Nach dem Abschied vom Dauertest-Scirocco spielten wir in der Redaktion "Wünsch dir was". Fünf Gänge, mehr Platz und einen bei Autobahntempo niedrigen Geräuschpegel wünschten sich fast alle Kollegen. Vielen war der VW Scirocco zu eng, zu laut und zu wenig langstreckentauglich. Die Grundlage für die Entscheidung war diesmal also sachlicher, als Sie vielleicht denken, und doch emotional. Bislang hatten wir fünf deutsche Volumenhersteller im Klassik-Dauertest.
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Fehlt noch einer von den ganz Großen: Ford. Limousinen hatten wir drei, Coupés zwei. Da war es nicht mehr weit zu der Entscheidung, dass der nächste ein Ford Kombi werden sollte. Den Typ grenzten wir dann im Laufe der Diskussion ein: Sierra und Scorpio waren uns optisch zu jung, und die Schräglenker-Hinterachse des Granada gefiel uns viel besser als die hinteren Starrachsen von Taunus und Co.

Der Ford Granada ist der bislang praktischste Dauertester

Diesen Ford wollte die Redaktion nach vier Leihgaben von Opel, BMW, Mercedes und aus der Autostadt in Wolfsburg wieder selbst kaufen, um unabhängiger zu sein. Mehr als 6000 Euro sollte der Neue nicht kosten. Also gingen wir Kompromisse ein, suchten eine gut erhaltene Karosserie mit wenig Rost und achteten nicht auf Motorvariante und Ausstattung. Die Vorzeichen standen also auf kargem Vierzylinder mit mattem Lack. Als wir die Anzeige für einen roten 2.3 L Turnier mit V6 entdecken, sind wir deshalb aus dem Häuschen! Nach einem vielversprechendem Telefonat mit Verkäufer Roy Weigel fahren wir zu ihm nach Meerane in Sachsen.
Ford Granada 2.3 L Turnier
Smooth Operator: Man muss nicht mal Sade hören, um in einem Granada V6 entspannen zu können.

Vor Ort entdecken wir dafür "unseren" Kombi. Der glänzende 2.3 L Turnier in einer dem Sondermodell "Chasseur" nachgeahmten Zweifarbenlackierung steht schon vor der Werkstatt des Verkäufers. Nicht nur der Lack glänzt: Stolz zeigt uns Verkäufer Roy auf der Hebebühne alle Stellen, die er geschweißt hat: Heckklappe, Stehwände am Motorraum, zwei kleine Stellen an den Schwellerfalzen. Alles dünn versiegelt, nichts ist zugeschmiert mit Unterboden-Paste. Die TRX-Felgen hat er wie die Unterkanten der Karosserie in einem Goldton von Chevrolet lackiert. Nicht original zwar, aber farblich passend zum weinroten, originalen Karosserie-Farbton.

Technisch wirkt der Granada topfit – auf den ersten Blick

Reinsetzen, der V6 springt auf Schlag an und säuselt leise vor sich hin. Der Kombi liegt auf der folgenden Probefahrt gut, bremst perfekt, zeigt kaum Lenkspiel. Hier wirkt alles solide. Trotz des in den 80ern nachgerüsteten, angeblich immer noch dichten Sonnendachs und des rissigen Armaturenbretts ist schnell klar: Einen besseren Granada Kombi mit V6 und langstreckentauglichem Fünfgang-Schaltgetriebe werden wir innerhalb unseres Budgets nicht schnell finden. Hier sind die Möglichkeiten des Granada verheißungsvoll: Neben dem Riesen-Kofferraum hat der Ford auf dem Dach Platz für Gepäck, außerdem gibt's eine Anhängerkupplung.
Ford Granada 2.3 L Turnier
Große Klappe und viel dahinter: Unser neuer Dauertester ist so praktisch wie noch keiner vor ihm.

Die Historie des Ford Granada

Viel Platz und Komfort, zuverlässige und haltbare Technik zum attraktiven Preis: Das war das Erfolgsrezept des Ford Granada. 1972 erschien die erste Generation und löste die Baureihe P7b (17 M/20 M/26 M) ab. Technisch setzte er sich vor allem durch sein modernes Fahrwerk mit Schräglenker-Hinterachse von seinem Vorgänger mit hinterer Starrachse ab. Bis 1975 bot Ford sein Topmodell in zwei Varianten an: als Consul mit einfacherer Ausstattung und als üppiger ausgestatteter Granada. 1977 löste Ford die barocke Urversion Mk I mit dem glattflächiger gestalteten Mk II ab, das schicke Coupé mit Fließheck entfiel. 1981 kam der Mk III, zu erkennen am Kühlergrill mit nur noch drei Lamellen, die Fertigung der wenig gefragten zweitürigen Limousine wurde eingestellt.
Ford Granada 3000 GXL
Erkennungszeichen des bis Januar 1975 gebauten Erstserien-Topmodells Granada GXL: Vinyldach, üppiger Chromschmuck und V6-Motoren. Ein perfekter 3000 GXL liegt heute bei 18.000 Euro.

Über die gesamte Produktionsdauer war ein Granada die günstigste Möglichkeit, eine neue Sechszylinder-Limousine zu erwerben. In Vergleichstests konnte ein Granada zwar nie nach vorn fahren, aber die Käufer goutierten das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis und spätere Gebrauchtwagen-Käufer sein zähes Durchhaltevermögen. Ab Ende der 90er-Jahre wurde vor allem der Ur-Granada Mk I nicht zuletzt durch Film ("Absolute Giganten") und Werbung (Aral) zum angesagten Kultauto. In der 13-jährigen Bauzeit fertigt Ford über 1,6 Millionen Exemplare – ein Riesenerfolg, an den der Nachfolger Scorpio aufgrund falscher Modellpolitik (anfangs weder Kombi noch Limousine lieferbar) nicht anknüpfen konnte.