293.000 Euro – so viel gaben zwei deutsche Brüder bei einer Versteigerung 2026 für diesen Ferrari 308 GTS aus. Ein Auto, das normalerweise nur etwa 60.000 Euro wert ist.
Warum? Weil dieses Exemplar angeblich in der kultigen Fernsehserie "Magnum" mitspielte. Als cooles Gefährt des Privatdetektivs Thomas Magnum (gespielt von Tom Selleck), der sich ständig mit seinem nervigen Vorgesetzten Higgins (John Hillerman) abmühen musste.
Die Pointe: Einer der beiden Brüder hat den Spitznamen "Higgins". Das berichtet BILD.de.
Hagen W. zeigt nach der Auktion glücklich die Zuschlagsbescheinigung für den Ferrari.
Bild: privat
Den Wunsch, dieses besondere Auto zu besitzen, hegten die Brüder laut BILD schon lange. Beide seien seit ihrer Kindheit Magnum-Fans. Hagen W. (46) verdanke seinen Spitznamen "Higgins" der TV-Serie. "Mein Bruder konnte seinen eigenen Namen mit zwei oder drei Jahren nicht aussprechen", sagt Daniel W. (51) zu BILD. "Aber Higgins, weil er das in der Serie aufgeschnappt hatte. Seither nennen ihn viele so."
Als der Vorspann gedreht wurde, trug Magnums Ferrari noch das hawaiianische Kennzeichen 56E-478.
Bild: Glen A. Larson Productions / Universal Television
Eine andere, nicht so lustige Point könnte noch kommen. Denn für uns ist der angebliche Magnum-Ferrari selbst unter Verdacht geraten. Versucht jemand, uns Informationen vorzuenthalten? Ist der 308 GTS von der Versteigerung wirklich ein echter Magnum-Ferrari, den Tom Selleck alias Thomas Magnum in der Serie fuhr? Gibt es am Ende zwei Exemplare mit der gleichen Fahrgestellnummer?
Die Fernsehserie "Magnum" mit Tom Selleck und verschiedenen Ferrari 308 lief 1980 bis 1988 in den USA auf dem Sender CBS und 1984 bis 1991 in Deutschland im Ersten.
Bild: Picture-Alliance / Photoshot
Spielen wir doch mal Detektiv, wie einst Tom Selleck. So viel können wir schon verraten: Es wird ein Krimi.
Ferrari 308 GTS wird in Florida versteigert
Das Auktionshaus Barrett-Jackson versteigerte den roten Vergaser-308 auf diesen Fotos am 18. April 2026 auf der Auktion in Palm Beach (Florida, USA).
Den Namen der TV-Serie hat Barrett-Jackson schon in die Überschrift des Inserats geschrieben. Laufleistung, Pflegezustand und die Besitzer- und Wartungshistorie beschreibt Barrett-Jackson weder im Online-Inserat noch im Auktionsmagazin noch auf AUTO BILD-Nachfrage.
Bild: Barrett-Jackson
Barrett-Jackson schrieb im Inserat: "Dokumente, darunter Briefe des Ferrari-Historikers Marcel Massini und des F-Registers, identifizieren dieses Auto als eines der ersten Exemplare aus der Pilotfolge von 'Magnum, P.I.' mit dem Titel 'Don't Eat the Snow in Hawaii' und in den frühen Dreharbeiten zur ersten Staffel der CBS-Serie."
So weit die Behauptung von Barrett-Jackson.
Ist dieser Ferrari 308 GTS ein echtes Magnum-Auto?
Das US-Modell ist unter anderem am Kasten um die Auspuff-Endrohre zu erkennen. Das Kennzeichen "ROBIN 1" hatte der Ferrari 308 GTS in der Serie meistens auch – denn das Anwesen und der Ferrari gehören dem Schriftsteller Robin Masters.
Bild: Barrett-Jackson
Wir haben bei Barrett-Jackson per E-Mail gefragt, ob wir diese Dokumente ansehen dürfen. Denn wir möchten Belege für die Echtheit des angeblichen TV-Autos sehen.
Der Vizepräsident für Public Relations schickt uns einen Link zu Fotos, die wir ebenfalls angefragt haben – Unterlagen über die TV-Historie des Autos sind aber nicht dabei. Der PR-Mann hat diesen Teil unserer Anfrage ignoriert.
Auch auf unsere zweite Nachfrage bekommen wir von ihm nichts. Alles, was er bereitstellen könne, sei der Link zum Inserat.
Was sagt der Ferrari-Experte vom F Register?
