Die Autos der RAF-Terroristen
Der Baader-Meinhof-Porsche

RAF-Terrorist Andreas Baader klaute einen Porsche 911 von einem prominenten Besitzer und einen Iso Rivolta. Die grausige Karriere eines Autoknackers!
Bild: Getty Images; Rainer W. Schlegelmilch
Bevor er reihenweise Menschen umbrachte, war Andreas Baader – ein Kopf der Rote Armee Fraktion (RAF) – ein Autoknacker. "Zehn Sekunden", prahlte er unter Freunden, "dann hab ich jedes Auto auf."
Wie ein Ford Andreas Baader bremste
Baader liebte eine anarchische Fahrweise und extravagante Autos. Seinen Ford Fairlane hatte er 1968 in Berlin immerhin nicht gestohlen, sondern gekauft. In der Zeit zündete er mit Gudrun Ensslin Kaufhäuser in Frankfurt/Main an – sie hätten in Kauf genommen, dabei Menschen zu töten. Bei den Vorbereitungen dazu fiel sein Fairlane mit kaputter Nockenwelle aus.
Wie er im Mercedes in die Falle fuhr
Baader wurde geschnappt, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, kam aber wegen eines Revisionsantrags vorübergehend frei – und tauchte unter.

Im Film "Baader" von 2002 wird der Mercedes 220 SE von einem weißen Coupé dargestellt. Schauspieler v. l. n. r.: Sarah Riedel, Daniel Krauss, Frank Giering und Laura Tonke.
Bild: WDR/Prokino Filmverleih GmbH
Wie Baader mit einem Alfa Romeo entkam
Fliehen konnte der Terrorist, als er angeblich ein Buch über straffällige Jugendliche schreiben wollte. Er wurde in den Lesesaal des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen eskortiert – dort wurde er mit Waffengewalt befreit: Er sprang er aus dem Fenster, Komplizen schossen auf den Institutsangestellten Georg Linke – die erste Aktion der RAF mit Schusswaffen und lebensgefährlichen Verletzungen. Draußen wartete als Fluchtwagen ein Alfa Romeo Giulia Sprint.

Alfa Romeo Giulia Sprint, hier ein Werksfoto als Beispiel. Bei Baaders Flucht 1970 war eine Giulia Sprint sein Fluchtwagen.
Bild: Alfa Romeo
Welche BMW Baader fuhr
1971 überfiel er eine Kasseler Bank, Fluchtauto: BMW 2002 ti. Mal bewegte er auch einen 2800 CS, mal einen BMW 2000 ti. Es war die BMW-Periode von Deutschlands Staatsfeind Nummer eins. Das Bundeskriminalamt verdoppelte sein Personal und kontrollierte fortan verstärkt BMW-Fahrer.
Als RAF-Boss, als den er sich wohl gern sehen wollte, fuhr Baader standesgemäß immer die dicksten Schlitten, genau wie die Kapitalisten, die er bekämpfte. Die Genossen mussten mit einem Audi 100 oder Renault 16 vorliebnehmen.

Weniger auffällifg war der Audi 100 (Baureihe C1). RAF-Terroristen packten 1977 den Leichnam von Hanns-Martin Schleyer in den Kofferraum dieses Exemplars und stellten den Audi in Mulhouse ab.
Bild: AFP via Getty Images
Wie Baader an den Porsche 911 kam
Als Nächstes setzte Baader auf Porsche. Nach dem Überschlag mit einem Elfer klaute er einen zitronengelben 911 Targa – nicht von irgendwem: Rechtmäßiger Besitzer war der berühmte Formel-1-Fotograf Rainer W. Schlegelmilch.

Nach Baaders Festnahme 1972 untersuchten Kriminalbeamte das Gepäck, das Baader im Porsche 911 Targa mit sich geführt hatte. Baader hatte das Auto des Formel-1-Fotografen Rainer Schlegelmilch gestohlen.
Bild: dpa/picture alliance
Baader ließ das Porsche 911 F-Modell in einen Aubergine-Ton umspritzen. Am 1. Juni 1972 lud er mit zwei Genossen Sprengstoff aus einem Iso Rivolta in den Porsche, als das BKA zuschlug.

