Als erst dritter Fiat – nach Dino und Fiorino – erschien der progressive, leicht exaltierte Ritmo. Wie ein Designermöbel in "Marmor-Beige" steht er mit sei­nen kontraststarken einteiligen Kunststoffschürzen an Bug und Heck da. Selbst die coole Plastikhutze auf der Motorhaube, die runden Tür­griffe und die Stahlräder mit den vier schwarzen Streifen bekennen sich zu italienischem Chic.
Auch innen, wo bei den modi­schen Beige- und Brauntönen noch die 70er durchschimmern und wo walzenförmige Wippschal­ter in der Bedienung zum Nach­denken anregen, macht der Ritmo optisch am meisten her. Das Lenk­rad liegt italotypisch flach, das Plastik fasst sich dünn und günstig an, und das schrullige Bedienkon­zept ist weit von der nüchternen Logik der bundesdeutschen Vier­meterklasse entfernt. Hinzu kom­men der hohle Klang der laut scheppernd ins Schloss fallenden Türen und die sitzsackweiche Be­stuhlung. Perfektion ist nicht des Fiat Kernkompetenz. Und trotz­dem fällt es schwer, sich dem Charme des Gesamtkunstwerks Ritmo zu entziehen.
Fiat Ritmo
Zum Designer-Look gehören durchgestylte Wippschalter und Hebel sowie eine Digitaluhr von Veglia, die dort sitzt, wo sie nur der Fahrer sieht.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
60 CL steht an dessen Heckklappe, auf dem deutschen Markt bedeutete das: kleinster Motor. Zwei Türen mehr kosteten 500 Mark Aufpreis. Auch wenn der Ritmo eher zierlich wirkt, geht das Platz­angebot völlig in Ordnung, der Kofferraum ist größer als erwartet – auch deshalb, weil Wagen­heber und Ersatzrad noch in den Motorraum passen. Dort sitzt der vom 128 über­nommene 1,1-Liter-Vierzylinder mit 60 PS. Wie der VW braucht der Fiat Drehzahlen zum Leben. Passend dazu gibt’s beim Ritmo Tourenzähler und Fünfganggetrie­be serienmäßig – das bietet hier sonst keiner! Den technischen Vor­sprung vergeigt der Ritmo durch die vage, wabbelige Lagerung des langen Schaltknüppels, auch die Lenkung gibt sich trotz extradün­ner 145er-Bereifung zäh.

Plus/Minus

Angesichts der tollen Mischung aus mutigem Design und unproble­matischer Technik erstaunt es, dass der Ritmo außerhalb Italiens keine größere Fan-Gemeinde hat – andere Fiat sind da bei uns schon sehr viel weiter. Dem Ritmo-Normalfall geht es da ein wenig wie dem herkömmlichen Lancia Delta, der auf der gleichen Bodengruppe basiert und im Schatten der Turbo- und Integrale-Versionen steht. Beim Ritmo wollen alle eine heiße TC- und/oder Abarth-Version oder bei Mut zum Außergewöhnlichen lieber eines der ab 1981 gebauten Cabrios, das von Bertone entwickelt und dort gebaut wurde. Das bietet neben einem stabilisierenden Bügel den praktischen Vorzug von vier vollwertigen Sitzplätzen.
Fiat Ritmo
Hinter der extrahohen Ladekante des Fiat wartet ein tiefer, gut nutzbarer Kofferraum.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Bei der Vielfalt liegt der Ritmo ganz weit vorn. Es gab ihn mit drei und vier Türen sowie großer Heckklappe, als Cabrio und, wenn man die Un­derdog-Ableger Regata und Regata Weekend dazuzählt, auch als Stufenheck und Kombi. Der spani­sche Ableger Seat Ritmo, später Ronda, längst ein Fall für die tiefrote Liste, ließe sich ebenfalls erwähnen. Hinzu kommt eine weit ge­fasste Vierzylinder-Motorenpalette, die vom 60 PS starken Basistrieb­werk über den 130 TC mit Zweiliter- DOHC-Motor und 130 PS bis zum 1,9-Liter-Turbodiesel mit 80 PS reicht. Wer einen Ritmo sucht, fin­det eine große Auswahl – die Entscheidung fällt zwischen erster und zweiter Generation. Zu den Schwachpunkten gehören eine sorglose Verarbeitung und Rost, vor allem bei den frühen Modellen bis 1982. Da geht es dem Ritmo beim Rost wie den anderen Kom­pakten in diesem Vergleich. Auch schwächelnde Getriebe mit hakeli­ger Gangführung und verschlisse­nen Synchronringen machen Prob­leme. Ersatz für Ausstattungsteile des Innenraums und die Kunststoff­teile an Front und Heck sind am ehesten in Italien zu bekommen. Plus: Weder für Kauf noch den Un­terhalt braucht es Reichtümer.

Marktlage

Ausgerechnet die frühen, die ganz normalen Ritmo machen sich rar. Ein unverfälschtes und unverbrauchtes Basismodell wie unser Fotoauto, das bei der Firma Top Oldtimer in Wülfrath zum Verkauf steht, ist vor allem hierzu­lande schon richtig selten. Einfacher und in überraschend großer Auswahl stehen die seltenen Abarth-Versionen 125 TC und 130 TC zur Verfügung. Auch Autos der modellge­pflegten 2. Serie (großer Kühlergrill, Doppelscheinwerfer) ab Modelljahr 1983 und Cabrios der 1. und 2. Serie sind leichter zu finden.
Fiat Ritmo
Runde Sache: Die Fiat-Designer setzten beim Ritmo vor allem auf runde Formen.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD

Ersatzteile

Am romantischsten wäre es natürlich, entspannt auf die Messe ins italienische Bologna zu fahren, um dort für kleines Geld große Mengen Ritmo-Teile einzusammeln. Allerdings ist die Versorgung auch online gesichert und leicht ohne ausufernde Italienisch-Kenntnisse zu bewerkstelligen. Eine Wasser­pumpe (Ritmo Diesel) kostet 69 Euro, ein Handbremsseil schlägt mit zehn, ein Wischermotor mit 50 und ein Tankgeber mit 30 Euro zu Buche. Ein Paar Antriebswellen für die Abarth-Varianten 125 TC und 130 TC kostet 99 Euro, ein Kühlergrill für das Stufenheckmodell Regata 50 Euro (Quelle: www.fiatteile.de).