AUTO BILD fragt den Experten für Ferrari-Fahrgestellnummern: Matthias Urban aus Solingen, Autor des "Handbuchs für Ferrari-Seriennummern" und Betreiber der Website f-register.com.
Nach seiner Aussage trägt der Wagen im Inserat eine Fahrgestellnummer, die auf 28251 endet – wie einer der wahrscheinlich neun Ferrari 308, die die Produktionsfirma für "Magnum" einsetzte.
Auf Nachfrage bestätigt Barrrett-Jackson, dass sie das Auto Nummer 28251 anbieten.
Ist dieser also Magnums originaler Ferrari?
Wir zweifeln weiter – und gleichen verfügbare Fotos des Ferrari Nummer 28251 ab mit den Fotos aus dem Barrett-Jackson-Inserat.
Wir finden Fotos von 2007 eines Ferrari 308 GTS mit goldenen Kreuzspeichenrädern und kalifornischem Nummernschild – und Fotos von 2013 eines Ferrari 308 GTS mit silbernen Kreuzspeichenfelgen und Nummernschild aus dem US-Bundesstaat Virginia. Dann Fotos von 2016 mit den korrekten Rädern wie hier.
Spannender: Die Firma GAA Classic Cars in Greensboro (North Carolina) hat im Februar 2026 versucht, einen Ferrari 308 GTS mit der Fahrgestellnummer 28251 zu versteigern.
Inserat von GAA Classic Cars. Meilenstand des Ferrari damals auf dem fünfstelligen Zähler: 93.108 Meilen. Das höchste Gebot war 120.000 US-Dollar; damit hat der Wagen offenbar das Mindestgebot nicht erreicht und blieb stehen.
Bild: GAA Classic Cars
Die Fotos, die Barrett-Jackson für sein Inserat verwendet, gleichen denen aus dem GAA-Inserat. Schon hier gibt es 82 niedrig aufgelöste Fotos, darunter kein einziges, auf dem man die Fahrgestellnummer entziffern könnte.
Derselbe Ferrari – mit unterschiedlichen Cockpits?
Der vielleicht entscheidende Fund: ein Inserat von bringatrailer.com, wo der Ferrari am 3. März 2025 versteigert wurde. 212 Fotos gehören zu diesem Inserat, mehrere zeigen die Fahrgestellnummer 28251.
Das wichtigste Foto ist das vom Cockpit: Im Ferrari, der bei bringatrailer.com versteigert wurde, hat der Armaturenträger unterhalb der Lüfterdüsen in der Mitte einen kurzen, breiten Riss. Im Ferrari, den Barrett-Jackson versteigert, ist die Oberfläche an dieser Stelle ebenfalls nicht in Ordnung – allerdings ist sie großflächig aufgequollen, anders als bei BaT. Und ein breiter Riss ist nicht zu erkennen.
Cockpit des Ferrari auf der Auktionsplattform bringatrailer.com: Riss im Armaturenbrett (eingekreist von AUTO BILD).
Bild: mcqueens auf bringatrailer.com
Cockpit des Ferrari beim Auktionshaus Barrett-Jackson: aufgequollenes Armaturenbrett (eingekreist von AUTO BILD).
Bild: Barrett-Jackson
Werden hier zwei verschiedene Autos als ein und dasselbe Auto angeboten?
Wir konfrontieren Barrett-Jackson mit dem Unterschied. Der PR-Vizepräsident antwortet: "Es handelt sich um dasselbe Fahrzeug, das bereits bei Bring a Trailer angeboten wurde; allerdings hat der Besitzer den Innenraum inzwischen wieder in den korrekten beigen Farbton zurückversetzt."
Hat der Besitzer das eine schlechte Armaturenbrett durch ein anderes schlechtes Armaturenbrett ersetzt? Das scheint uns wenig plausibel.
Wir fragen per E-Mail beim Auktionshaus GAA nach. Ob das die Geschichte vom umgebauten Original bestätigen wird? Bis zum Redaktionsschluss am 15. April 2026 hat GAA uns nicht geantwortet.
Und wir stoßen auf ein Foto von einem Schriftsatz mit dem Namen des Ferrari-Experten Marcel Massini aus Volketswil in der Schweiz. Dort steht auf Englisch: "Ein weiterer 308 GTS mit der Nummer 28251 wurde über eBay an Frank Rendo aus den USA verkauft." Ein weiterer? Gibt es also zwei? Auf Nachfrage erklärt Marcel Massini: "Die 'Note' bedeutet, dass ein weiteres, auf der damaligen 2022er Liste NICHT aufgeführtes Auto auch noch verwendet wurde. Also die 28251. Es bedeutet NICHT, dass es zwei Autos mit derselben Nummer 28251 gegeben hat!"
