75 Jahre Porsche-Motorsport
Die legendärsten Porsche-Rennwagen

Neue Ausstellung im Porsche-Museum: "Raceborn – 75 Jahre Porsche Motorsport". 550 Spyder, 959, 962, 919 Hybrid: AUTO BILD sortiert die Highlights!
Bild: Porsche
Ohne Rennsport wäre Porsche nicht Porsche. Von Anfang an sind nicht nur Porsche-Straßensportwagen bei Rennen angetreten, sondern die Entwicklungen aus dem Motorsport sind immer wieder den zivilen Porsche zugutegekommen, egal ob beim Porsche 550 Spyder, dem 917, dem "Moby Dick" oder zuletzt beim Porsche 919 Hybrid. Rennlegende Hans-Joachim Stuck findet: "Das Thema Motorsport gehört zu Porsche wie zu wenigen anderen Marken."
Aber: Welche sind Porsches legendärste Rennwagen? Dazu kommen wir gleich.
Die Geschichte begann mit einem Klassensieg: 1951 holte ein Porsche 356 SL, unterstützt vom Werk, bei den 24 Stunden von Le Mans den Sieg in der Hubraumklasse 751 bis 1100 cm³. Nun, 2026, wird das Jubiläum 75 Jahre Porsche-Motorsport auf breiter Front mit Ausstellungen gefeiert:
- Im Porsche-Museum in Stuttgart läuft seit 1. Juli 2026 und bis zum 17. Januar 2027 die Ausstellung "Raceborn – 75 Jahre Porsche Motorsport". AUTO BILD war bei der Eröffnung, mehr dazu weiter unten.
- Die Autostadt in Wolfsburg hat ebenfalls eine Ausstellung mit dem Namen "Raceborn: 75 years of Porsche Motorsport". Nur zwei Rennwagen stehen dort: Der Porsche 911 RSR "Weltmeister" von 2019 und der Porsche 963 von 2022.
- Das Automuseum Prototyp in Hamburg eröffnet am 10. Juli 2026 eine Ausstellung mit zehn seltenen Autos und Einzelstücken, die die Porsche-Rennhistorie illustrieren. Der Name ist der gleiche wie in Stuttgart: "Raceborn – 75 Jahre Porsche Motorsport".

Schon draußen vor der Tür des Porsche-Museums werden Besucher von einem Porsche 919 Hybrid und einem 917/20 Coupé mit legendärer "Sau"-Lackierung begrüßt.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Allein im Porsche-Museum in Stuttgart sind 31 Rennwagen Teil der Ausstellung. AUTO BILD pickt für Sie die neun legendärsten Porsche-Rennwagen heraus und ordnet sie ein. Wir werten nicht nur Siege, sondern auch technische Bedeutung, Historie, Image, Einfluss auf Serienautos und Ausstellungswert. Viel Spaß!
Platz 9: Porsche 804 Formel 1, der einmalige Grand-Prix-Porsche
Der Porsche 804 gilt nicht wegen einer langen Siegesserie als legendär, sondern wegen seiner Einmaligkeit: Er ist der einzige Formel-1-Rennwagen, den Porsche komplett selbst entwickelt und gebaut hat.

Dan Gurney im Porsche 804 beim Großen Preis von Rouen 1962.
Bild: Porsche
1962 brachte Dan Gurney dem Werk beim Großen Preis von Frankreich in Rouen den einzigen Formel-1-WM-Sieg als Fahrzeughersteller. Kurz darauf gewann Gurney mit dem 804 auch das Solitude-Rennen vor den Toren Stuttgarts, das nicht zur WM zählte.
Technisch war der 804 ein sehr leichter, puristischer Grand-Prix-Einsitzer: Gitterrohrrahmen aus Stahl, Karosserie aus Aluminium, neuer Achtzylinder-Boxermotor, doppelte Dreieckslenker, Drehstabfederung und innenliegende Stoßdämpfer. Außerdem setzte Porsche bei diesem Auto erstmals rundum Scheibenbremsen ein.
Der ganz große Dauererfolg blieb aus – historisch ist der 804 trotzdem einzigartig, weil er Porsches kurzen, aber erfolgreichen Ausflug als Formel-1-Konstrukteur krönte.
Fun Fact: Beim Großen Preis von Deutschland 1962 auf dem Nürburgring fuhr Gurney im Porsche 804 eine Pole-Runde in 8:47,20 Minuten. Im Rennen löste sich die Batterie, Gurney musste sie mit dem Fuß festhalten – und wurde trotzdem Dritter.

