"Lambogatti": Lambo Diablo mit W16 vom Veyron
Geheimer Lamborghini-Prototyp mit Bugatti-Motor enthüllt
Auf der Bremen Classic Motorshow zeigt die Autostadt erstmals den Lamborghini Diablo, in dem VW den später 1001 PS starken Motor des Bugatti Veyron testete.
Bild: Autostadt; Olaf Tamm / AUTO BILD
Es passiert nicht oft, dass ein Autohersteller der Öffentlichkeit einen Versuchsträger zeigt – ein älteres Automodell, in dem die Technik für ein jüngeres Modell erprobt wurde. Auch nicht, wenn das Modell schon vor 21 Jahren in Serie ging.
Jetzt passiert es aber: Die Autostadt in Wolfsburg, Teil des Volkswagen-Konzerns, zeigt auf der Bremen Classic Motorshow 2026 so ein Auto.
Um die Sache noch aufregender zu machen, ist es aber kein VW Golf 3 mit der Technik des Golf 4, sondern ein Lamborghini Diablo mit der Technik des Bugatti Veyron 16.4!

Er sieht aus wie ein schlecht zusammengestöpseltes Modellauto, ist aber echt: Lamborghini Diablo als Versuchsträger für den Bugatti-W16-Motor. Die Vorderachse ist verbreitert. Das linke Rücklicht fehlt, weil ...
Bild: Autostadt

... dort heiße Abluft aus dem Auto geblasen wird. Feister Heckflügel, vier Endrohre in der Mitte.
Bild: Autostadt
Schon der Lamborghini Diablo war Weltklasse
In den späten 80er-Jahren war der Lamborghini Diablo entwickelt worden mit dem Ziel, das schnellste Serienauto der Welt zu werden. Mit mindestens 323 km/h spielten die frühen Diablo-Modelle seit dem Serienstart 1990 zumindest an der Weltspitze mit; schnellster Diablo ab Werk war der GT-R mit 590 PS und 345 km/h.
Bugatti Veyron 16.4: eine ganz andere Liga
Wie viel stärker und schneller der Bugatti Veyron 16.4 im Vergleich zum Lamborghini Diablo dann noch mal war, ist also haarsträubend: Schon das erste, vergleichsweise schwächste Modell 16.4 hatte 16 statt 12 Zylinder, acht statt 5,7 bis sechs Liter Hubraum, vier Turbolader statt gar keinem … und 1001 PS statt maximal 590 PS!

Der spätere W16-Serienmotor wiegt 530 kg. Seitlich sieht man zwei der vier Turbolader. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe fügt 110 kg hinzu.
Bild: Bugatti
Kein deutscher Sportwagen spätestens seit dem Mercedes 300 SL von 1954 war mit so viel Ehrgeiz entwickelt worden wie der Bugatti Veyron.
Bugatti und Lamborghini kamen fast gleichzeitig zu VW
Ehrgeiz? Das klingt nach Ferdinand Piëch. Als Chef des Volkswagen-Konzerns schien es für ihn kein Limit mehr zu geben. Seine Firma, einst Hersteller des bescheidenen VW Käfer, schluckte eine Luxusmarke nach der anderen: 1997 Bentley, 1998 Bugatti, im selben Jahr Lamborghini. 2002 stieß sogar die Marke VW ins Luxussegment vor, mit dem Phaeton.
Die Wahnsinnsidee: 16 Zylinder in vier Reihen

Bild: Volkswagen AG
Ferdinand Piëch selbst skizzierte die Eckdaten des 16-Zylinder-Motors auf einem Stück Papier.

Streng genommen, ist der W16-Motor kein echter W-Motor mit drei Zylinderbänken, sondern er ist konstruktiv aus zwei VR-Motoren zusammengefügt. VW hatte 1991 den VR6-Motor in Serie gebracht, bei dem die sechs Zylinder V-förmig in extrem engem Winkel zueinander stehen, unter einem gemeinsamen Zylinderkopf. Der Bugatti-Motor ist praktisch ein V-Motor aus zwei VR8-Motoren.
Bild: Bugatti
Es dauerte nicht lange, und die ersten Prototyp-Motoren waren gebaut. Und bereit für erste Testläufe. Am besten in einer anderen Karosserie – zur Tarnung vor neugierigen Journalisten und weil die Veyron-Karosserie noch nicht fertig war.
Nun konnte man den Riesenmotor zur Erprobung nicht einfach in einen VW Passat einbauen. Gut, dass VW auch Lamborghini gekauft hatte!
So entstand der "Lambogatti"
Der gelbe Diablo war Fahrgestellnummer 1997 gebaut worden, verrät Jörn Schwieger von der Autostadt auf AUTO BILD-Anfrage; er war also schon ein etwa drei Jahre alter Gebrauchtwagen, als die Techniker anno 2000 den W16-Motor in ihn einbauten. Die Klappscheinwerfer des Urmodells wurden dann offenbar durch fest stehende Scheinwerfer ersetzt.

