Wenn von Porsche die Rede ist, denken die meisten sofort an den 911, den 718 oder andere sportliche Ikonen aus Zuffenhausen. Mitte der 1990er-Jahre arbeitete der Hersteller jedoch an einem Fahrzeug, das mit dem klassischen Porsche-Bild kaum etwas gemeinsam hatte. Der Porsche C88 sollte ein günstiges Familienauto für den chinesischen Markt werden. In Serie ging das Modell allerdings nie.

Kaum als Porsche zu erkennen

Der Entwurf für den C88 stammt aus dem Jahr 1994 und entstand im Rahmen einer Ausschreibung der chinesischen Regierung, bei der internationale Hersteller Konzepte für ein erschwingliches Familienfahrzeug entwickeln sollten. Und scheinbar wagte sich Porsche hier aus seiner Komfortzone heraus, denn optisch wirkt der C88 eher wie eine gängige Kompaktlimousine der 1990er-Jahre als ein Fahrzeug aus Stuttgart. Auf typische Porsche-Merkmale wie breite Kotflügel, sportliche Proportionen oder eine markante Front verzichteten die Entwickler komplett.
Porsche C88
Auch im Innenraum würde man den C88 nicht mit Porsche in Verbindung bringen.
Bild: Porsche
Besonders ungewöhnlich: Der Wagen trug nicht einmal ein Porsche-Wappen. Stattdessen erhielt der C88 ein eigenes Logo in Dreiecksform. Die Symbolik dahinter war auf den chinesischen Markt zugeschnitten. Die drei Ecken sollten Vater, Mutter und Kind darstellen und damit Bezug auf die damalige Ein-Kind-Politik des Landes nehmen. Auch der Modellname war bewusst gewählt. Das "C" stand für China, die Zahl 88 gilt dort als Glückssymbol.

TOP-ANGEBOT

Kennzeichnung für einen externen LinkPorsche Cayenne Electric
-7%

Porsche Cayenne Electric

statt 165.500 EUR

154.110 EUR

Carwow Logo

Lahme Krücke statt Sportwagen

Noch deutlicher werden die Unterschiede zu klassischen Porsche-Modellen beim Blick auf die Technik. Statt eines leistungsstarken Boxermotors setzte Porsche auf einen kleinen 1,1-Liter-Vierzylinder-Boxer. Je nach geplanter Version sollten zwischen 48 und 68 PS zur Verfügung stehen. Geschaltet wurde über ein manuelles Fünfgang-Getriebe. Die Höchstgeschwindigkeit lag laut der damaligen Planungen bei rund 160 km/h.
Während Porsche sonst für Fahrdynamik und Performance steht, verfolgte der C88 ein völlig anderes Konzept: Wirtschaftlichkeit, Robustheit und niedrige Betriebskosten hatten höchste Priorität. Selbst ein integrierter Kindersitz gehörte zum Fahrzeugkonzept. Damit sollte der Wagen möglichst gut auf die Bedürfnisse junger Familien zugeschnitten werden.
Porsche C88
Sehen kann man den China-Prototyp im Porsche-Museum.
Bild: Porsche
Auch die Entwicklung verlief ungewöhnlich schnell. Der komplette Entwurf entstand innerhalb von nur vier Monaten, um rechtzeitig für die Präsentation auf der Beijing Motor Show 1994 fertig zu werden.

Ein echtes Einzelstück

Zum Serienstart kam es jedoch nie. Das gesamte chinesische Projekt wurde letztlich eingestellt, sodass der C88 keine Zukunft hatte. Geblieben ist lediglich ein Prototyp, der heute im Porsche-Museum in Stuttgart steht. Dort erinnert er an einen Porsche, den wohl selbst viele eingefleischte Markenfans noch nie gesehen haben und der nicht weiter von der Marken-DNA aus Zuffenhausen entfernt sein könnte.