samtroter Sonderkäfer gehörten verchromte Griffe, Stoßstangen, Radkappen und Radzierringe.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Um das Sondermodell von 1984 und 1985 hat sich eine Fangemeinde geschart. Marco Strohmeier aus Holtershausen bei Einbeck (Niedersachsen) zum Beispiel hat dem Samtroten Sonderkäfer die Website samtroter.de gewidmet und dort alles, was er darüber finden konnte, veröffentlicht.
Dort erfährt man, dass der Samtrote Sonderkäfer ursprünglich "Nostalgie-Käfer“ heißen sollte. Hintergrund: 1985 endete der offizielle VW-Import des Mexiko-Käfers nach Deutschland.
historisches Schwarzweißfoto: Gunhild Liljequist am Schreibtsch
Sitze, Stoffe, Farben, Stifte: Damit arbeitete Gunhild Liljequist jahrzehntelang bei VW. Dieses undatierte Foto dürfte aus den 80er-Jahren stammen.
Bild: VW
Vorher gründeten sie das "VW-Team für Käfer-Aktionsmodelle". Dort arbeitete auch Gunhild Liljequist. Für das Sondermodell Samtroter Sonderkäfer entwarf sie zunächst Sitzbezüge aus einem Veloursstoff in Rot mit blauen Streifen. Dazu einen blauen Velours-Teppich und Türverkleidungen in blauem Kunstleder.
VW Käfer Samtrote Sonderkäfer, Cockpit und Sitze
Samtrote Sonderkäfer mit komplett erhaltenem Innenraum sind selten geworden.
Bild: privat
Lackiert wurde der Samtrote Sonderkäfer im Farbton (Überraschung) "Samtrot", Farbcode LG3C. Unter den Chrom-Zierleisten an den Seiten bekam er je einen schmalen Doppelzierstreifen, und gleich über den Trittbrettern verlaufen je zwei Streifen, von denen die oberen sich vor den hinteren Kotflügeln zu Blättern hochschnörkeln.
"Der gesamte Entwurf des Samtroten ging auf Frau Liljequist zurück, der man für dieses Projekt absolut freie Hand ließ", schreibt Marco Strohmeier. "Ohne jegliche Änderung wurde ihr Vorschlag schließlich akzeptiert und konnte somit in die Produktion gehen."

Gunhild Liljequist war "sehr bescheiden und liebenswürdig"

Bei einem Treffen von Fans und Besitzern des Samtroten Sonderkäfers 2015 in Einbeck traf Strohmeier zum ersten Mal Gunhild Liljequist. "Ich durfte sie als sehr bescheidene und absolut liebenswürdige Frau kennenlernen", betont er.
Gunhild Liljequist und Marco Strohmeier vor einem VW Käfer Sondermodell "Samtroter Sonderkäfer"
Gunhild Liljequist und Marco Strohmeier lernten sich 2015 am PS.Speicher in Einbeck kennen, bei einem Treffen für Samtrote Sonderkäfer.
Bild: privat
Die Journalistin und Buchautorin Jeanette Nentwig bestätigt das: "Sie war bis zum Schluss verwundert, dass sie mit ihrer Arbeit solch großen Erfolg hatte und Aufmerksamkeit erregte. Sie war – trotz dieser Erfolge – niemals eingebildet oder abgehoben."
Noch etwas: "Und sie hatte einen wunderbaren, staubtrockenen Humor, mit dem sie auch sich selbst und die kleinen Missgeschicke des Lebens oder die Last des Älterwerdens auf die Schippe nahm."

1990: VW-Sondermodell Golf 1 Cabrio Etienne Aigner

Zurück zu ihrer Arbeit: Bis 1991 entwickelte sie bei VW Farbpaletten für Sondermodelle. Zum Beispiel 1990 das Golf Cabrio Etienne Aigner. Der gebürtige Ungar (1904–2000) war mit Firmen in den USA und Deutschland erfolgreich.
VW Golf 1 Cabrio Sondermodell Etienne Aigner stehend schräg von vorn
Das VW Golf 1 Cabrio Etienne Aigner hatte farblich auf den Lack abgestimmte Räder und Außenspiegel, Wärmeschutzverglasung und den Folienschriftzug "Etienne Aigner" samt Emblem auf dem Kotflügel.
Bild: VW
Aigner stellte VW eigene Unterlagen und Entwürfe zur Verfügung, lud Mitarbeiter zu einer "Inspirationsreise" nach München ein – ansonsten aber ließ er offenbar der Designerin freie Hand. Liljequist: "Die haben sich bis zur Präsentation komplett rausgehalten und dann das Endergebnis abgesegnet." Na bitte.
Innenraum des Sondermodells VW Golf I Etienne Aigner Cabrio
Innen hatte der Golf Etienne Aigner Sitzstoffe aus Jacquard-Gewebe samt Aigner-Emblem, dazu ein Lederlenkrad und ein Radio.
Bild: VW
Die Käufer konnten 1990 und 1991 auswählen zwischen "Midnight Blue Perleffekt", "Bordeaux Perleffekt" und "Mangrovengrün metallic".
Gunhild Liljequist an lackierten Bögen und Stoffproben
Lacke und Stoffe sollten vor allem bei Sondermodellen sorgfältig aufeinander abgestimmt sein.
Bild: VW

Buch und Ausstellung über Gunhild Liljequist

2019, beim zweiten Treffen der Samtroten Sonderkäfer in Einbeck, entstand laut Marco Strohmeier die Idee, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Die anwesende Journalistin Jeanette Nentwig hat 2024 das Buch "Design Ikone. Die Geschichte der Gunhild Liljequist" veröffentlicht. Erschienen im Mediathoughts Verlag, 18,50 Euro.
Im Gespräch mit AUTO BILD erzählt sie noch, sie habe Liljequist "für ihr unglaubliches Gespür für Farben und stimmige Designs bewundert. Häufig konnte sie selbst gar nicht erklären, wie sie auf ihre Ideen und Entwürfe kam – sie machte das einfach aus dem Gefühl heraus. Und es wurde wunderbar. Das war ihre individuelle Genialität."

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Buchtitel "Design Ikone"

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Was für ein Talent! Was für eine Gabe! Und was für eine Tragödie, dass ausgerechnet sie am Ende ihres Lebens fast blind war.

Und: Am 29. März eröffnet der PS.Speicher in Einbeck (Niedersachsen) die Sonderausstellung "90 Jahre Gunhild Liljequist". Sie findet bis zum 5. Oktober 2026 in der Sammlung Automobil an der Bismarckstraße 9 statt.
Der Eintritt in die "Erlebnis-Ausstellung" beträgt zwölf Euro, ermäßigt acht Euro. Öffnungszeiten: bis Ende März dienstags bis freitags 11 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 10 bis 18 Uhr. April bis Oktober: dienstags bis sonntags immer 10 bis 18 Uhr. Letzter Einlass jeweils eine Stunde vor Schließung.
Sondermodelle und ein paar Details sind nur Beispiele für die Arbeit von Gunhild Liljequist. Ihr Lebenswerk ist größer: Sie prägte jahrzehntelang Farben, Stoffe, Haptik und damit einen Teil der Identität von VW.