Glas 1300 GT Cabrio von 1966 im Test
So elegant kann Spaß sein: Glas 1300 GT Cabrio

Gediegen an der Villa vorfahren oder schreiend vor Glück durch den Wind sausen? Mit dem Glas Cabrio aus dem Jahr 1966 geht beides.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Das Fahrgefühl im Glas 1300 GT Cabrio ist kaum mit dem anderer Roadster der 60er vergleichbar: Dank der niedrigen Gürtellinie sitzt man gefühlt im Freien. Die Lenkung (von ZF-Gemmer) ist auch hier präzise, aber dafür erstaunlich leichtgängig. Die Schaltung des Vierganggetriebes von Getrag hat zwar relativ lange Wege, die Führung aber ist so exakt, dass jeder Gangwechsel Freude macht. Überraschend, denn in den Glas 1700 GT, die wir bisher gefahren haben, war die Viergangvariante beide Male auffällig unpräzise.

Kurios: In der eingeschweißten Mittelkonsole ist eine Öffnung, aber dahinter keine Ablage. Die Bedienung für Heizung und Lüftung ist an der Lenksäule versteckt.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Dazu passt der 1300er Motor, konstruiert von Leonhard Ischinger: Klar kommt er mit eben über 100 Newtonmetern bei niedrigen Drehzahlen den Briten nicht hinterher, dem Porsche schon gar nicht. Er dreht nicht gleichmäßig hoch, eher in Stufen, aber oben raus ist er sehr drehfreudig, mehr als der langhubige 1700. Bei zivilen Drehzahlen klingt er allerdings viel freundlicher. Unser Glas hat übrigens 75 PS, 1965 kamen zehn dazu.
Bayerisch-italienischer Roadster
Wer sich wundert, dass Glas, die eben noch piefige Landmaschinen- und Goggo-Bude in Dingolfing (Niederbayern), als Designer Pietro Frua für sich gewinnen konnte, Schöpfer feinster Maserati in der Modehauptstadt Turin: Frua brauchte halt Aufträge. Hans Glas' Sohn Andreas lernte ihn 1961 auf der IAA kennen. 1962 schickte Glas den Auftrag, die Karosserien für GT Coupé und Cabrio nicht nur zu zeichnen, sondern auch zu konstruieren. Am 13. März 1963 war Frua fertig, auf der IAA 63 stellte Glas beide Varianten vor.
Den offenen GT nannte der Hersteller Roadster-Cabriolet: "sportlich wie ein echter Roadster; aber dicht und wetterfest wie ein Cabrio". Nur 368 Stück baute Glas, vom Coupé dafür 5010 Stück. Die Zeitschrift "mot" schrieb im ersten Fahrbericht des 1300 GT Coupé: "Porsche in allen Ehren. aber seit den BMW 328 und 327/ 328 hat es keinen deutschen Wagen dieser Art gegeben, der derart begeistern kann."
Plus/Minus
Zahnriemen! Was Glas 1961/62 als erster Hersteller der Welt in Serienautos einführte, hat viele Vorteile gegenüber Steuerketten: u. a. leiser, keine Schmierung nötig, erlaubt hohe Drehzahlen. Bei anderen Autos ruinierten reißende Zahnriemen den Ruf der Technik. Gute Nachricht für Glas-Fans: Für ihre Motoren werden Zahnriemen nachgefertigt.
Und: "Technisch macht ein GT keine großen Probleme", berichtet Sascha Köster, Besitzer des 1300 GT auf unseren Fotos. Wenn die Innenseiten der hinteren Räder ölig sind, ist wohl Differenzialöl ausgetreten – das könnte in die Bremse gelangen! Da helfen beidseitig gekapselte Radlager. Die Wasserpumpe des 1300 ist klein, deshalb kann der Motor überhitzen – da hilft ein Elektrolüfter oder Kühler mit Hochleistungsnetz. Als anfällig gelten die Synchronringe zum zweiten Gang.

1,3 Liter kleiner Motor mit oben liegender Nockenwelle und fünffach gelagerter Kurbelwelle.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
In den beiden Vergasern mit unten liegender Schwimmerkammer können sich schon mal Gasblasen bilden. Weber-Vergaser haben laut Köster weniger Fehlerquellen als die originalen Solex und seien leichter einzustellen.
Wie gut eine Restaurierung ist, sehen Kenner an Schwellern, Front- und Heckmasken – manche Blechner haben statt der eckigen Radläufe runde eingezogen. Und unrestaurierte GT? "Fast bei allen Fahrzeugen sind der hintere Kotflügelbereich um die A-Säule, die Türschweller mit Bodenblech und die Radläufe hinten von der braunen Pest befallen", warnt der Glas Automobilclub International in seiner Kaufberatung auf glasclub.de, und: "Der Schwellerbereich wird durch mehrere Bleche verstärkt, so ist es nicht nur mit einem einzelnen Außenblech abgetan. Beim Cabriolet ist dies besonders aufwendig."
Die Nietverbindungen im Kombi-relais können lose werden, dann fallen Verbraucher aus – darum kümmert sich ein Clubmitglied.
Marktlage
Nur 363 Glas GT Cabrios wurden gebaut, rund 135 sollen noch existieren. Bei Redaktionsschluss wurden in den gängigen Börsen acht Glas GT und BMW 1600 GT in Deutschland angeboten und in der Schweiz einer, davon zwei Cabrios. In den USA stehen vor allem BMW GT Coupés. Laut Sascha Köster werden gute Autos eher im Glas Automobilclub angeboten als öffentlich inseriert: "Es lohnt, sich genug Zeit zu nehmen und mit dem Club Kontakt aufzunehmen."

Sechs schön gezeichnete Rundinstrumente, von VDO extra für Glas angefertigt.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Ersatzteile
Technik-Teile sind gut verfügbar. Das meiste wird nachgefertigt, z. B. die Plastikteile, die die Kipphebel in Position halten, Lagerschalen und Kolben – wenn die früher kaputt waren, musste das Auto stehen bleiben. "Das Angebot an Teilen war nie größer. Zierteile kriegt man organisiert", sagt Sascha Köster. Quellen gibt es im Wesentlichen nur zwei: den Club (z. B. Kotflügel 1400 Euro, Frontscheibe 400 Euro, nur für Clubmitglieder, ersatzteile@glasclub.de) und glasersatzteile.de (Seitenteil 200 Euro, Wasserpumpe AT 249 Euro, Hosenrohr Edelstahl 250 Euro).
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