Alfa-Profi Robert Clever: Die Spezialisten
Im Einsatz für Alfa Romeo: Clever und smart

Bild: Stellantis
Am Rande des Spessarts im beschaulichen Gelnhausen-Roth, wo die Fachwerkhäuser ein romantisches Bild des ländlichen Hessens zeichnen, gibt es eine Pilgerstätte für Liebhaber italienischer Automobile. Versteckt im Wohngebiet, in einer unscheinbaren Garage, ist Robert Clever zu Hause. Hinter dem grauen Rolltor rechts neben seinem Wohnhaus befindet sich seine kleine, aber feine Werkstatt. Ein lässiger Holz-Empfangstresen mit Barhockern am Eingang und eine Espressomaschine auf der Werkbank machen bereits nach dem Betreten deutlich, dass die Arbeitsroutinen hier vermutlich anders sind als in anderen Werk-stätten. Hausherr, Chef und ein-ziger Mechaniker ist der in der deutschen Alfisti-Szene bekannte "Alfa-Doktor". Der 59-Jährige ist ein Kfz-Meister vom besonderen Schlag. Er hat Feingefühl, packt aber auch kräftig zu, wenn es darauf ankommt.
Die allermeisten Drehmomente diverser Alfa-Romeo-Modelle kennt er heute auswendig. Sein Wissen und Können hat er aber schon früh kultiviert. Bereits als Schulkind hatten es ihm italienische Automobile angetan. Clevers italophiler Vater fuhr mit einem Fiat Topolino über die Alpen nach Italien in den Urlaub. Später arbeitete er als Taxifahrer und chauffierte die Fahrgäste mit einer Alfa Berlina. "Vermutlich das einzige Taxi dieser Art in Deutschland", vermutet Clever heute.
Geschraubt wurde schon damals in der heimischen Garage. Auch am eigenen Clever-Formula-Racing-Rennwagen des hauseigenen Wochenend-Rennstalls.
Die Anfänge
"Damals habe ich den Schulranzen in die Ecke geworfen und bin zu meinem Vater in die Werkstatt gelaufen", erinnert sich Robert Clever. Nach der Schulzeit war somit sein Weg vorgezeichnet. Zunächst ging es in die Mechanikerlehre. Dann folgten Gesellenjahre in einer Volvo-Niederlassung. 1987 ergab sich endlich eine Anstellung in der Werkstatt von Clevers Lieblingsmarke Alfa Romeo. Die Meisterschule schloss er 1991 erfolgreich ab, eine Weiterbildung zum Kfz-Sachverständigen folgte. "Schon damals schlichen sich Kunden mit älteren Autos ans Werkstatttor, um bestimmte Fragen nicht mit ihrem Kundenberater, sondern direkt mit mir zu klären", erinnert er sich. Irgendwann entschied sich Clever, sein eigenes Ding in den heimischen vier Wänden aufzuziehen. "Die Werkstatt ist mein Reich, ich bin gerne Einzelkämpfer", gesteht er. Die Leidenschaft, die er für die berühmte Marke aus Mailand empfindet, erkennt man in jedem Winkel seiner mit zahlreichen Alfa-Devotionalien dekorierten Werkstatt. Und man sieht und spürt bei jedem Handgriff, den Clever an den meist historischen Kundenfahrzeugen ausführt, dass er mit viel Herzblut arbeitet.

Seine Arbeiten an Kundenfahrzeugen wie diesem 40 Jahre alten Alfa Spider plant und dokumentiert Clever minutiös mit dem Klemmbrett, damit es im späteren Reparaturverlauf nicht zu Unklarheiten kommt.
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Egal ob es um die Einstellung eines Doppelvergasers, Ansaugtrichter-Nachrüstung bei einem Nord-Motor, Kabelbaumerneuerung oder die Falschluftsuche bei einem Busso-Triebwerk geht: Clever ist der Alfa-Mann. Bei unserem Besuch ist Clever gerade mit einem Gummilippen-Spider beschäftigt. Mit seinem elektronischen Drehmomentschlüssel bewaffnet widmet er sich pedantisch den Anzugsmomenten der Schrauben am berühmten Doppelnocker-Motor. Danach geht er ohne Hektik die zweite Baustelle am Kundenfahrzeug an: Die Sanierung der Federaufnahme an der Vorderachse ist beauftragt. Es ist ein Anblick, der in der Werkstatt des "Alfa-Doktors" zum Alltag gehört. Er arbeitet mit der Präzision eines Uhrmachers. Und es gibt anscheinend wenig, was er sich nicht zutraut: "Mechanik mache ich. Und zwar komplett!"

