Audi Sport quattro S1, Lancia Delta S4, Subaru Impreza WRC, Opel Manta 400
Rallye-Legenden zum Anfassen

Audi Sport quattro S1, Lancia Delta S4, Subaru Impreza WRC, Opel Manta B 400 Gruppe B und mehr: Eine Ausstellung bringt sie jetzt alle zusammen!
Bild: Nationales Automuseum
Nach diesen Autos lecken Rallye-Fans sich alle Finger. Schon sie hier online zu sehen und durch die Fotos zu scrollen, ist ein Genuss. Wer ganz viel Glück hat, entdeckt eines dieser Autos mal auf einem Treffen und kann es aus der Nähe sehen.
Nationales Automuseum stellt Rallye-Autos aus
Am 28. März 2026 aber wird ein Traum für Rallye-Enthusiasten wahr: Das Nationale Automuseum zeigt 35 Rallye-Autos gleichzeitig in einer Sonderausstellung! "Rallye-Legenden – Zeitreise auf Asphalt, Schotter und Schnee" heißt die Sonderschau. Endlich können Autoverrückte ihre bereiften Helden in Ruhe betrachten, Details entdecken und die Autos vergleichen.
Den Nachteil verraten wir auch gleich: Das Museum steht in Dietzhölztal-Ewersbach. Also zentral an der Grenze von Hessen zu NRW, aber weit von großen Bahnhöfen entfernt, von Norden und Osten aus auch weit von Autobahnen. Andererseits sollte man das Museum ohnehin gesehen haben.
Warum werden diese Autos von Fans so vergöttert? Sehen wir sie uns mal näher an.
Walter Röhrls Audi Sport quattro S1 E2 mit Automatik
Mit Automatik?! Ein Rallye-Auto der Gruppe B? Ja, tatsächlich: Schon in den 80er-Jahren entwickelte Porsche das Doppelkupplungsgetriebe, das – deutlich weiterentwickelt – erst 2008 im Porsche 911 in Serie ging.

er ultrakurze Radstand und die enorm breiten Kotflügel verleihen dem Audi Sport quattro S1 E2 extreme Proportionen. Abtrieb bringen der Heckflügel, …
Bild: Nationales Automuseum
Wie das DSG von VW ist es im Prinzip ein Schaltgetriebe, das automatisiert die Gänge wechseln kann; während die eine Kupplung zum Beispiel den zweiten Gang auskuppelt, wird über die andere Kupplung schon der dritte Gang eingelegt. So kann das Getriebe blitzschnell schalten, ohne dass die Zugkraft unterbrochen wird. Ein messbarer Vorteil beim Beschleunigen.
In diesem Audi Sport quattro S1 E2 steckt das erste PDK seiner Art, ein frühes Nass-Trocken-Doppelkupplungsgetriebe ohne Schwungscheibe. Porsche hatte 1984 den Entwicklungsauftrag bekommen, das damals völlig neue Doppelkupplungsgetriebe PDK an den S1 E2 anzupassen.
Piëch schenkte Röhrl dieses Sport-quattro-Einzelstück
Aber das Exemplar hier ist nicht nur so speziell, weil es sich kurios anhört, eine Rallye mit DSG zu fahren. Sondern weil es von den ohnehin nur 20 Exemplaren des Audi Sport quattro S1 E2 das einzige ist, das dieses PDK-Getriebe und einen Alu-Motor hat und noch existiert. Und weil es 1993 persönliches Geschenk von Ferdinand Piëch an Walter Röhrl war.

