Was stimmt nicht mit diesem Auto? Audi RS4 steht dran – aber das ist doch ein Audi 100! Audi-Modelle namens RS4 (bzw. RS 4) basieren doch eigentlich auf der kleineren Baureihe A4 – seit 1999 in der Audi-Baureihe B5.
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Die Auflösung haben wir oben schon zum Teil verraten: Dieses RS4-Einzelstück ist eine interne Studie aus den frühen 1990er-Jahren, die Audi lange geheim hielt.

Wie der letzte Audi 100 richtig Power bekam

Basis war der Audi 100 der letzten Baureihe C4, die mit dem Facelift im Sommer 1994 zum ersten Audi A6 wurde. Der Audi 100 ist zu erkennen an den fast rechteckigen Scheinwerfern und den senkrecht unterteilten Heckleuchten. Nach den Werksferien wurde der C4 unter dem Namen Audi A6 verkauft, mit schräg angeschnittenen Scheinwerfern und Heckleuchten.
Studiofoto der Studie Audi RS4 (C4) von der Seite
Was auf den ersten Blick aussieht wie ein ganz normaler Audi 100, erkennen Audi-Experten wegen der dezent ausgestellten Radläufe vorn als Sportvariante S4. Dafür sprechen auch die weißen Blinker vorn und die Tieferlegung. Aber hier steckt mehr drin.
Bild: Audi
Topmodell der Audi-100-Baureihe wurde im Sommer 1991 ja der Audi S4 (klingt ebenfalls nach A4, aber den gab's ja auch erst von 1994 an): zunächst mit Fünfzylinder-Vierventil-Turbo und 230 PS. Schon ein Jahr später, im Sommer 1992, bot Audi parallel dazu einen zweiten S4 an: mit 4,2-Liter-V8, 280 PS stark, von null auf hundert in 6,2 Sekunden, 249 km/h Spitze. Seitdem unterschied man zwischen dem Audi S4 2.2 20V und dem Audi S4 4.2. Der Fünfzylinder verkaufte sich um ein Vielfaches besser als der V8.
Studiofoto der Studie Audi RS4 (C4) schräg von hinten
Die Designer hatten RS4-Logos entworfen und am Heck und im Kühlergrill der Studie angebracht – von außen ist die extrascharfe Variante nur daran zu erkennen.
Bild: Audi

Die geheime Studie Audi RS4: außen dezent ...,

Diese Fotos beweisen: Audi überlegte, noch ein extrasportliches Modell obendrauf zu setzen. Es wäre ein echter Sleeper geworden: kleines Logo im Kühlergrill wie beim S4 (plus "R"), vorn dezent ausgestellte Radläufe wie beim S4, dicke Räder, Tieferlegung, Doppel-Endrohr. Ansonsten sah er fast so harmlos aus wie ein 1.8er.
Studiofoto der Studie Audi RS4 (C4) gerade von hinten
Eine rote Blende verbindet die Heckleuchten wie beim S4. Die runden Doppel-Endrohre wie beim Audi S4 und die breiten Reifen hat der Fotograf mit guter Beleuchtung dezent herausgearbeitet.
Bild: Audi
Funfact zu den Scheinwerfern: Normalerweise hatte der Audi 100 separate Nebelleuchten unterm Stoßfänger; schon der S4 brauchte da unten aber Kühlluft für seinen Ölkühler, da wären Nebelscheinwerfer im Weg gewesen.
RS4--Logo im Kühlergrill der Studie Audi RS4 (C4)
Wie der S4 hat auch der RS4 Ellipsoid-Scheinwerfer und weiße Blinkergläser. Nur das RS4-Logo macht vorn den Unterschied.
Bild: Audi
Also ließ Audi Scheinwerfer entwickeln – mit kompakten Ellipsoid-Linsen für Fahr- und Fernlicht und integriertem Nebellicht. Den S4 V8 gab es – erstmals bei einem Audi – für 1400 Mark Aufpreis mit Xenon-Scheinwerfern, die Option hätte Audi bestimmt auch für den RS4 angeboten.