Ohne Laptop für die elektronische Fehlersuche läuft auch bei Robert Clever schon lange nichts mehr. Auch Youngtimer wie den Alfa 156 GTA liest er über die Diagnoseschnittstelle aus.
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Beim einst heiklen Alfa-Karosseriethema sieht das allerdings anders aus: "Blech fasse ich auf keinen Fall an. Da habe ich überhaupt keine Hände für." Manche Reparaturen bekommen, wenn wieder ein Ersatzteil nur schwer aufzutreiben ist, zwangsläufig eine künstlerische Note. An seiner Werkbank nimmt sich Clever Zeit für die Bestandsaufnahme der Teile, fertigt für Kunden zahlreiche Fotos mit dem Smartphone an. Jedes noch so kleine wiederverwendbare Bauteil wird sorgfältig geprüft, gereinigt und wieder zusammengesetzt, als ginge es um die Restaurierung eines wertvollen Kunstwerks. "Manchmal fühlt es sich an, als würde ich nicht an Autos schrauben, sondern Erinnerungen konservieren", bemerkt er mit einem verschmitzten Lächeln.
Immer da für Alfa-Fans
In der deutschen Alfa-Szene ist er wohl auch deswegen bekannt wie ein bunter Hund. Man schätzt ihn. Und auch wenn Clever das gar nicht hören will, manche Kunden verehren ihn. Nicht ohne Grund reisen manche Alfisti Hunderte Kilometer an, um ihren Alfa von ihm warten oder reparieren zu lassen.
In den Anfängen seiner Selbstständigkeit waren es noch hauptsächlich Bekannte aus dem Alfa-Club, die ihre betagten Autos zu ihm brachten. Meist handelte es sich um Fahrzeuge, die aus den goldenen Jahren der Marke vor der Übernahme durch Fiat 1986 stammten und dank vielEigeninitiative überlebt haben. Heute sind es jedoch nicht nur die etablierten Oldtimer-Baureihen, sondern auch jüngere Typen und Exoten der Marke, die Clever betreut. Altersdiskriminierung gibt es bei ihm nicht: Richtig aufgehoben fühlen sich bei Clever nicht nur historische Modelle, sondern genauso diverse modernere Alfa mit Klassikerperspektive. Also aus Sicht des Markenenthusiasten fast alle. So wundert es nicht, dass bei unserem Besuch auch ein 914 Spider und ein 159 Sportwagon an Clevers Haus parken. Diese Modelle finden im Zeitalter von streng nach Vorgaben getakteten Konzernmarkenwerkstätten mit Neuwagenfokus immer regelmäßiger ihren Weg in seinen kleinen Betrieb. "Jeder Alfa hat seine eigene Seele", erklärt Clever. "Für mich spielt es keine Rolle, ob das Auto 50 Jahre alt ist oder brandneu – es hat Sorgfalt verdient."

Für das Lösen alter Schrauben an der Vorderachse hat Clever Verstärkung: Ein Druckluftschrauber erleichtert das Lösen manch festgegammelter Schraube.
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Besonders häufig sind es Eigner von sportlichen Typen wie etwa GTA-Modellen, die ihre Autos zu ihm bringen. Oder exotische RZ- und SZ-Serien und der Kohlefaser-Sportler 4C, für den Clever sogar ein Cars-&-Coffee-Event veranstaltet. Es ist eine besondere Verbindung, die er zu seinem Stammkundenkreis aufgebaut hat. "Viele von ihnen sind inzwischen zu guten Bekannten oder Freunden geworden", erklärt der auch im Alfa Club Rhein-Main aktive Kfz-Meister. "Wir alle sind Alfisti, teilen eine Leidenschaft. Es ist, als wären wir Teil einer großen Familie." Was das praktisch bedeutet, sieht man, wenn Clever mal wieder mehr erledigt, als nur streng den Reparaturauftrag zu erledigen. Er kann keine zufällig entdeckten Baustellen ignorieren. Lieber berät er leidenschaftlich, gibt auch am Telefon wertvolle Tipps und teilt sein gesammeltes Wissen über die italienische Automobilgeschichte.
Italienische Favoriten
Wenn man ihn nach seinem Lieblingsmodell fragt, zögert Clever kaum: "Historisch ist es der Bertone 1300er Kantenhauber. Und natürlich die legendären Alfa 8C aus den Dreißigern!" Und wenn es eben noch halbwegs bezahlbar sein soll? "Der 4C. Aber ich fahre auch gerne meine aktuelle Giulia, tolles Auto! Starker Motor, tolle Gewichtsverteilung“ Clever formuliert dies mit einem Leuchten in den Augen. "Ein Alfa hat stets Kraft, Eleganz und Charakter." Dieses Gefühl für die Seele der Fahrzeuge unterscheidet Clever von vielen anderen, durch Zeitvorgaben durchgetakteten Mechanikern.
Dabei ist sein Werkstattalltag weder immer ganz einfach noch angenehm. Bereits Ersatzteile für Youngtimer sind oft schwer zu bekommen. Es erfordert dann viel Geschick, Rechercheglück auf Marktplätzen im Internet und manchmal auch Improvisationstalent, um die Fahrzeuge wieder zum Laufen zu bringen oder zu halten. "Die Italiener haben den kompletten Markt leider verpennt. Containerweise wurden Lager bereinigt. So, dass man sich heute an den Kopf fasst." Manchmal wirkt die Ersatzteilsuche für Clever so, als würde er auf Schatzsuche gehen. In einem Nebenraum seiner Werkstatt lagert er unzählige neue und gebrauchte Teile. Diese hat er über die Jahre zusammengetragen.

Clever ist seit Jahrzehnten eng mit italienischen Marken verbunden. Die Markenliebe geht bei ihm so weit, dass er sich ein stilisiertes Scudetto auf seinen Oberarm tätowieren ließ.
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Aus Leidenschaft und dem Wissen heraus, dass er sie eines Tages dringend brauchen könnte: "Selbst vermeintlich simple Teile wie den Scheibenwischermotor für einen 914 Spider kriegt man nicht mehr neu. Meine Kunden und mich retten diese Schlachtteile." Wenn möglich, bestellt Clever die Teile für geplante Arbeiten über den Hersteller oder beim Großhändler jedoch neu, an Projekten mangelt es nicht. Denkt der 59 Jahre alte Schrauber nach immerhin 40 Werkstattjahren manchmal ans Aufhören? Das fragt nur, wer ihn nicht kennt. Robert Clever ist fitter als manch zehn Jahre jüngerer Kollege und hat offenkundig beste Gene: Ein Haus weiter schraubt Vater Henry noch immer für Kunden an Ferrari-Dino-Motoren. Mit 83 Jahren!
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