… der Frontspoiler und die Form der vorderen Kotflügel.
Bild: Nationales Automuseum
War das Piëchs Art, sich für eine Fehlentscheidung zu entschuldigen? In der Rallye-Gruppe B rückte 1983 die Mittelmotor-Konkurrenz (unter anderem Lancia) dem Audi-Team mit dem Frontmotor-quattro auf die Pelle. Ferdinand Piëch verfügte, den Rallye-quattro zu einer Variante mit kurzem Radstand weiterzuentwickeln, damit er in Kurven agiler ist.
Aber der 32 Zentimeter kürzere Audi Sport quattro (Typ 859) ging ähnlich störrisch um die Ecken wie der lange. Was "der Lange" (Spitzname von Walter Röhrl) auch deutlich und undiplomatisch kritisierte.
Mehr über den S1 E2 und wie sich ein Ritt in Roland Gumperts Nachbau anfühlt, berichten wir hier: Mitfahrt im neu gebauten Audi Sport quattro S1 E2.
Technische Daten Audi Sport quattro S1 E2 PDK
Motor: Fünfzylinder-Reihenmotor, Turbolader, vorn längs
Hubraum: 2110 cm3
Leistung: 530 PS
Leergewicht: 1170 kg
Antrieb: Porsche-Doppelkupplungsgetriebe, permanenter Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: mit aktueller Übersetzung 227 km/h
Baujahr: 1986
Stückzahl: 20 Audi Sport quattro S1 E2
Hubraum: 2110 cm3
Leistung: 530 PS
Leergewicht: 1170 kg
Antrieb: Porsche-Doppelkupplungsgetriebe, permanenter Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: mit aktueller Übersetzung 227 km/h
Baujahr: 1986
Stückzahl: 20 Audi Sport quattro S1 E2
Petter Solbergs Subaru Impreza WRC vom Wahnsinnsrennen 2004
Die Rallye Acropolis im Juni 2004 ging als eine der spektakulärsten Läufe in die Geschichte der World Rally Championship WRC ein. Sébastien Loeb hatte im Citroën Xsara WRC früh drei Siege eingefahren – Konkurrent Petter Solberg auf Subaru konnte ihn nicht einholen.

Unterm britischen Nummernschild klebt dezent der Name Prodrive. Diese Firma baute damals die Rallyeautos mit auf; 2022 stellte sie den P25 vor, den dreitüreigen Impreza mit aktueller Rallyetechnik und 450 PS für 460.000 Pfund.
Bild: Nationales Automuseum
Auch in Griechenland bei der Rallye Acropolis legte Loeb zunächst stark vor. Dann aber peitschte Solberg den Subaru Impreza WRC dermaßen durch die Landschaft, dass er fünf Bestzeiten hintereinander fuhr! Schon am Ende des ersten Tages hatte er eine Minute Vorsprung auf Sébastien Loeb.
"Ein Bremsproblem kostete jedoch wertvolle Zeit", schreibt das Nationale Automuseum, "und am dritten Tag wurde Solberg wegen fehlender Schmutzfänger – ein Versäumnis beim Stoßstangentausch – mit einer 30-Sekunden-Strafe belegt."
Dennoch: Solberg und sein Copilot Phil Mills blieben hart auf der Ideallinie und besiegten Loeb.
Und genau das Auto, in dem die beiden so kämpften, wird in der Ausstellung zu sehen sein.

Der Aufkleber von der Akropolis-Rallye 2004 ist noch dran am Subaru Impreza WRC der Baureihe GD C–E. Die Kotflügelverbreiterungen sind vergleichsweise zivil.
Bild: Nationales Automuseum
Wie es sich anfühlt, neben Solberg im rasenden WRC zu sitzen, erfahren Sie hier: Mitfahrt bei Petter Solberg im Subaru Impreza WRC.
Technische Daten Subaru Impreza S10 WRC
Motor: Vierzylinder-Boxermotor, Turbolader, vorn längs
Hubraum: 1994 cm3
Leistung: 315 PS
Leergewicht: 1230 kg
Antrieb: sequenzielles Sechsganggetriebe, Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: mit aktueller Übersetzung 225 km/h
Baujahr: 2004
Stückzahl: 11 Subaru Impreza S10 WRC für die Rallye-Saison 2004
Hubraum: 1994 cm3
Leistung: 315 PS
Leergewicht: 1230 kg
Antrieb: sequenzielles Sechsganggetriebe, Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: mit aktueller Übersetzung 225 km/h
Baujahr: 2004
Stückzahl: 11 Subaru Impreza S10 WRC für die Rallye-Saison 2004
Henri Toivonens Lancia Delta S4 von der Rallye Monte Carlo
Zurück zur Gruppe B: Bei der Rallye Monte Carlo 1986 legten Henri Toivonen und sein neuer Copilot Sergio Cresto mächtig vor und ließen alle weit hinter sich – dann aber krachten sie in ein ziviles Auto. Mit dem krummen Lancia, gebrochener Aufhängung und zerstörter Front fahren sie weiter. Immer wieder reparierte das Service-Team den Lancia Delta S4 in aller Eile notdürftig. Mit dieser rasenden Baustelle kämpfte Henri Toivonen sich auf Platz 1 zurück! 20 Jahre nach dem Monte-Sieg seines Vaters Pauli Toivonen auf Citroën DS 21 gewann Henri Toivonen die Rallye Monte Carlo 1986.

