Porsche 928 Cabrio
Ein großer Designentwurf, auch ohne das typische Rundheck. Die Form des 928 Cabrio wirkt serienreif.
Bild: Goetz von Sternenfels / AUTO BILD
Der Porsche 928 sorgt für Diskussionen, ein Leben lang. Dass er für Komfort und die Abkehr von Heckmotor und Luftkühlung steht, nehmen ihm die Traditionalisten übel. Weil er den 911 beerben soll, macht er sich Feinde, im Unternehmen wie im Kundenkreis. Auch bei Porsche diskutieren sie die Zukunft des 928. Jahr für Jahr, unter immer neuen Einflüssen von außen und wechselnden Vorstandsvorsitzenden. 3,9-Liter-Sparmotor mit Zylinderabschaltung oder High-End-Turboversion? Organspender eines großen Audi oder Einstieg in den Rennsport? Targa-Version oder gleich richtig offen? Aus alledem wird nichts, trotz einer Bauzeit von bald 20 Jahren.Eine der Überlegungen führt zum Prototyp des offenen 928. Die Idee dafür regt sich ernsthaft 1987. Zwar werden schon 1977 Überlegungen über eine Variante mit Targa-Bügel angestellt. das Cabrio ist aber erst zehn Jahre später ein Thema. Es fällt in eine Zeit hektischer Betriebsamkeit, als auf einmal sogar ein 928-Viertürer denkbar scheint. Porsche-Styling übernimmt das Design, ASC im nahen Weinsberg – die American Sunroof Corporation des deutschen Selfmademan Heinz Prechter – darf zwei Studien bauen.

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Porsche-Prototypen der 60er bis 80er
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Nahtloses Verdeck, clevere Integralsitzen und eine aalglatte Form

Peter W. Schutz, damals Porsche-Chef mit Faible für Cabrios, der den offenen 928 anschiebt, und Prechter kennen einander gut. Und beide Car-Guys kennen den lukrativen US-Markt, den natürlichen Lebensraum eines sportlichen V8-Modells mit ordentlich Luft nach oben. Als Basis der 928-Cabrio-Studie dient der neue S4, der erste 928 mit Fünfliter-Vierventil-V8. Nach zehn Monaten steht das 928 Cabrio fertig da, mit nahtlos passendem Verdeck, cleveren Integralsitzen und einer aalglatten Form, die so perfekt aussieht, als sei der 928 immer nur als Cabrio gedacht gewesen. 1991 könnte es für rund 150.000 Mark auf den Markt kommen, heißt es in der Presse, die Journalisten flechten ihm schon Lorbeerkränze. Doch leider bröckeln bei Porsche die Umsätze. Finanzvorstand Heinz Branitzki, der Schutz im Dezember 1987 als Vorstandsvorsitzender ablöst, tritt auf die Kostenbremse: 928 Cabrio und Viertürer erwischt es als Erste. 1991 werden ein letztes Mal die Kosten für ein 928 GTS Cabrio kalkuliert. Es bleibt dabei: Knapp daneben ist auch vorbei.

Was wurde daraus?

Porsche 928 Cabrio
Als das Cabrio-Einzelstück entsteht, ist der 928 S4 das Maß der Dinge. Der Fünfliter-Leichtmetall-Vierventil-V8 leistet drehfreudige 320 PS.
Bild: Goetz von Sternenfels / AUTO BILD
Leider gar nichts. Wer in den 80er- und 90er-Jahren Porsche, Frontmotor UND Cabrio wollte, der musste zum offenen 944 sowie zu dessen Nachfolger 968 greifen. Als die Vier- und Achtzylinder-Transaxle-Typen 1995 ersatzlos ausliefen, blieb Cabrio fahrenden Porsche-Kunden nur der 911 übrig. Ob das 928 Cabrio das Zeug zum Markterfolg gehabt hätte, bleibt Spekulation. Der ähnlich positionierte und ebenfalls mit V8-Motoren liefer-bare Mercedes SL vom Typ R 129 verkaufte sich in 13 Jahren über 200.000-mal. Ein großer offener Porsche blieb Wunschdenken, stattdessen kam 1996 der kleine Boxster.