Die Geschichte des M1 gehört zu den bewegenden der Sechszylinder-Reihe, happy enden durfte sie nicht. Eigentlich hätte er ein siegfähiges Auto für die Gruppe 4 werden sollen und zugleich der erste Supersportler von BMW. Geworden jedoch ist er weder noch. Ersteres scheitert am zu hohen Gewicht, Zweiteres daran, dass es in seiner Preisklasse zu viele stärkere, schnellere und vor allem prestigeträchtigere Autos gibt. Was dem M1 fehlt, ist die motorische Theatralik der vielzylindrigen Konkurrenz, sodass der einzige Reihensechser, der sich – den Kleinstserien-Roadster von Roding einmal ausgeklammert – je hinter dem Fahrer positioniert, zum tragischen Helden wird.

Der M1 verleugnet die Rennsport-Herkunft nicht

BMW M1
Beim Elektro-Zweitürer i8 erlebt das M1-Styling gerade eine Renaissance. Ein reinrassiger Sportwagen wie er fehlt BMW nach wie vor.
Bild: Christian Bittmann
In Relation zu einem Ferrari 512 BBi mag der Vierventiler gefühlskalt wirken, für sich genommen könnte er jedoch kaum emotionaler sein. Allein dieser Aufschrei, wenn er einem nach kurzem Anlasser-Orgeln von hinten in den Nacken springt, oder das mechanische Tickern der Einzeldrosselklappen, sobald er sich vom Standgasregler wieder einigermaßen hat beruhigen lassen – zum Niederknien! Der erste Gang liegt unten links, die Lenkung beginnt direkt hinter der Mittellage, und der Vortrieb baut sich etwas gesitteter auf, als es die Akustik vermuten lässt. Untenrum wirkt der 3,5-Liter noch etwas benebelt, reagiert stumpf auf Sticheleien mit dem Gaspedal und rappelt sich nur verkatert auf.
Ab vier jedoch ist er voll bei sich, beantwortet selbst wechsellauniges Fußzucken hellwach, beißt zu, wenn er soll, und lässt locker, wenn er muss. Bei 6500 gipfeln die 277 PS, geschaltet wird um sieben, und gehört wird trotz Kassettendecks nicht viel mehr als der Soundtrack aus dem Genick, der je nach Drehzahl als hohles Fauchen oder heiseres Fräsen aus den Endröhrchen drückt und von vielen späteren BMW gecovert werden wird. Wozu auch verleugnen, dass man aus dem Rennsport kommt? Der Stammbaum des Saugrohreinspritzers wurzelt im CSL, rankt herüber bis zum ersten M5 und zwängt sich 1978 schließlich für drei Jahre als Mittelmotor in den M1 – der vielleicht nicht das geworden ist, was er hätte sein sollen, wahrscheinlich aber gerade deswegen so gut wurde in dem, was er ist.

Fazit

von

Stefan Helmreich
Seinerzeit blieb der M1 hinter der Sportwagenprominenz zurück, hier hält er sogar eine Dekade höher noch mit. Natürlich hechtet er nicht gar so ansatzlos aus den Blöcken wie der allradgetriebene, aufgeladene GT-R. Mit steigender Drehzahl jedoch saugt er sich immer dichter heran. Am faszinierendsten fühlt sich das Einlenken an, wobei er seine Kontrahenten aus- und die Kunststoff-Karosserie erbarmungslos in den Scheitelpunkt sticht.