Für ungewöhnliche Geschäfte ist Rolf Hilchner immer zu haben. 2011 wollte der umtriebige Softwareunternehmer aus dem Ammerland (Niedersachsen) mal zwei Berggipfel in Tirol erwerben – um sie nach seiner Firma zu benennen: "Ashampoo 1" und "Ashampoo 2". "Hat leider nicht geklappt, der österreichische Staat legte sein Veto ein", sagt Hilchner.

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Und bereits 2008 hatte er sich einen Gumpert Apollo besorgt. Jenen Supersportwagen, von dem im thüringischen Altenburg nur rund 20 Stück entstanden sind. Hilchner warb damit für seine damalige Neuwagenvermittlung Netcar.de – bis er nach einer Runde auf der Rennstrecke selbst einen Neuwagen brauchte.
Porsche 911 Whitney Houston - Gumpert Apollo
Ebenfalls mal in Hilchners Besitz: ein Gumpert Apollo, 2008 für seine Firma Netcar.de gekauft. Dann geschrottet, Versicherung zahlte.

Befreundeter Händler bot Whitneys 911 Cabrio an

Dann rief ihn ein befreundeter Gebrauchtwagenhändler aus NRW an. Er habe da einen Porsche mit (Musik-) Geschichte: ein weißes Porsche 911 Cabrio von Whitney Houston. Nun ist es nicht so, dass Hilchner gerade knapp an Autos wäre. Ein gutes Dutzend befindet sich in seinem Besitz, im Alltag chauffiert er eine Mercedes S-Klasse. Aber als großer Fan von "Bodyguard" ("Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich weine im Alter häufiger") musste er einfach zuschlagen.
Porsche 911 Whitney Houston
"Beweismaterial" auf dem Beifahrersitz: die Whitney-Biografie und im Kassettenfach vier MCs mit Alben der Vorbesitzerin.

Houston-Porsche auf langer Reise

Statt New York jetzt also der Nordwesten von Niedersachsen. Der 964 war am 26. April 1991 ausgeliefert worden – an die Firma Nippy Inc. mit Sitz in New Jersey, direkt an der George Washington Bridge, die rüber nach Manhattan führt. Das Unternehmen gehörte Whitney Houston. "Nippy war ihr Spitzname", sagt Hilchner. Die Jahre vergingen, 2004 wurde der Porsche verkauft, kam erst nach Florida, dann nach Louisiana. 2012 tauchte der Wagen in Texas in einer Auktion auf. Und 2021 nun noch einmal, der Zuschlag lag bei 49.500 Dollar. Von dort ging's nach Deutschland, hier bekam er neue Blinker, eine Motorüberholung – und ein stattliches Preisschild.
Porsche 911 Whitney Houston
Vor dem AUTO BILD-Termin stellte Hilchner den Porsche in seiner Firma unter. In keiner Garage, sondern direkt im Foyer.

"Höllenmaschine" Ferrari 328 GTS nicht Hilchners Welt

Das war Hilchner bewusst, aber es störte ihn nicht. Er hat im Leben schon sehr viel Geld für Autos ausgegeben. "Ich hatte auch mal einen Ferrari 328 GTS, aber das war nicht meine Welt." So eine Höllenmaschine könne den Fahrstil des Fahrers völlig umkrempeln, er habe das an seinem Bruder gemerkt. "Eigentlich ein verantwortungsbewusster Lehrer mit einer eher auf Sicherheit bedachten Fahrweise, aber als er den gefahren ist – das hätten Sie mal sehen sollen!"

Jungfräulicher Honda NSX für 172.000 Mark

Rolf Hilchner mag es lieber etwas zurückhaltender und, nun ja, bescheidener. Ihm gehe es nicht darum, was der Nachbar denke. Sondern um besondere Stücke. "Gerade habe ich zwei Audi A2 von 2001 mit 1,2-Liter-TDI gekauft." Und dann habe er noch einen VW XL1, der aber zum Verkauf stehe. Das Auto ist sparsam, der Käufer sollte es nicht sein: 84.500 Euro ruft Hilchner für den Zweisitzer auf. Nach mehreren Ferrari kaufte sich Hilchner 1993 als Sportwagen einen jungfräulichen Honda NSX, Neupreis 172.000 Mark. "Es war eines der schönsten und besten Autos, die ich in meinem Leben gefahren bin." Vier Stück hatte Hilchner im Laufe der Jahre, darunter den letzten für Deutschland produzierten.

Rund 100 Autos kamen und gingen im Laufe der Jahre

"Insgesamt sind wohl an die 100 Autos gekommen und gegangen", sagt Hilchner, der Ende der 1980er-Jahre damit begonnen hat, Anti-Viren-Programme zu vertreiben (von dem Geld kaufte er sich einen Jaguar E-Type). Apropos Virus: Wie kommt ein Softwareunternehmer zum Autovirus? "Ich bin 1972 nach dreimaligem Sitzenbleiben vom Gymnasium geflogen und habe dann bei Walther Hofsommer in Mettmann auf seiner Tankstelle gearbeitet. Walther hat mir einen Käfer besorgt und ihn mit einer Farbe lackiert, die er noch übrighatte – so kam ich zum froschgrünen VW." Außerdem habe er als Caddy auf einem Golfplatz in Düsseldorf gearbeitet und Wilhelm Becker von Auto Becker immer die Golfschläger getragen.
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Aus dem Käfer sind heute ein SL, ein Z4, ein Karmann Ghia und noch ein paar Schmuckstücke mehr geworden. Ach, und ein halber Fiat 500, Sondermodell Riva. Und das kam so: "Ende 2019 hat mich ein befreundeter Unternehmer gefragt, ob ich nicht die Hälfte einer älteren Riva-Jacht erwerben wolle, die auf Mallorca liegt." Und da Hilchners Frau leider die Leidenschaft für Autos "null" teile, sich aber vielleicht mit einer kleinen Jacht anfreunden könne, habe er zugeschlagen. Der halbe Fiat 500 war inklusive. Das Schiff verbraucht je nach Fahrweise zwischen 50 und 500 Liter die Stunde. "Daher tuckern wir nur", sagt Hilchner und lacht. "Im Grunde ist das gar nicht meine Welt." Aber Spaß macht's dann doch.
Porsche 911 Whitney Houston - Karmann-Ghia
Hilchners Karmann-Ghia, Baujahr 1972, wurde mehrfach prämiert als schönstes und besterhaltenes Exemplar.
Aus dem operativen Geschäft seiner 130-Mitarbeiter-Firma, die Hilchner zusammen mit einem Freund gehört und die vor allem E-Mail-Marketing macht ("Clever­ Reach"), hat sich der Selfmademillionär inzwischen zurückgezo­gen. Da bleibt dann mehr Zeit für andere Dinge: mit dem Boot tuckern, Whitneys Porsche kaufen, Flugzeuge fliegen (die Firma hat drei kleine Maschi­nen).

Nächstes Projekt ist eine "Kloster-Garage"

Aktuell plant der kreative Kopf eine "Kloster-Garage". Einen Bau aus alten roten Backsteinen mit drei Meter hohem Holztor, Innenhof und Kreuzgang. Und Wassertretbecken im Klostergar­ten. "Dort, wo normalerweise die Mönche übernachten würden, ste­hen in diesem Fall meine Autos." Die Pläne sind schon fertig, Bau­beginn soll 2023 sein. Klingt verrückt? Zuzutrauen ist Rolf Hilchner alles. Auch der Bau einer Carthedrale – nur so aus Gaudi.