Dieser Schriftsatz unbekannter Herkunft behauptet: "Ein weiterer 308 GTS mit der Nummer 28251 wurde über eBay an Frank Rendo aus den USA verkauft."
Bild: GAA Classic Cars
Warum bekommen wir nicht das Foto mit dem Kilometerstand?
Die Fotos auf der Website von Barrett-Jackson sind sehr gering aufgelöst und tragen ein Wasserzeichen des Auktionshauses. Um Ihnen, liebe Leser, Fotos von höherer Qualität zu bieten, haben wir mit der ersten E-Mail (siehe oben) auch höher aufgelöste Fotos ohne Wasserzeichen bestellt.
Daraufhin ist noch etwas Verdächtiges passiert: Der PR-Vizepräsident hat uns alle Motive, die wir bestellt haben (und noch einige mehr) wunschgemäß in höherer Auflösung zukommen lassen – einige aber nur in der kleinen Auflösung wie auf der Website. Darunter:
ein Cockpitfoto, auf dem man vielleicht den Meilentacho samt Wegstreckenzähler ablesen könnte und auf dem der Armaturenträger zu sehen ist,
das Motorfoto samt Plaketten im Motorraum und
das Foto von den Vordersitzen bei offener Tür, das auch das Typenschild an der A-Säule zeigt.
Auf diesem Foto von Barrett-Jackson sind nicht nur die hellen Sitze zu sehen, sondern auch ein Typenschild an der B-Säule – mit der Fahrgestellnummer (eingekreist von AUTO BILD). Wegen der geringen Auflösung ist sie nicht sichtbar.
Bild: Barrett-Jackson
Das bestellte Motiv, das die Instrumente relativ groß zeigt, hat der Barrett-Jackson-PR-Mann uns überhaupt nicht geschickt, obwohl wir es bestellt haben.
Mehr dazu unten in unserem Kommentar.
Gibt es einen oder zwei Magnum-Ferrari mit der Fahrgestellnummer 28251?
Von der AUTO BILD-Recherche, dass es anscheinend zwei Magnum-Ferrari mit der gleichen Fahrgestellnummer 28251 gibt, zeigt Ferrari-Experte Marcel Massini sich überrascht. Barrett-Jackson dementiert ja, dass es zwei Stück gibt (siehe oben).
Ob das der Fall ist, welcher dann der falsche und welcher der echte Magnum-Ferrari ist oder ob überhaupt einer der beiden echt ist – das können wir bei AUTO BILD aktuell nicht sagen.
Warum sollte jemand einen Ferrari fälschen?
Der Ferrari 308 GTS trug erheblich zum Coolness-Faktor der Fernsehserie "Magnum" bei. Im amerikanischen Original heißt die Serie "Magnum, P.I.", die Abkürzung steht für private investigator, Privatdetektiv.
Bild: picture alliance / Mary Evans/AF Archive/Universal
Ein normaler Ferrari 308 GTS ohne TV-Vorgeschichte oder prominenten Vorbesitzer ist in Deutschland um die 60.000 Euro wert. Diese Notierung nennt Marius Brune, Geschäftsführer der Sachverständigenorganisation Classic Data.
Ein originaler Magnum-Ferrari ist deutlich mehr wert. Das zeigt das Auktionsergebnis bei bringatrailer.com: Das Exemplar, das dort 2025 als originales Fernsehauto versteigert wurde, brachte dort 115.000 US-Dollar, rund 100.000 Euro. (Hier unser Artikel über die miesen Tricks der Oldtimer-Fälscher.)
Ein Fälscher könnte also mit geringem Aufwand am Auto und an den Papieren den Wert eines Ferrari 308 GTS um etwa 40.000 Euro steigern. Er müsste nur die Papiere fälschen, die Fahrgestellnummern austauschen und sich ums Thema Fahrersitz kümmern.
Die Kernmannschaft der Fernsehserie: John Hillerman als Jonathan Quayle Higgins III, Tom Selleck als Thomas Sullivan Magnum IV, Larry Manetti als Rick Wright und Roger E. Mosley als Theodore Calvin oder kurz T. C.