Nürburgring, Training zum Großen Preis von Deutschland, 3. August 1962 – Dan Gurneys Rekordrunde.
Bild: Porsche
Technische Daten Porsche Typ 804
• Baujahr: 1962
• Motor: luftgekühlter Achtzylinder-Boxermotor Typ 753, Mittelmotor
• Hubraum: 1494 cm³
• Leistung: 132 kW/180 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h
• Motor: luftgekühlter Achtzylinder-Boxermotor Typ 753, Mittelmotor
• Hubraum: 1494 cm³
• Leistung: 132 kW/180 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h
Platz 8: Porsche 917/10, der Turbo-Hammer für CanAm
Der Porsche 917/10 gilt als Legende, weil er Porsches 917-Erfolgsgeschichte in Nordamerika fortschrieb – und gleichzeitig den Turbo-Durchbruch im Rennsport markierte.

Porsche 917/10 im Renneinsatz in den 1970er-Jahren.
Bild: Porsche
Für die extrem leistungsstarke CanAm-Serie in den USA und Kanada entwickelte Porsche den 917 zur offenen Spyder-Version weiter. Dort traf der vergleichsweise kleine Zwölfzylinder auf hubraumgewaltige US-Saugmotoren mit über acht Litern Hubraum und rund 800 PS.

Das Porsche-Museum zeigt den 917/10 ...
Bild: Porsche

Bild: Porsche
Die Antwort aus Weissach: Turbo-Power. 1972 gewann der vom Porsche-Partnerteam Penske eingesetzte 917/10 Spyder sechs von neun CanAm-Rennen; George Follmer holte die Meisterschaft.
Das Entscheidende war nicht nur die schiere Leistung, sondern die Beherrschbarkeit – dafür musste der Ladedruck vom Turbolader geregelt werden (siehe Kasten).
Warum der Porsche 917/10 mit weniger Druck den Turbo-Durchbruch brachte
Frage | Antwort |
|---|---|
Was macht ein Turbolader? | Ein Turbolader nutzt die Energie der Abgase: Ein Turbinenrad im Abgasstrom treibt über eine Welle ein Verdichterrad an, das mehr Luft in die Brennräume presst. Mehr Luft bedeutet mehr Sauerstoff, mehr Kraftstoff – und deutlich mehr Leistung. |
Was war das Problem daran? | Große Turbolader sprechen träge an. Auf Ovalkursen war das weniger kritisch, auf den winkligen CanAm-Strecken aber sehr wohl. |
Wie löste Porsche das Problem? | Porsche setzte deshalb auf ein Wastegate auf der Abgas-Seite: Überschüssige Abgase wurden per Bypass an der Turbine vorbeigeleitet, der Ladedruck ließ sich konstant halten. So konnten kleinere Lader verwendet werden, die schneller ansprachen. Zusätzlich montierte Porsche nicht einen großen, sondern je einen kleineren Turbo pro Zylinderbank. |
Der Zwölfzylinder-Turbo lieferte zunächst 850 PS, 1972 mit fünf Liter Hubraum dann rund 1000 PS. Die Erkenntnisse aus diesem Turbo-Projekt flossen später in den 911 Turbo ein – aus dem brachialen CanAm-Monster wurde also indirekt auch ein Serienauto: der Porsche 911 Turbo, auch 930 genannt.
Fun Fact: Porsche hatte tatsächlich einen luftgekühlten 16-Zylinder als Alternative zum Turbo in der Hinterhand. Doch der Turbo-Zwölfzylinder war leichter, kürzer und stärker – die Entscheidung war damit praktisch gefallen.
Technische Daten Porsche 917/10 Spyder, 1972
• Baujahr: 1972
• Motor: luftgekühlter Zwölfzylinder-Mittelmotor mit zwei Turboladern
• Hubraum: 4999 cm³
• Leistung: 735 kW/1000 PS
• Höchstgeschwindigkeit: bis ca. 360 km/h, je nach Übersetzung und Aero-Set-up.
• Motor: luftgekühlter Zwölfzylinder-Mittelmotor mit zwei Turboladern
• Hubraum: 4999 cm³
• Leistung: 735 kW/1000 PS
• Höchstgeschwindigkeit: bis ca. 360 km/h, je nach Übersetzung und Aero-Set-up.
Platz 7: Porsche 911 GT1 '98 – der Elfer, der kein Elfer war
Der Porsche 911 GT1 '98 bündelt gleich mehrere Porsche-Meilensteine in einem Auto. Entwickelt wurde der 911 GT1 ursprünglich für Werks- und Kundeneinsätze im GT-Rennsport; 1996 gab er sein Renndebüt.