... innen voller Statussymbole

Innen macht der Sport-100er deutlich mehr her als außen: Sportsitze mit hohen Wangen in blauem Leder, Nardi-Sportlenkrad ebenfalls mit blauem Leder, silberne Ziffernblätter, Bordcomputer, Carbon-Dekoleisten, gelochte Pedale, Metall-Schaltknauf und Bose-Kassettenradio.
Vordersitze der Studie Audi RS4 auf Basis des Audi 100 C4 von der offenen Beifahrertür aus
Das vielleicht auffälligste Detail am RS4 sind die stark konturierten Sportsitze. Vorn am Armaturenträger ist die Carbon-Zierleiste gut zu erkennen.
Bild: Audi
Eine Plakette zwischen den Vordersitzen verweist stolz auf Procon-ten, das System aus Drahtseilen und Umlenkrollen, das bei einem Frontalaufprall das Lenkrad vom Fahrer wegzieht. Das verringerte die Verletzungsgefahr, zumal die Audi-Modelle erst später Airbags bekamen.
Cockpit der Studie Audi RS4 (C4)
Nicht nur die Sitze, auch die Speichen des Nardi-Dreispeichenlenkrads sind blau bezogen. Dazu passen die blauen Keder der Fußmatten.
Bild: Audi

Immer noch geheim: der Motor des RS4

Details zum Motor und zur Leistung haben wir noch nicht herausgefunden. Aus dem 4,2-Liter-V8 hätte Audi mit Leichtigkeit mehr Power herausholen können als die 280 PS im Audi S4. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung war, dass Kunden rund um die Welt – vor allem in den USA – mit einem V8 so viel Prestige verbanden, dass sie gern viel Geld dafür ausgaben.
Lenkrad und Instrumente (Tacho, Drehzahlmesser) der Studie Audi RS4 (C4)
Weiße oder silberne Zifferblätter waren Anfang der 90er-Jahre bei Topmodellen nahezu Standard. Bordcomputer, Tacho bis 280 km/h. Beim Zurückdrehen des Kilometerzählers hat es jemand zu gut gemeint.
Bild: Audi
Aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Audi seinen traditionellen Reihenfünfzylinder-Turbo mit viel Ladedruck auf die gewünschte Leistung gepusht hätte. Jedenfalls waren bestimmt mehr als 300 PS vorgesehen, um einen geldwerten Abstand zum 280 PS starken Audi S4 herzustellen.
Schalthebel und Mittelkonsole der Studie Audi RS4 (C4)
Ein Schaltknauf aus Metall liegt beim Start schön kühl in der Hand. Die Studie hat Sitzheizung, ABS, elektrische Spiegel, Bose-Kassettenradio und Sperrdifferenzial. Einen Schalter für eine Klimaanlage sehen wir aber nicht.
Bild: Audi

Was wurde aus dem Über-Audi-100?

Aus dem S4 wurde der Audi S6, im Prinzip nur ein Facelift mit neuem Namen und zehn PS mehr. Statt eines RS kam anderthalb Jahre später der S6 Plus: immer noch 4,2 Liter, aber 326 PS bei 6500 Umdrehungen, dazu Sechsgang-Schaltgetriebe – das erste Modell, das die Quattro GmbH entwickelt hatte.
Studie Audi RS4 (C4) von vorn
Auf den quattro-Schriftzug haben die Designer verzichtet. Fans von DIN-Kennzeichen bekommen bei diesen Bildern feuchte Augen.
Bild: Audi
War der Umstand, dass die Quattro GmbH an einem Power-A6 arbeitete, der Sargnagel für den RS4 in dieser Form? Oder war der RS4 intern sogar der direkte Vorläufer des Audi S6 Plus? Die Antwort schlummert noch in den geheimen Akten des Audi-Archivs.