Mercedes G-Klasse: Klassiker des Tages
Wer hat mehr Charakter als die Mercedes G-Klasse?

Seit 1979 ist die Mercedes G-Klasse das vielleicht charakterstärkste Auto mit dem Stern am Grill. Vor 45 Jahren kam die Gelände-Legende auf Straßen, Feldwege und Wüstentrails. Klassiker des Tages!
Bild: Daimler AG
- Stefan Grundhoff
Welcher Mercedes hab mehr Charakter als die G-Klasse? Das 1979 auf den Markt gebrachte Allradmodell trotzte jahrzehntelang allen Naturgewalten (bis auf den Rost) wie auch der Mode und allen modischen Veränderungen.
Unter der Federführung des 2018 verstorbenen Entwicklungsleiters Erwin Wonisch entwickelte die Nutzfahrzeug-Abteilung von Daimler Mitte der 1970er-Jahre gemeinsam mit Steyr-Daimler-Puch ein echtes automobiles Kantholz: den unverwüstlichen Geländewagen für den Einsatz in Armee und Forstwirtschaft. 1975 wurde die Serienproduktion beschlossen, 1979 wurden die ersten Fahrzeuge gebaut – wie bis heute im Werk Graz weitgehend in Handarbeit.
G-Klasse: Mit Kletterkünsten einen Namen gemacht
Begonnen hatte die Geschichte der G-Klasse vor vier Jahrzehnten mit einer kargen Ausstattung und einem vergleichsweise bescheidenen Motorenangebot. Die Diesel- und Benzinvarianten leisteten einst zwischen 72 und 150 PS. Für seine Kernaufgabe reichte das locker. Denn: Gerade im unwegsamen Gelände zeigt der Kletterkünstler seine wahren Qualitäten. Er kommt problemlos über Stock und Stein üppigster Größe und begeistert so selbst im härtesten Geländeeinsatz auf jedem Meter.

Gelände-Legende: Die G-Klasse wurde als Arbeitstier für Militär und Forstwirtschaft entwickelt.
Der Wagen hat statt Blattfedern eine entsprechende Schraubenkonstruktion sowie Längs- und Querlenker an seinen Starrachsen. Die in den ersten Jahren noch per Zughebel betätigte Geländeuntersetzung und drei 100-Prozent-Sperren garantieren Vortrieb auf jedem Geläuf. Grundpreis anno 1979: 32.600 D-Mark, kaum weniger als das Basismodell der damaligen Mercedes S-Klasse vom Typ W 116. Erst 22 Jahre nach seinem Produktionsstart, im Jahre 2001, kam die Allrad-Ikone in den USA auf den damals wichtigsten Automarkt der Welt. Mit mächtigem Erfolg, denn die Jahre 2002 und 2003 waren die absatzstärksten in der G-Geschichte.
Geländegänger bei Prominenten beliebt
Besonders bei Promis wurde der Auto-Dinosaurier zumeist in den Farben Schwarz, Weiß oder Silber zum Kultobjekt, auf das sie allzu lange warten mussten. Einer der ersten renommierten G-Klasse-Fans war seinerzeit Papst Johannes Paul II: Seit 1980 hat der Vatikan ein strahlend weißes G-Modell als "Papamobil" im Fuhrpark.

Vielleicht die berühmteste G-Klasse: das Papamobil, hier mit dem deutschen Papst Bendikt XVI.
"Erfolgreich" ist der extrarobuste Benz auch immer beim Militär. Die deutsche Bundeswehr ist nicht die einzige Armee, die die G-Klasse seit Jahrzehnten unter dem Namen "Wolf" im Bestand hatte – viele dieser Autos sind auf den zivilen Gebrauchtwagenmarkt gekommen, auch aus den Armeen anderer Länder. Mit leichter Panzerung war der G auch in zahlreichen Krisenregionen dieser Welt im Einsatz.
Als Dreiachser zum Spielzeug der Scheichs mutiert
Bereits im Herbst seiner Produktionszeit wurde für die australische Armee eine dreiachsige Version des Mercedes G entwickelt – und bei dem Armeeeinsatz blieb es nicht. Auf Basis dieses Modells wurde 2013 der spektakuläre Mercedes G 63 AMG 6x6 (544 PS und 760 Nm) entwickelt, der zum Lieblingsspielzeug der Scheichs dieser Welt wurde.

Extrem: Der Mercedes G 63 6x6 AMG basiert auf einer dreiachsigen G-Klasse für das australische Militär.
2018 wurde die Mercedes G-Klasse der Baureihe W 463 von einem Nachfolger abgelöst, der ebenfalls den Namen G-Klasse und die Baureihenbezeichnung 463 trägt. Abgesehen von den rustikalen Türgriffen blieb im Vergleich zum Vorgänger kein Teil gleich. Der größte Unterschied ist der Breitenzuwachs, der mit rund zwölf Zentimetern mächtig ist.
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