Bild: Porsche
Mit dem klassischen Elfer hatte der GT1 allerdings nur noch wenig gemeinsam: Der Sechszylinder-Boxer saß nicht mehr im Heck, sondern als Mittelmotor vor der Hinterachse – und war erstmals in dieser Porsche-Rennwagenlinie rein wassergekühlt. Das brachte eine bessere Achslastverteilung und machte den GT1 zum kompromisslosen Le-Mans-Prototypen im GT-Gewand.
1998 legte Porsche noch einmal nach: Der 911 GT1 '98 bekam als erster Porsche ein Kohlefaserchassis. Dazu kamen erstmals Kohlefaser-Bremsscheiben in einem Werksrennwagen. Das reduzierte das Gewicht gegenüber dem Vorgänger um rund zehn Prozent und machte den GT1 '98 vor allem standfest und effizient.
Genau das zahlte sich bei den 24 Stunden von Le Mans 1998 aus: Porsche feierte mit dem 911 GT1 '98 einen Doppelsieg – pünktlich zum 50. Geburtstag der Marke. Für Renningenieur Norbert Singer war es der 16. und letzte Le-Mans-Gesamtsieg.

Bild: Porsche
Fun Fact: Obwohl er "911" heißt, ist der GT1 '98 im Kern eher ein reinrassiger Mittelmotor-Prototyp als ein klassischer Elfer. Der Name half beim GT-Reglement – technisch war das Auto weit näher an Le Mans als an der Straße.
Technische Daten Porsche 911 GT1 '98
• Baujahr: 1998
• Motor: wassergekühlter Sechszylinder-Boxer-Biturbo, Mittelmotor
• Hubraum: 3220 cm³
• Leistung: 404 kW/550 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 310 km/h
• Motor: wassergekühlter Sechszylinder-Boxer-Biturbo, Mittelmotor
• Hubraum: 3220 cm³
• Leistung: 404 kW/550 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 310 km/h
Platz 6: Porsche 959 Paris-Dakar – der Supersportler, der die Wüste bezwang
Der Porsche 959 Paris-Dakar brachte zwei scheinbar gegensätzliche Welten zusammen: Hightech-Supersportwagen und gnadenlosen Wüstenrallye-Einsatz. 1986 schickte Porsche drei 959 zur Rallye Paris-Dakar – in ein Feld, das von Lastwagen und Geländewagen dominiert wurde.

Bild: Porsche
Das Ergebnis: René Metge/Dominique Lemoyne gewannen, Jacky Ickx/Claude Brasseur wurden Zweite.

