Kaum schreiben wir von AUTO BILD mal über einen Skoda Eltra, die elektrische Variante des Skoda Favorit (hier der Artikel) – zack, schon taucht der nächste auf!
Thilo Elsner aus Bochum besitzt dieses weinrote Exemplar. Elsner ist ein Exemplar eines Oldtimer-Fans, der sich inzwischen auch für Elektromobilität begeistern kann.
Batterien / Akkus unter der Motorhaube des Skoda Eltra
2022 ersetzte der Eigentümer die 14 originalen Akkus des Skoda Eltra durch 14 Blei-Gel-Akkus.
Bild: Thilo Elsner

Warum der Vorbesitzer entnervt aufgab

Der Vorbesitzer am Niederrhein hatte da offenbar so seine Schwierigkeiten. "Mit dem damaligen Ladegerät in Reihenschaltung kocht Ihnen eine Batterie weg, bevor die andere voll ist", erzählt Thilo Elsner im Gespräch mit AUTO BILD. So war das Fahrzeug schon nach ca. 2000 Kilometern ein Stehzeug. Kein Wunder, dass der Erstbesitzer den Elektro-Skoda loswerden wollte.

Neue Akkus und neue Ladetechnik retteten den Skoda

Elsner kaufte den Skoda Eltra ohne Batterien und fuchste sich in die Technik ein. Er macht eine Elektroauto-Szene in Bochum ausfindig, die an der Hochschule auch Solar-Rallyes veranstaltete. "Mit der Truppe habe ich mich angefreundet."
Ladekabel und Gerät im Kofferraum des Skoda Eltra
Der Besitzer tauschte die Ladetechnik, um Schäden an den Akkus zu verhindern.
Bild: Thilo Elsner
Elsner fand eine Lösung für das Lade-Problem und baute 15 Akkus à 6 Volt ein – Blei-Gel-Traktionsbatterien von Sonnenschein, "wie im Golf-Caddy oder im Gabelstapler. Ich kann jede Batterie einzeln überwachen." Seit gut drei Jahren scheint das zu funktionieren. "Rekuperation kann er auch", also beim Verzögern die Akkus nachladen.
Skoda Eltra auf Basis des Skoda Favorit stehend von schräg hinten
Den Skoda Eltra gab es als fünftürige Limousine und als Pick-up, ebenfalls auf Basis des Skoda Favorit. Die Startnummern an Thilo Elsners Exemplar stammen noch von einer (kurzen) Rallye.
Bild: Thilo Elsner

E-Auto der frühen Jahre: 60 Kilometer Reichweite

Und die Reichweite? Ausgereizt hat Thilo Elsner sie noch nicht. Skoda selbst gab 60 bis 80 Kilometer an. "60 Kilometer sind realistisch", sagt er, "aber so weit fahre ich damit nie." Dabei fährt er den Skoda Eltra "als innerstädtisches Auto im Alltag". Dennoch hat er laut Elsner noch keine 9000 Kilometer runter. "Meine Kinder nennen es Biene-Maja-Auto wegen des Sounds."
Cockpit des Skoda Eltra mit großem Zusatzdisplay, das 14 digitale Anzeigen hat
Im Cockpit: volle Kontrolle über alle 14 Akkus.
Bild: Thilo Elsner
Kurioser Effekt: "Wenn Sie mit einem Auto von 1991 und E-Kennzeichen rumfahren, gucken viele Leute verwundert." Warum hat er nicht gleich Lithium-Ionen-Akkus eingebaut? "Ich war froh, dass das so geklappt hat."

Dieser Elektro-Skoda hat keine Heizung

Nun trennt er sich aber von seinem elektrifizierten Skoda: "Ich habe einen Opel Rocks-e, der ist besser zum Parken. Deshalb geht der Eltra weg." Er habe drei Dellen vom Einlagern, sei aber rostfrei, weil er nie auf Salz gefahren wurde. Kunststück – dieser Skoda Eltra hat keine Heizung, schon deshalb meidet man Fahrten bei Eis und Schnee.
Um also die Frage in der Überschrift zu beantworten: Für kurze Strecken in der Stadt bei mildem Wetter ist der 80 km/h langsame Elektro-Favorit tatsächlich alltagstauglich. Für den Winter müsste man eine Heizung nachrüsten, größere Entfernungen schafft der Eltra nicht am Stück.
Warnschild: "Versuchswagen – Vorsicht – Elektro-Antrieb" auf der Heckscheibe des Skoda Eltra
Vorsicht, Spaßvogel! Der Aufkleber auf der Heckscheibe ist nicht bierernst gemeint.
Bild: Thilo Elsner
Mehr über die seltsamen Details dieses Elektroautos mit Schaltgetriebe und seine verrückte Geschichte lesen Sie hier.

So kam der Eltra-Besitzer auf Oldtimer

Verbrennungsmotoren sind für Thilo Elsner ebenfalls kein Teufelszeug: "Ich fahre auch einen Mercedes 250 D im Alltag, mit dem fahre ich auch Tempo 160 auf der Autobahn."
Oldtimer spielen ohnehin eine große Rolle in Elsners Leben: "Meine Eltern waren Jahrgang 1930 und 1932, ich hörte immer die Geschichten, welche Vorkriegswagen man weggeschmissen hat, weil man nicht glaubte, dass die mal was wert werden."
Also fing der Wessi 1990 an, Ost-Fahrzeuge zu sammeln – "ich dachte, die werden mal selten". Im April 1990 kaufte er seinen ersten Trabant.
Beim Stöbern in Oldtimer-Inseraten kam er an einen Skoda Eltra Pick-up, den es auch als Rechtslenker unter dem Namen Skoda Elmo gab – und an diesen Skoda Eltra.
Sportsitze im Skoda Eltra
Der Skoda Favorit, ein vernünftiger Kompaktwagen, mit einem Elektroantrieb der langsamen Sorte – da überrascht es, hier Sportsitze zu entdecken.
Bild: Thilo Elsner
In den sozialen Medien pöbeln Verbrenner-Fans gegen Elektroautos und Elektro-Fans gegen Verbrenner – in Wirklichkeit gibt es viele Menschen, deren Leidenschaft fürs Auto verschiedene Antriebskonzepte zulässt.