Bild: picture alliance / Everett Collection
Warum ein Magnum-Ferrari einen umgebauten Fahrersitz hatte
"Magnum"-Hauptdarsteller Tom Selleck war ca. 1,93 Meter groß. Beim Ferrari 308 GTS-Filmauto wurde das Sitzpolster abgeflacht und der Fahrersitz so weit hinten wie möglich installiert, damit Sellecks lange Beine unter das Dreispeichenlenkrad passten – so berichten es mehrere Quellen, auch das Auktionsmagazin von Barrett-Jackson.
Barrett-Jackson gibt für seinen Ferrari 308 an, der Fahrersitz wäre noch umgebaut wie damals; der Händler, der bei bringatrailer.com unter dem Usernamen mcqueens den anderen Ferrari versteigert hat, gibt an, die Sitze wären auf den Werksauslieferungsstand zurückgerüstet worden. Dort sind sie nicht beige, sondern schwarz bezogen.
Schwarz bezogene Sitze im Inserat auf bringatrailer.com.
Bild: mcqueens auf bringatrailer.com
Selbst nach dem Umbau lugten Tom Sellecks dunkle Locken oder seine Mütze der Baseball-Mannschaft Detroit Tigers meist noch durchs offene Dach über den Targabügel hinaus.
Für Privatdetektiv Thomas Magnum kam deshalb nur die offene Variante GTS infrage – das geschlossene Coupé heißt GTB wie Gran Turismo Berlinetta, diese Variante mit herausnehmbarem Targadach GTS wie Gran Turismo Spider.
Ist der echte Ferrari 308 GTS das einzige Magnum-Auto?
Nein. Über die genaue Zahl der eingesetzten Ferrari 308 gehen die Angaben auseinander; aktuelle Auktions- und Marktquellen sprechen von rund 15 Autos insgesamt, die im Laufe der Serie eingesetzt wurden. Matthias Urban vom F-Register benennt genau neun Exemplare und hat zu jedem die Fahrgestellnummer.
Das umfasst das Vergaser-Urmodell wie dieses hier, aber auch den 1981er Ferrari 308 GTSi mit Einspritzung und den 1984er 308 GTSi Quattrovalvole.
Angebot
Playmobil Magnum, p.i. Ferrari 308 GTS Quattrovalvole
Wie kam Thomas Magnum in der Serie zu immer neuen Autos?
Der Wechsel vom Vergaser-308 zum Ferrari 308 GTSi geschah in der Serie nicht stillschweigend, im Gegenteil: In Staffel 3, Episode 1 wurde der 308 GTS mit einer Bombe in die Luft gejagt. Wohl kein echter Ferrari, zum Glück, sondern ein Nachbau. (Zum Weiterlesen: Higgins und die Autos aus Magnum.)
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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So ersteigerte "Higgins" den Ferrari in Palm Beach
Hagen W. flog zu der Versteigerung nach Palm Beach, schreibt BILD.de, hielt während der Auktion permanenten Telefonkontakt zu seinem Bruder. Der verfolgte alles im Stream.
Ihr vorher gesetztes Limit lag eigentlich bei 150.000 Dollar. Es kam zu einem Wettbieten. "Aber wir wollten es eben einfach." Als sie den Zuschlag erhielten, jubelten beide. Hagen W. in den USA, sein Bruder vor dem Fernseher. "Mir ist allerdings noch immer etwas schummrig wegen des Preises", sagt Daniel. "Das war viel zu viel."
Nun holen sie den 308 GTS mit einer Spedition auf dem Seeweg nach Deutschland. Das werde etwa drei Wochen dauern. "Wir müssen jetzt planen, was wir damit machen. Denn wir dachten nicht, dass wir den Ferrari bekommen." Klar ist: Die Brüder werden das Fahrzeug der Öffentlichkeit zugänglich machen. "Die Fangemeinde von Magnum ist immer noch riesig." Aber: "Fahren werden wir wohl damit aber nicht."
Spätestens seit dem Kienle-Skandal sollte es doch wirklich jeder Profi in der Branche verstanden haben: Jedes Auto, das wegen bestimmter Merkmale deutlich teurer verkäuflich ist als ohne diese Merkmale, zieht Fälscher an. Deshalb sind Käufer heute – zu Recht – deutlich kritischer und verlangen Beweise für die Identität eines Autos.
Ein Ferrari 308 GTS, in dem Tom Selleck persönlich durch die TV-Serie "Magnum" gesaust ist, ist substanziell mehr wert als ein x-beliebiger 308 GTS. Nicht mal auf Nachfrage Einsicht in die Unterlagen zu gewähren oder mal eben am Auto den Kilometerstand abzulesen, das ist im besten Falle – sorry, Barrett-Jackson – unprofessionell. Schon gerade bei so einem Auto.