Bild: Porsche
Seine Bedeutung reicht weit über diesen Doppelsieg hinaus. Der 959 war ein Technologieträger für den modernen Porsche-Allradantrieb: Ein elektrohydraulisch gesteuertes Mitteldifferenzial verteilte die Kraft variabel zwischen Vorder- und Hinterachse.
Für die Dakar wurde der Sportwagen zum Rallye-Gerät umgebaut – mit verstärktem Fahrwerk, doppelten Stoßdämpfern vorn, Geländereifen, hoch verlegten Steuergeräten für Wasserdurchfahrten und Kevlar-Karosserieteilen.
Wegen der schlechten Kraftstoffqualität wurde der Sechszylinder auf 400 PS reduziert. Trotzdem war der 959 im Gelände bis zu 210 km/h schnell.
Fun Fact: Der dritte Porsche 959 war 1986 eigentlich als Servicewagen bei der Rallye Paris-Dakar unterwegs – und wurde trotzdem Sechster.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Technische Daten Porsche 959 Paris-Dakar, 1986
• Baujahr: 1986
• Motor: luft-/wassergekühlter Sechszylinder-Boxer mit Register-Biturboaufladung, Heckmotor
• Hubraum: 2849 cm³
• Leistung: 294 kW/400 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
• Motor: luft-/wassergekühlter Sechszylinder-Boxer mit Register-Biturboaufladung, Heckmotor
• Hubraum: 2849 cm³
• Leistung: 294 kW/400 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Platz 5: Porsche 550 Spyder – der kleine Porsche, der die Großen ärgerte
Der Porsche 550 Spyder gilt als Legende, weil er der erste Porsche war, der gezielt für den Rennsport entwickelt wurde.

Bild: Porsche
Statt auf großen Hubraum setzte Porsche auf Leichtbau, Mittelmotor-Konzept und einen hochdrehenden Vierzylinder-Boxer. Mit seiner flachen Aluminium-Karosserie war der offene Spyder klein, leicht und extrem effizient – genau das machte ihn gegen deutlich stärkere Konkurrenz so gefährlich.

Bild: Porsche
1954 holte Hans Herrmann im 550 Spyder bei der Carrera Panamericana den Klassensieg und wurde sensationell Dritter im Gesamtklassement.
Berühmt wurde der 550 aber nicht nur durch seine Ergebnisse, sondern auch durch seine historische Bedeutung: Er steht für den Beginn der Porsche-Mittelmotor-Rennwagen, aus denen später weitere berühmte Sportwagen hervorgingen.
Seine Technik war für die 50er-Jahre extrem ambitioniert – besonders der 1,5-Liter-Boxermotor mit vier obenliegenden Nockenwellen, der als "Fuhrmann-Motor" bekannt wurde.
Fun Fact: Bei der Mille Miglia 1954 raste Hans Herrmann mit Beifahrer Herbert Linge im flachen 550 Spyder unter einer sich schließenden Bahnschranke hindurch – unmittelbar vor einem herannahenden Schnellzug. Herrmann machte daraus später eine Karte mit dem Satz: "Glück muss man haben."

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Technische Daten Porsche 550 Spyder
• Baujahr: 1954
• Motor: luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor, Fuhrmann-Motor mit vier obenliegenden Nockenwellen, Mittelmotor
• Hubraum: 1498 cm³
• Leistung: 81 kW/110 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
• Motor: luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor, Fuhrmann-Motor mit vier obenliegenden Nockenwellen, Mittelmotor
• Hubraum: 1498 cm³
• Leistung: 81 kW/110 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Platz 4: Porsche 962, die erfolgreichste Porsche-Rennwagen-Reihe
Der Porsche 962 ist einer der großen Dauerläufer der Motorsportgeschichte. Entstanden aus dem schon extrem erfolgreichen Porsche 956, wurde er ab 1984 zur Waffe für Gruppe C, Le Mans und die amerikanische IMSA-GTP-Serie. Seine Mischung aus Turbo-Power, Ground-Effect-Aerodynamik, Standfestigkeit und Kundensport-Tauglichkeit machte ihn zum Maßstab der 80er-Jahre.