Bild: Autostadt; Lamborghini
Ein Lambo mit Bugatti-Motor? Da stand der Spitzname schnell fest: Lambogatti.
Was der Lambogatti mit einem Muli zu tun hat
In der Autoindustrie werden solche Versuchsträger "mule" genannt – wie ein Muli, das Arbeitstier, das als Vater einen Esel und als Mutter eine Pferdestute hat. Fleißige Arbeitstiere eben.

Bild: Autostadt; Lamborghini
Wie passt der W16 von Bugatti in den Diablo?
Dank seiner vier Zylinderbänke nebeneinander ist der 16-Zylinder-Motor für den Bugatti Veyron zwar verblüffend kurz: Als V-Motor wäre er rund einen Meter lang, etwa wie ein Achtzylinder-Reihenmotor, so aber nur 64,5 Zentimeter.
Dennoch wirft man so einen Trumm mit 16 Zylindern und vier Turboladern nicht einfach in einen Lamborghini Diablo hinein. "Der Gitterrohrrahmen musste verlängert und angepasst werden", um Platz zu schaffen, berichtet die Autostadt. "Nur so ließen sich Motor und Direktschaltgetriebe wie im späteren Bugatti Veyron anordnen und mit den Serienteilen der Diablo-Karosserie tarnen."

Bei abgenommener Verkleidung sieht man, wie die Techniker den W16-Motor in den Diablo zwängen mussten. Hintere Reifen im Format 335/30 ZR 18, Räder vom Diablo SV, Reifen von Pirelli, Bremsen von Brembo.
Bild: Autostadt
Auf der Bremen Classic Motorshow zeigt die Autostadt den gelben Versuchswagen ohne die Verkleidungen, sodass die Besucher sich an der Technik ergötzen können.
War der Lamborghini damit schneller als der Bugatti?
Als Serienauto ist der Bugatti mit 407 km/h Höchstgeschwindigkeit angegeben. Aerodynamisch ist der Diablo im Vorteil: Seine Stirnfläche ist kleiner, und ein serienmäßiges Diablo-Coupé hat einen cW-Wert um die 0,31. Der Veyron liegt bestenfalls bei 0,355. In der Praxis aber war anno 2000 der umgebastelte Diablo noch nicht so weit. Es brauchte noch Jahre der Entwicklung, bis der Bugatti Veyron so schnell war (siehe nächster Absatz) – da war der Lambogatti längst veraltet und parkte in einer Ecke.

Bild: Autostadt; Lamborghini
Entwicklung des Bugatti Veyron: schwierig, lang, teuer
Ob damals schon jemand ahnte, dass der Bugatti Veyron 16.4 zu einer Art VW-Elbphilharmonie werden würde – viel später und viel teurer als geplant? Na gut, die Elphi-Idee nahm erst 2001 Formen an. Jedenfalls war die Entwicklung des Veyron besonders schwierig, es hagelte Rückschläge. Die gesamte Kühlung war extrem problematisch. Wolfgang Schreiber, damals Technik-Direktor von Bugatti, berichtet: "Am Anfang reichte der Sprit, der von den Benzinpumpen gefördert wurde, nur für 650 PS."

Bild: Bugatti
Der Veyron war zu schnell für die Achsmanschetten
Kopfzerbrechen bereiteten ihm zum Beispiel auch die Antriebswellen, die trockenliefen, weil Fett austrat. Die Manschetten blähten sich aufgrund der hohen Fliehkräfte auf und scheuerten sich an den Abschirmblechen wund. Kunststoffverstärkungen beseitigten dieses Übel.

Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Bugatti Veyron: die Elphi des VW-Konzerns
Bis 2005 endlich die ersten Serienautos ausgeliefert wurden, dauerte es länger als geplant. Der VW-Konzern soll mit dem Bugatti Veyron in den ersten acht Produktionsjahren weit über eine Milliarde Euro verloren haben.
Tja, aber ähnlich wie bei der Elphi sind die Kosten und Probleme des Veyron fast schon vergessen, und Fans begeistern sich für die bizarre Schönheit dieser beiden Konstruktionen.
Bis Sonntag, 1. Februar 2026, ist der Lambogatti auf der Bremen Classic Motorshow zu sehen – als Beitrag der Autostadt zur Sonderschau „4x4 Performance“.

Bild: Bugatti
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