Schlegelmilchs Porsche war ursprünglich gelb, Andreas Baader ließ ihn auberginefarben umlackieren. So verstaubt stand der Wagen in der Asservaten-Garage des BKA.
Bild: Rainer W. Schlegelmilch
Wie Baader am Iso Rivolta geschnappt wurde
Hat das seltene Auto ihn verraten? Neben dem Porsche 911, damals kein alltäglicher Anblick, fuhr Deutschlands wohl meistgesuchter Verbrecher seiner Zeit einen extrem seltenen und auffälligen Iso Rivolta GT. Der natürlich geklaut war.

Bild: dpa/picture-alliance
Das italienische Coupé mit Chevy-V8 – eins von 792 gebauten Exemplaren – parkte am 1. Juni 1972 in einer Garage am Frankfurter Hofeckweg. Dort lag die Polizei schon auf der Lauer.

Bild: Getty Images
Es kam zu einer Schießerei. Die Kugel einer Maschinenpistole traf Baader in den Oberschenkel. Polizisten überwältigten ihn, pressten ihn auf den Iso und legten ihm Handschellen an. "Ihr Schweine", soll Baader bei der Festnahme gebrüllt haben. Die Beamten zerrten ihn in die "grüne Minna", ebenso Baaders Komplizen Jan-Carl Raspe und Holger Meins. Ab nach Stuttgart-Stammheim.

Bild: dpa/picture-alliance
Was aus Baaders Iso Rivolta wurde
Der silberne IR 300, der gestohlene Offenbacher Kennzeichen trug, verschwand zunächst in der Asservatenkammer (oder -garage) des Bundeskriminalamts. 1974 wurde der Iso versteigert. Ein Händler soll ihn angeblich für 3600 Mark gekauft haben.
Dann verlor sich die Spur. AUTO BILD KLASSIK berichtete von Gerüchten, nach denen der Wagen einem deutschen Sammler gehören soll, der mit der Historie des Autos aber hinterm Berg hält – oder gar nichts davon weiß.

Bild: dpa/picture-alliance
Und Baader? Im Hochsicherheitsgefängnis Stammheim nahm er sich 1977 das Leben, ebenso wie Gudrun Ensslin und wie im Jahr zuvor Ulrike Meinhof.
Welche Spur Daniela Klette in einem VW T4 hinterließ

Bild: dpa/picture-alliance
Andere RAF-Mitglieder fielen nicht wie Baader durch extravagante Autos auf. Der "Kollegin" allerdings, die gerade vor Gericht steht, kam die Polizei wieder auf die Spur, weil sie Spuren an einem Auto hinterließ: RAF-Mitglied Daniela Klette (heute 66). Sie blieb lange unentdeckt. Partikel mit ihrer DNA wurden 2015 an einem VW T4 entdeckt. Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg hatten am 6. Juni vergeblich versucht, einen Geldtransporter vor dem Real-Supermarkt in Stuhr bei Bremen auszurauben. Somit war klar: Sie hält sich – zumindest hin und wieder – in Deutschland auf.
Daniela Klette wurde erst am 26. Februar 2024 in Berlin festgenommen. Die Anklage wirft ihr versuchten Mord, unerlaubten Waffenbesitz und schweren Raub vor.
Ernst-Volker Staub war 1986 zu vier Jahren Haft verurteilt worden, war also – wie fast alle früher inhaftierten RAF-Mitglieder – längst wieder auf freiem Fuß. Burkhard Garweg wurde nie geschnappt, nach ihm wird bis heute gefahndet.
Kommentar
Schnelle Autos, fiese Gangster, gefährliche Einsätze – in Film und Fernsehen wirkt das unterhaltsam, die Mischung aus Grusel und Bewunderung fasziniert ein Millionenpublikum. So wurden Verbrecher nicht erst seit Bonnie und Clyde, sondern schon spätestens seit Pirat Klaus Störtebeker zu Pop-Ikonen. Lassen Sie uns 50 Jahre nach den Stammheim-Prozessen nicht in die gleiche Falle tappen: Die Geschichte der RAF ist faszinierend, aber die Terroristen waren heimtückische Mörder.
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