Bild: Porsche
Die 956/962-Familie prägte den Langstreckensport über Jahre – mit Le-Mans-Siegen, WM-Erfolgen und einer beeindruckenden Karriere bis weit in die 90er-Jahre hinein.
Für das IMSA-Reglement, das 1984 in Kraft trat, entwickelte Porsche den 956 gezielt weiter. Der entscheidende Punkt war die Sicherheit: Die Pedale mussten hinter der Vorderachse liegen. Deshalb wurde die Vorderachse beim 962 nach vorn versetzt, der Radstand wuchs, der vordere Überhang wurde kürzer. Der Sechszylinder-Boxermotor musste im IMSA-Trim mit nur einem Turbolader auskommen.
Seine Premiere feierte der Porsche 962 beim 24-Stunden-Rennen von Daytona. Das im Porsche-Museum gezeigte 1984er Langheck-Exemplar leistet 620 PS.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Fun Fact: Der 962 war so langlebig, dass seine Technik sogar nach dem Ende der Gruppe-C-Ära noch einmal in Le Mans gewann: 1994 siegte der straßenzugelassene und zum GT-Rennwagen umgebaute Dauer 962 Le Mans – ein später Triumph für die 962-Technik.

Bild: Porsche
Technische Daten Porsche 962 IMSA Langheck, 1984
• Baujahr: 1984
• Motor: luftgekühlter Sechszylinder-Boxermotor mit einem Turbolader, Heckmotor
• Hubraum: 2649 cm³
• Leistung: 620 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 360 km/h
• Motor: luftgekühlter Sechszylinder-Boxermotor mit einem Turbolader, Heckmotor
• Hubraum: 2649 cm³
• Leistung: 620 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 360 km/h
Platz 3: Porsche 935/78 "Moby Dick", der weiße Wal von Weissach
Der Porsche 935/78 war die extremste Ausbaustufe des Porsche 935 – und einer der wildesten 911-Abkömmlinge überhaupt. Sein Spitzname "Moby Dick" kam nicht von ungefähr: Die langgezogene, weiß lackierte Karosserie wirkte wie ein autogewordener Wal oder ein walgewordenes Auto.

Bild: Porsche
Dahinter steckte allerdings kein Showeffekt, sondern Aerodynamik. Porsche baute den Gruppe-5-Elfer für Le Mans um, mit deutlich verlängerter Front, langem Heck und einer Silhouette, die sich immer weiter vom Serien-911 entfernte.
Technisch war "Moby Dick" ein Meilenstein. Der 3,2-Liter-Sechszylinder-Boxer bekam zwei Turbolader und erstmals bei einem Porsche-Rennsportwagen wassergekühlte Vierventil-Zylinderköpfe, während die Zylinder selbst luftgekühlt blieben. Bis zu 845 PS machten den 935/78 zum stärksten aus dem 935 entwickelten Rennwagen.