Mit einem Lancia Delta hat der Lancia Delta S4 kaum ein Teil gemein. Drei Lüftungsklappen hat er im Dach, an den C-Säulen Lufteinlässe wie Bremsfallschirme.
Bild: Nationales Automuseum
Das Nationale Automuseum zeigt eben dieses Exemplar mit der Fahrgestellnummer 215.
Wenn Sie sich fragen, warum dieses Auto so ganz anders aussieht als ein Lancia Delta Integrale: Dieses reinrassige Rallyeauto hat mit dem Delta fast nichts mehr zu tun. Mittelmotor, 1,8 Liter, Kompressor und Turbolader, Straßenversion 250 bis über 300 PS, Gruppe-B-Rallyeauto 480 bis etwa 650 PS!
Das Gruppe-B-Reglement schrieb vor, dass nur Autos teilnehmen durften, von denen auch 200 Stück mit Straßenzulassung gebaut wurden (Homologation).
Aber: Dass Lancia wirklich alle 200 baute, mag sein. Laut manchen Quellen konnte Lancia nur 71 Stück verkaufen, den Rest sollen sie bestenfalls wieder zerlegt haben. So ganz genau dokumentiert scheint das nicht zu sein – klar ist jedenfalls, dass ein Delta S4 ganz schön selten ist.

Bild: Nationales Automuseum
Historisch bedeutsam ist der S4 auch deshalb: Am 2. Mai 1986 starben Henri Toivonen (29) und sein Copilot Sergio Cresto in einem S4 auf der Rallye Korsika. Im selben Jahr erklärte die FISA wegen der vielen Unfälle das Ende der Gruppe B.
Technische Daten Lancia Delta S4 Gruppe B
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor, Turbolader und Kompressor, Mitte längs
Hubraum: 1759 cm3
Leistung: 490 PS
Leergewicht: 890 kg
Antrieb: Schaltgetriebe, permanenter Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: mit aktueller Übersetzung 205 km/h
Baujahr: 1986
Stückzahl: 36 Lancia Delta S4-Rennwagen, davon 20 Exemplare für das Werksteam "Martini Racing"
Hubraum: 1759 cm3
Leistung: 490 PS
Leergewicht: 890 kg
Antrieb: Schaltgetriebe, permanenter Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: mit aktueller Übersetzung 205 km/h
Baujahr: 1986
Stückzahl: 36 Lancia Delta S4-Rennwagen, davon 20 Exemplare für das Werksteam "Martini Racing"
Guy Frequelins Opel Manta 400 Gruppe B, leicht wie Papier
Ja, Sie haben eben richtig gelesen: Der Lancia Delta S4 wiegt nur 890 Kilogramm. Selbst für ein Auto, das fast wie ein Prototyp nur für den Rallyesport entwickelt wurde, ist das extrem wenig.
Hier aber kommt ein Opel Manta B – entwickelt als Styling-Variante der braven Familienlimousine Opel Ascona B, ohne Augenmerk auf besonderen Leichtbau. Und dieser wildgewordene Vorstadt-Opel wiegt genauso wenig wie der Lancia! Ebenfalls nur 890 Kilo. Wie ist das möglich?

Bild: Nationales Automuseum
Im Gegensatz zum Ascona 400 besteht die Karosserie des Opel Manta 400 "Lightweight" großenteils aus Kevlar. Frontpartie, Kotflügel, Motorhaube, Türen, hintere Radläufe, Heckklappe, Spoiler und sogar die Scheinwerferhalterungen sind aus diesem leichten Material gefertigt, berichtet RM Sotheby's. Wobei das nur 80 kg einsparte – auch dünne Scheiben und Einsparungen an der Technik machten den Manta B zu so einem Leichtgewicht.
Um die Gewichtsverteilung zu optimieren, wurde der Cosworth-Motor mit Weber-Vergasern um sechs Zentimeter nach hinten versetzt.
Autotecnica Conrero (alias Studio Futuro), bekannt für das Tuning von Alfa Romeo und Lancia in den 1950er- und 1960er-Jahren, bereitete diesen Opel Manta 400 für die Gruppe-B-Rallye vor.
Der Franzose Guy Fréquelin fuhr diesen Manta (Fahrgestellnummer RM 38) 1984 und 1985 für das Opel-Euro-Team als Werkswagen in internationalen Rallyes.

