Lancia Stratos HF Zero

Pro & Kontra: Concept Cars, Studien

Wie abgehoben dürfen Concept Cars sein?

Lieber abheben oder doch am Boden bleiben? Wie abgedreht dürfen Concept Cars sein? Zwei Redakteure diskutieren das Für und Wider!
Im Kampf um die Krone der ausgefallensten Konzepte, der ab Ende der 60er-Jahre zwischen Turins führenden Designstudios Pininfarina, Bertone und Italdesign tobte, legte Pininfarina mit dem Ferrari S Modulo vor. Präsentiert auf dem Genfer Auto-Salon 1970 war er der flachste Zweisitzer der Welt. Bertones Antwort war der noch niedrigere Lancia Stratos HF, später bekannt als Stratos Zero. Fast 20 Jahre später feierte Italdesign sein 20-jähriges Firmenjubiläum mit dem Aztec. Von Giorgetto Giugaro erdacht war der zweisitzige Science-Fiction-Roadster eine wagemutige Weiterentwicklung des Barchetta. Doch wie sinnvoll sind solche radikalen Entwürfe wirklich? Hier diskutieren zwei Redakteure:

Henning Hinze: "Vielleicht muss es vernünftige Autos geben. Aber interessant sind die durchgeknallten"

Henning Hinze hält nichts von Gleichförmigkeit.

©Sven Krieger / AUTO BILD

18 Käufer – mehr fand der Italdesign Aztec nicht. Sollte er vielleicht auch nie, aber nach allen Maßstäben unserer Autowelt ist das immer noch ein totaler Misserfolg, eine Pleite. Aber das Auto war ja auch vom ersten Federstrich an völlig ungeeignet, die Massen zu bewegen oder auch nur einen wesentlichen Beitrag zur Automobil­geschichte zu leisten: Es ist sauteuer und super­unpraktisch. Schon alleine die ge­trennten Fahrgastzelle mit den zwei Kuppeln, die Fahrer und Beifahrer trennen und ihnen die Sonne brutal auf den Scheitel bren­nen lassen.
Das ist genau so sinnlos wie ein versoffener, dreckiger und völlig unsolider Turbinenantrieb in einer Reiselimousine namens Chrysler Turbine, wie ein versoffener, etwas weniger dreckiger und nur anfangs unsolider Kreiskolbenmotor in der Reise­limousine NSU Ro 80, wie ein aerodynamisch aus­gefeiltes Langstreckenfahrzeug ohne Kofferraum namens Rumpler Tropfenwagen, wie ein Van mit einem Entenschnabel anstelle einer dritten Sitzreihe wie beim Multipla Fiat. Alles Flops, völlig sinnlose Irrwege, bei denen die Erbauer nur ein paar längst geschriebene Regeln hätten beherzigen müssen, um ein besseres Auto zu bauen. Hätte man sich sparen sollen! Nein, das hätte man nicht! Wie öde wäre das denn? Wer immer hinterher alles besser weiß, wird nichts Neues entdecken und andere nicht inspirieren. Mut und Quartals-­Irrsinn führen vielleicht nicht zu den besten Autos, aber zu den – im Wortsinne – aufregendsten. Ich ziehe einen Ro 80 jedem zeitgenössischen BMW vor. Und sogar einen Multipla Fiat jeder 126er S-­Klasse. Das ist mein voller Ernst! So. Und jetzt steinigen Sie mich.
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Michael Struve: "Showcars sind nette Farbtupfer, aber am Ende fast alle ein Muster ohne Wert"

Michael Struve kann auf übertriebene Designspielereien verzichten.

©Kersten Weichbrodt

Exotische Klassiker, die mit abgehobenen Design die Blicke auf sich ziehen, sollten damals zeigen, was optisch und technisch machbar war. Jedenfalls in der Theorie. Wahre Alltagstauglichkeit ging diesen Effekthaschern in der Regel komplett ab. Sie waren fast immer naive Zukunftsvisionen, die Entwick­lungen im besten Fall andeuteten. Geile Optik, gern mit Flügeltüren oder anderen abenteuer­lichen Klappmechanismen für Türen und Hauben, dazu etwas knalliger Lack – das reichte völlig. Sie sollten nur im Mittel­punkt stehen. Mit Betonung auf "stehen", denn fahren konnten sie fast nie. Ich muss zugeben, diese Showcars mit so klangvollen Namen wie Italdesign Aztec, BMW Spicup oder Chevrolet Corvette Testudo Concept sind das Salz in der Suppe großer Veranstaltungen. Schon weil sie selten ausgestellt werden, sollte man sie gesehen haben. Aber mindestens genauso gerne schaue ich mir in Großserie produzierte Brot-­und-­Butter-­Autos an – und zwar gerade die erfolgreichen, die durchdachten und die praktischen. Den jeweiligen Zeitgeist zu treffen, den Kunden zu gefallen und dabei ebenso unverwechselbar wie alltagstauglich sein – das gelingt durch Disziplin statt durch Spielerei und Selbstverliebtheit. Der alte Design­-Leitsatz "Form follows function" ist pure Wahrheit. Wer Alltagsklassiker langweilig fin­det, muss nur mal etwas genau­er hinschauen. Die schlich­te Schönheit eines Opel Kadett C hat ihren Reiz. Total spannend finde ich, die Details des VW Käfer aus verschiedenen Epo­chen zu vergleichen. Fords Mut, die Badewan­ne zu bauen – unglaublich. Von daher kann ich auf die abgehobenen Showcars verzich­ten. Am Ende sind sie ein Muster ohne Wert. Die wahren Helden des Autodesigns sind die bodenständigen Alltagsautos.

Fotos: Werk

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