Bild: Porsche
Beim ersten Renneinsatz in Silverstone 1978 deklassierte er die Konkurrenz und gewann das Sechs-Stunden-Rennen mit sieben Runden Vorsprung. In Le Mans erreichte er auf der Hunaudières-Geraden 366 km/h, wurde durch Fehlzündungen und ein Ölleck aber nur Achter. Nach wenigen Einsätzen rollte der weiße Wal ins Museum – und genau diese kurze, extreme Karriere half, dem Auto eine mythische Aura anzudichten.
Fun Fact: In Le Mans fuhr "Moby Dick" seine 366 km/h nicht einmal mit voller Leistung. Für die Langstrecke war der Motor auf rund 750 PS zurückgenommen. Die Maximalleistung lag bei 845 PS.
Technische Daten Porsche 935/78 "Moby Dick"
• Baujahr: 1978
• Motor: Sechszylinder-Boxer-Biturbo, luftgekühlte Zylinder und wassergekühlte Vierventil-Zylinderköpfe, Heckmotor
• Hubraum: 3211 cm³
• Leistung: 621 kW/845 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 366 km/h
• Motor: Sechszylinder-Boxer-Biturbo, luftgekühlte Zylinder und wassergekühlte Vierventil-Zylinderköpfe, Heckmotor
• Hubraum: 3211 cm³
• Leistung: 621 kW/845 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 366 km/h
Die Ausstellung "Raceborn" in Stuttgart
Frage | Antwort |
|---|---|
Was? | Im Porsche-Museum in Stuttgart hat Kuratorin Tanja Schleicher die 31 Rennwagen nicht einfach aneinandergereiht, um deren individuelle Geschichte zu erzählen. Sondern sie hat den Motorsport in unterschiedliche Aspekte zerlegt – Rennklassen, Vielfalt, Innovationen, Meilensteine, Menschen und Reglements. So entstanden sechs Teile, in denen jeweils mehrere Autos illustrieren, was am Motorsport spannend ist. Spezielle Texte, Videos und Spiele erklären das auch für Kinder. |
Wann? | Noch bis zum 17. Januar 2027. |
Wo? | Im Porsche-Museum, Porscheplatz 1, 70435 Stuttgart. |
Wieviel? | Tageskarten für das Porsche-Museum kosten (Stand Juli 2026) 15 Euro, ermäßigt acht Euro. Abendkarten ab 16 Uhr: zwölf/sechs Euro. Familientickets mit zwei Erwachsenen und bis zu drei Kindern: 40 Euro. |
Platz 2: Porsche 919 Hybrid, der Hightech-Le-Mans-König
Der Porsche 919 Hybrid von 2017 krönte Porsches moderne Le-Mans-Ära. Mit ihm holte Porsche den dritten Gesamtsieg in Le Mans in Folge – nach 2015 und 2016 – und schraubte die Porsche-Bilanz auf damals 19 Le-Mans-Gesamtsiege. Dazu kamen in der 919-Ära je drei WM-Titel für Fahrer und Hersteller.

