Mazda 323 (BD) von 1980 im Test
Die Klasse von 1980: Der japanische Bestseller Mazda 323 im Test

Bei den Kompakten gilt der Golf als gesetzt. Doch die Konkurrenz des Wolfsburger war schon früher groß und vielseitig. Wie wäre es mit einem Mazda?
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Im Gegenteil zur italienischen Konkurrenz, dem Ritmo, kommt der 323 deutlich ernsthafter daher: äußerlich klar und zurückhaltend in der Form, innen mit dem großen Instrumentenkasten und Holzimitat in Richtung Mittelklasse tendierend. Ganz unbescheiden bewarb Mazda den neuen Fronttriebler als "ein perfektes Auto unserer Zeit".
In der BRD war der 9900 Mark teure Mazda ein aufstrebender Mitbewerber, der mit guter Ausstattung zu punkten wusste. In der DDR war der 24.600 Ost-Mark teure 323 (ein Trabant kostete ein Drittel) ein Luxusgut, dessen Gebrauchtwagenpreis direkt nach Kauf nach oben hin offen war. Wahrscheinlich erklärt das auch den Jahreswagenzustand des Dreitürers mit der 1,1-Liter-Basismotorisierung.

Das fein gemachte Cockpit sieht nach einer Klasse weiter oben aus, aber als Import-Version für die DDR fehlen diesem Mazda hinten zwei Türen.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Der quadratisch ausgelegte OHC-Vierzylinder überrascht mit quirliger Drehfreude. Seine 54 PS passen gut zum direkt und mühelos zu schaltenden Vierganggetriebe, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in 19 Sekunden. Erst oberhalb von 100 km/h wird der Motor laut, jetzt käme ein fünfter Gang gelegen – aber den gab es nur mit größeren Motoren.
In der Summe seiner Eigenschaften macht der verlässliche und sensationsfreie Mazda klar, warum Menschen in Ost und West 1980 einen Japaner kauften. Bei der Ausstattung fehlt es an nichts, das Platzangebot ist klassenüblich, und die zwei fehlenden Türen macht die Basisversion mit einer variablen, geteilt umklappbaren Rücksitzlehne wett, was sonst keiner der Kompakten bietet. Hinzu kommen ein rätselfreier, müheloser Umgang und ein hübsch gemachter Innenraum mit leider arg dünn gepolsterten Sitzen. Man spürt, dass die Mazda-Ingenieure lange und intensiv auf die Konkurrenz geschaut haben, bevor sie mit der Entwicklung ihres neuen Kompakten begannen.
Plus/Minus
Nicht unbedingt schlechter als die einheimische Konkurrenz, nicht zwangsläufig besser, aber immer günstig und meist feiner ausgestattet. Mit dieser Rezeptur, mit der Mazda schon vor rund 40 Jahren in Deutschland als Import-Marke erfolgreich war, punktet der 323 (der in Japan und in den USA Familia hieß) noch heute: Der zeitgemäß konstruierte Kompakte ist ein solides, ordentlich gemachtes Auto. Und mit den Jahren kam auch noch Charme hinzu.

Mit Ausstellfenstern hinten, Kofferraumentriegelung, Holzfolie
innen und einem Hauch von Chrom außen ist der 323 gut ausgestattet.
innen und einem Hauch von Chrom außen ist der 323 gut ausgestattet.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Die erste 323-Generation mit Frontantrieb unterteilt sich in die Serien BD (1980-1985) und BF (1985-1989), wobei es sich beim BF eher um eine Modellpflege mit einem erweiterten Modellprogramm handelt. Den BD gab es als Schrägheck mit zwei und vier Türen und als viertürige Limousine. Spitzenmodell war der GT mit 1,5-Liter-Motor und 85 PS. Beim weniger kantig gezeichneten BF kamen Kombi und Dieselmotor dazu. Topmodell war der 4WD Turbo mit 1,6 Litern Hubraum und 150 PS, der neben dem frontgetriebenen Turbo bis heute einzige wirklich begehrte 323. Dass die anderen oft unbeachtet daneben stehen, spielt Käufern in die Hände: Die Auswahl der aktuell angebotenen 323 der Jahrgänge 1980 bis 1990 ist erstaunlich groß, abwechslungsreich und immer vierstellig. Dafür ist die Nachfrage klein. Soll es ein 323 vom Typ BF sein, dann lieber mit drehzahl- und nervenschonendem 5. Gang (optional ab 1,3-Liter-Motor). Die Haltbarkeit der Mechanik war schon Mitte der Achtzigerjahre ein Pluspunkt des kompakten Mazda.
Rost ist nach 40 Jahren zwar immer ein Thema, aber im Dauertest der Fachpresse zeigte sich der 323 zu Neuwagenzeiten überdurchschnittlich rostresistent. Weniger gut schnitt die verschleißfreudige Innenausstattung ab. Heute guten Ersatz für abgewetzte Polster zu finden, dürfte, im Gegensatz zur Versorgung mit Technikkomponenten, fast unmöglich sein.
Marktlage
Spannend zu sehen, dass der erste 323 mit Frontantrieb, der gleich zweimal das meistverkaufte japanische Auto auf dem westdeutschen Markt war, heute am ehesten mit ostdeutscher Geschichte zu finden ist. Historisch wertvoll, aber nicht teuer. Auch unser Fotoauto vom M+S Fahrzeughandel in Wolfen gehört zu den 10.000 an die DDR gelieferten 323. Eine Handvoll Fahrzeuge der Generation BD (1980-1985) findet sich in den Fahrzeugbörsen, das Gros der Autos gehört jedoch zu den modellgepflegten Serien mit den Kürzeln BF und BG.

In den Verkaufsstatistiken lag der solide Kompakt-Mazda eine Zeit lang weit vorn.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Ersatzteile
Ein MX-5 oder sogar ein RX-7 mit Wankelmotor ist leichter am Laufen zu halten, zumindest was das Angebot an Ersatzteilen betrifft. Für die Suche nach 323-Ersatzteilen braucht es Zeit. In England kosten Zündkontakt oder Spurstange 9, eine Wasserpumpe 21 Euro (www. classicpartsshack.co.uk). Ohne Internet geht es nicht! Dort finden sich etwa Lenkgetriebe für 192 Euro, Zylinderkopf oder Ventildeckeldichtung für 21 bzw. 5,50 Euro (www.gts-fahrzeugteile.de). Eine weitere Quelle ist die Firma Japan Parts in Hamburg. Ein Endschalldämpfer kostet dort 60 Euro.
Service-Links