Bild: Nationales Automuseum
Hier schildern wir, wie sich Walter Röhrls Opel Ascona 400 fährt: Fahrbericht Opel Ascona 400 mit Video.
Technische Daten Opel Manta 400 Gruppe B Lightweight
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor vorn längs
Hubraum: 2420 cm3
Leistung: 275 PS
Leergewicht: 890 kg
Antrieb: Fünfgang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: mit aktueller Übersetzung 225 km/h
Baujahr: 1984
Stückzahl: 38 Opel Manta 400 Gruppe B, 10 davon mit Leichtbau-Karosserie
Hubraum: 2420 cm3
Leistung: 275 PS
Leergewicht: 890 kg
Antrieb: Fünfgang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: mit aktueller Übersetzung 225 km/h
Baujahr: 1984
Stückzahl: 38 Opel Manta 400 Gruppe B, 10 davon mit Leichtbau-Karosserie
Mercedes 300 SE "Rennflosse" von Barfuß-Bleifuß Heide Utz
Eine Profi-Rallyefahrerin in den 60er-Jahren: Ja, das war ungewöhnlich. Aber nicht das Ungewöhnlichste: Heide Utz hatte laut dem Nationalen Automuseum die Marotte, barfuß zu fahren!
Und zwar diesen Mercedes 300 SE, Baureihe W 112, Spitzname "Große Heckflosse". Einen Vorgänger der Mercedes S-Klasse.

Bild: Nationales Automuseum
"Leider kam der große Mercedes in der hier ausgestellten, heißgemachten Version im offiziellen Werksrennsport nie zum Einsatz", schreibt das Nationale Automuseum. "Er war zuvor bereits in den Jahren 1963 und 1964 äußerst erfolgreich gewesen. Nun wurde er gerade für neue Einsätze in der Saison 1965 weiter optimiert, als in letzter Sekunde die Mercedes-Konzernleitung entschied, dass man sich komplett aus dem Motorsport zurückziehen würde."

Bild: Nationales Automuseum
Heide Utz blieb dem Motorsport aber treu: Sie ging mit dem Mercedes 300 SE Heckflosse regelmäßig bei Rallyes an den Start und gewann 1967 die Damenwertung bei der Rallye Monte Carlo.
Von den sechs Exemplaren, die die Mercedes-Rennabteilung von diesen "Rennflossen" baute, soll nur dieses eine überlebt haben.
Technische Daten Mercedes 300 SE (W 112) "Rennflosse"
Motor: Sechszylinder-Reihenmotor vorn längs
Hubraum: 2996 cm3
Leistung: 190 oder 195 PS
Leergewicht: 1450 kg
Antrieb: Viergang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Baujahr: 1965
Stückzahl: 6 Mercedes 300 SE-Rennwagen 1965
Hubraum: 2996 cm3
Leistung: 190 oder 195 PS
Leergewicht: 1450 kg
Antrieb: Viergang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Baujahr: 1965
Stückzahl: 6 Mercedes 300 SE-Rennwagen 1965
Neben dem Audi Sport quattro S1 E2, dem Subaru Impreza S10 WRC, dem Lancia Delta S4, dem Opel Manta 400 Gruppe B Lightweight und der "Rennflosse" Mercedes 300 SE (W 112) präsentiert das Nationale Automuseum weitere 30 Rallyeautos, vom Vorkriegs-Bentley bis zum VW Polo Monte-Sieger von 2016.
Nationales Automuseum: Anfahrt, Öffnungszeiten, Ticketpreise
Die Adresse des Nationalen Automuseums: Museumsstraße 1, 35716 Dietzhölztal-Ewersbach.
Obacht: Das Museum ist nicht nur montags, sondern auch dienstags geschlossen. Mittwochs bis freitags ist es jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet, an Wochenenden von 10:30 Uhr bis 18 Uhr. Restaurant und Diner sind mittwochs bis sonntags bis jeweils 22 Uhr offen.
Eintrittskarten für die Sonderschau gibt es auf nationalesautomuseum.de für 11 Euro, ermäßigt 8 Euro; allen, die noch nicht dort waren, empfehlen wir aber das Kombiticket für 28 Euro (ermäßigt 20 Euro). Viel Geld, aber die Dauerausstellung ist noch spektakulärer.
Die Sonderausstellung "Rallye-Legenden – Zeitreise auf Asphalt, Schotter und Schnee" soll bis März 2027 laufen.
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