Bild: Porsche
Porsche selbst nennt die Bilanz des von 2014 bis 2017 eingesetzten Prototyps: 20 Pole-Positions, 17 Siege, 13 schnellste Rennrunden und sechs Weltmeistertitel.
Legendär ist vor allem die Technik. Der 919 war ein rollendes Versuchslabor: Ein extrem kompakter 2,0-Liter-V4-Turbobenziner trieb die Hinterachse an, beim Boosten schickte ein Elektromotor zusätzlich über 400 PS an die Vorderachse.
Die Energie dafür kam aus zwei Systemen: Rekuperation beim Bremsen an der Vorderachse und Rückgewinnung von Abgasenergie.
Gespeichert wurde der Strom in einer flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batterie; die 800-Volt-Technik wurde später wichtig für Porsches elektrische Straßensportwagen.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Seinen größten Moment hatte der 919 Hybrid 2017 in Le Mans: Nach einem langen Reparaturstopp fiel das Siegerauto mit der Startnummer 2 bis auf Rang 54 zurück. Am Ende kämpften sich Timo Bernhard, Earl Bamber und Brendon Hartley doch noch an die Spitze – ein Comeback, das perfekt zum "Mythos" dieses Autos passt.
Fun Fact: Nach dem WEC-Abschied wurde der 919 Hybrid als "Evo" von den Regel-Fesseln befreit. Timo Bernhard umrundete damit 2018 die Nürburgring-Nordschleife in 5:19,55 Minuten; die Spitze bei der Rekordfahrt lag bei 369,4 km/h.
Technische Daten Porsche 919 Hybrid, 2017
• Baujahr: 2017
• Motor: wassergekühlter V4-Turbobenziner, Mittelmotor, plus Elektromotor an der Vorderachse
• Hubraum: 2000 cm³
• Leistung: Verbrenner 368 kW (500 PS), E-Motor 294 kW (400 PS)
• Höchstgeschwindigkeit: gut 330 km/h, je nach Aero-Set-up; der Le-Mans-Siegerwagen 2017 wurde im Rennen mit 334,9 km/h gemessen
• Motor: wassergekühlter V4-Turbobenziner, Mittelmotor, plus Elektromotor an der Vorderachse
• Hubraum: 2000 cm³
• Leistung: Verbrenner 368 kW (500 PS), E-Motor 294 kW (400 PS)
• Höchstgeschwindigkeit: gut 330 km/h, je nach Aero-Set-up; der Le-Mans-Siegerwagen 2017 wurde im Rennen mit 334,9 km/h gemessen
AUTO BILD hat den 919-Piloten Marc Lieb gefragt, welcher der legendärste Porsche-Rennwagen von allen ist. Seine Antwort: "Der Porsche 919 Hybrid ist schon toll – aber das Auto, mit dem ich alles verbinde, ist der 917. Ein Auto, das ich bewundere, und ich bewundere auch die Fahrer, die ihn gefahren haben." Hier also der erste Platz in diesem Ranking:
Platz 1: Porsche 917 Kurzheck, der in Le Mans Rekorde fuhr
Der Porsche 917 ist legendär, weil er für Porsche den Moment markiert, in dem aus dem Le-Mans-Jäger der Le-Mans-König wurde.
Anfangs war der 917 zwar irrsinnig schnell, aber heikel zu fahren. Erst nach einer massiven Überarbeitung von Heck, Nase, Schwellern und Kotflügeln wurde aus dem gefährlichen Rennwagen ein Siegertyp.
1970 holten Hans Herrmann und Richard Attwood im 917 KH den ersten Porsche-Gesamtsieg in Le Mans; 1971 gewann der 917 erneut. In beiden Jahren dominierte er auch die Sportwagen-WM mit sieben Siegen aus acht Rennen.
Der Porsche 917 Kurzheck von 1971 ist die zugespitzte Rekord-Version dieses Mythos. Der weiße Martini-917 mit der Startnummer 22 gewann Le Mans mit Helmut Marko und Gijs van Lennep, fuhr 5335 Kilometer mit 222,3 km/h Durchschnitt und stellte damit Rekorde auf, die 39 Jahre hielten!

Bild: Porsche
Gleichzeitig zeigte Porsche 1971 die ganze Breite seiner Überlegenheit: Richard Attwood, der Vorjahressieger, kam erneut im 917 KH aufs Le-Mans-Podium – diesmal als Zweiter.
Technisch besonders war der 1971er Sieger-917 vor allem wegen seines Magnesium-Gitterrohrrahmens. Der Wagen war so leicht, dass Porsche zur Gewichtsverteilung einen 55-Liter-Öltank einbauen konnte, um überhaupt auf das vorgeschriebene Mindestgewicht von 800 Kilogramm zu kommen.

Bild: Porsche
Hans-Joachim Stuck, genannt Strietzel, schildert seinen Fahreindruck mit einem noch schnelleren 962 in Le Mans: "Früher gab's keine Schikanen auf der Gerade, das war eine normale Straße mit unterbrochenen weißen Linien, und ab 380 km/h war es optisch eine weiße Linie. Unglaublich, das waren gigantische Erlebnisse."
Marc Lieb fuhr einmal beim 24-Stunden-Rennen gegen Strietzel Stuck (als der Audi fuhr) einen Porsche 962: "Das ist ein großer Motor mit einem bisschen Lenkrad und einem bisschen Räder. Rau, direkt, du sitzt in diesem Rahmen, der aus feinen Röhrchen besteht. Damit fast 400 km/h zu fahren, ist der Wahnsinn."

Bild: Porsche
Fun Fact: Der Le-Mans-Sieger von 1971 hatte praktisch eine Ein-Wochen-Karriere: Am 5. Juni fertiggestellt, absolvierte er 552 Trainingskilometer in Le Mans, gewann am 13. Juni das 24-Stunden-Rennen – und beendete damit schon wieder seine aktive Rennlaufbahn.
Technische Daten Porsche 917 KH, Le-Mans-Sieger 1971 #22:
• Baujahr: 1971
• Motor: luftgekühlter Zwölfzylinder, V-Motor mit 180° Zylinderwinkel, Mittelmotor
• Hubraum: 4907 ccm
• Leistung: 441 kW/600 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 360 km/h
• Motor: luftgekühlter Zwölfzylinder, V-Motor mit 180° Zylinderwinkel, Mittelmotor
• Hubraum: 4907 ccm
• Leistung: 441 kW/600 PS
• Höchstgeschwindigkeit: 360 km/h
Außer Konkurrenz: McLaren MP4/2C
An diesem Auto kommen wir nicht vorbei, wenn von Porsche und von Rennlegenden die Rede ist: dem McLaren MP4/2C von 1986, auch bekannt als McLaren-TAG Porsche. Kein Porsche, aber legendärer Rennwagen mit Porsche-Motor. Er war nicht der schnellste, aber einer der cleversten Formel-1-Rennwagen seiner Zeit.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Der von John Barnard entworfene McLaren kombinierte ein Carbon-Monocoque mit dem kompakten TAG-Porsche-V6-Biturbo. Porsche nennt den Motor wegen Leistung, Effizienz und Zuverlässigkeit einen der großen Erfolgsfaktoren der Kooperation McLaren/TAG/Porsche.
Zwischen 1984 und 1987 gewann McLaren mit Porsche-Power 25 Grands Prix; 1986 holte Alain Prost damit seinen zweiten Formel-1-WM-Titel.
Dabei war der MP4/2C 1986 längst kein Alleinherrscher mehr. Williams-Honda war stärker und gewann die Konstrukteurs-WM, McLaren wurde Zweiter. Doch Prost machte aus Konstanz, Spritökonomie und Rennintelligenz den Titel: vier Siege, elf Podestplätze und am Ende 72 WM-Punkte – zwei mehr als Nigel Mansell. Das Finale in Adelaide wurde zum Klassiker: Mansell platzte ein Reifen, Williams holte Nelson Piquet vorsichtshalber an die Box, Prost gewann das Rennen und damit die Weltmeisterschaft.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Fun Fact: Beim Deutschland-GP 1986 in Hockenheim ging Prost kurz vor Schluss der Sprit aus. Der Franzose stieg aus und versuchte, seinen McLaren Richtung Ziellinie zu schieben – obwohl das technisch nicht erlaubt war. McLaren selbst beschreibt die Szene als Prosts ziemlich klare Art, seinen Frust zu zeigen.
Technische Daten McLaren MP4/2C TAG-Porsche
• Baujahr: 1986
• Motor: wassergekühlter TAG-Porsche TTE P01, V6-Biturbo, Mittelmotor
• Hubraum: 1499 ccm
• Leistung: je nach Ladedruck/Set-up rund 800 bis 900 PS
• Höchstgeschwindigkeit: bis etwa 350 km/h, abhängig vom Set-up
• Motor: wassergekühlter TAG-Porsche TTE P01, V6-Biturbo, Mittelmotor
• Hubraum: 1499 ccm
• Leistung: je nach Ladedruck/Set-up rund 800 bis 900 PS
• Höchstgeschwindigkeit: bis etwa 350 km/h, abhängig vom Set-up
Fazit
Was haben Fahrer von Serienautos von all dem millionenteuren Rennsport-Aufwand? Na, zum Beispiel beherrschbare Turbomotoren dank Wastegate-Technik, die sich in der ganzen Branche durchgesetzt hat. Verbesserte Allradtechnik, hier brachte der Porsche 959 Paris-Dakar Fortschritte. Und Erkenntnisse bei 800-Volt-Akkus dank Porsche 919 Hybrid.
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