Traumreise im VW Käfer
Maria fuhr 20.000 km durch Amerika

Schauspielerin Maria Ehrich kaufte einen der letzten gebauten VW Käfer gebraucht in Mexiko. Und reiste mit ihm und Freund Manuel bis Neufundland.
Bild: Manuel Vering
Der Käfer läuft und läuft und ... verdammt, was ist jetzt? Auf einmal bleibt er stehen, der VW Käfer Última Edición, auf einer Buckelpiste irgendwo in Nordamerika. Und sagt keinen Papp mehr. Nicht einmal der Blinker geht noch.
Maria und Manuel aus Deutschland sehen sich ratlos an. Und nun?
"Wir haben lange gesucht, bis wir den Fehler fanden", sagt Manuel. Aber dann: Warte mal, der Blinker geht nicht… dann kriegt er keinen Strom. Vielleicht die Batterie? Die beiden laden alles aus, was auf den Rücksitzen liegt, heben die Bank hoch und – bingo: Bei dem Gerüttel hat sich einfach die Batterieklemme losgeschüttelt. Dafür kann der Käfer nichts. Draufstecken, gut festschrauben, weiterfahren.
Das war die einzige Panne, die die Schauspielerin aus Deutschland und ihr Liebster auf 20.000 Kilometern mit ihrem Mexiko-Käfer hatten. Na gut, eine Panne gab's noch – erzählen wir unten.

Maria Ehrich und Manuel Vering irgendwo in Kanada. Sie reisten in diesem VW Käfer Última Edición und schliefen im Dachzelt.
Bild: Manuel Vering
Maria Ehrichs Roadtrip: Die Fakten in Kürze
Die Fragen | Die Fakten |
|---|---|
Wer ist Maria Ehrich? | Maria Ehrich ist eine deutsche Schauspielerin, geboren 1993 in Erfurt. Bekannt wurde sie unter anderem durch "Das Adlon", die "Ku'damm"-Reihe und die "Edelstein"-Filme. |
Welche Reise machte Maria Ehrich im VW Käfer? | Maria Ehrich und Manuel Vering fuhren Anfang 2018 mit einem alten VW Käfer rund 20.000 Kilometer durch Nordamerika – von Mexiko bis nach Neufundland. |
Was war das für ein VW Käfer? | Es war ein VW Käfer Última Edición aus Mexiko, Baujahr 2003. Von dieser Abschiedsserie wurden 3000 Exemplare gebaut. |
Warum hieß der Käfer "Heidi"? | Maria Ehrich und Manuel Vering gaben ihrem Käfer auf der Reise den Spitznamen "Heidi". |
Wo schliefen Maria Ehrich und Manuel Vering unterwegs? | Sie nutzten ein Dachzelt auf dem VW Käfer und übernachteten oft in der Natur oder auf Campingplätzen. |
Gibt es einen Film über die Reise? | Ja. Der Dokumentarfilm heißt "Leaving the Frame – Eine Weltreise ohne Drehbuch" und erschien 2019. |
Warum Maria Ehrich auf Weltreise ging
Im Grunde war sie bis dahin nie groß rumgekommen in der Welt. Maria Ehrich, geboren 1993 in Erfurt, steht seit ihrem zehnten Lebensjahr vor der Kamera. "Ku'damm 56", "Das Adlon", "Chantal im Märchenland", "Ku'damm 77".
Und dann war da irgendwann diese Sehnsucht. Nach einer Auszeit, nach dem großen Abenteuer. Sie war 24. Und dann war da ihr Freund. Manuel Vering, damals 28 Jahre alt, Filmemacher, Weltenbummler und ein bisschen autoverrückt.
An eine Reise im Käfer dachten sie noch nicht. Hauptsache raus. "Ich habe mit zehn mit dem Schauspielen angefangen", sagt Maria Ehrich, "ich kannte immer nur den Satz: Du musst. Ich war unsicher: Wer bin ich? Was will ich?" Zu Manuel, inzwischen ihrem Ehemann, sagt sie: "Du wolltest auch aus deinem Hamsterrad raus."
Sie selbst fragte sich: "Was bedeutet Freiheit? Wir wussten das gar nicht. Was wollen wir noch vom Leben? Ich hab's Quarterlife-Crisis genannt." Für sie stand fest: "Entweder ich mache weiter, wie es ist, bin dann aber so semi-glücklich, oder ich breche aus." Trotz der Sorge, dass die Schauspielerei vorbei sein könnte, wagten sie den Sprung.
Die Reise und der Film "Leaving the Frame"
Sie gingen auf eine Reise ohne Ziel. Interviewten Menschen rund um die Welt und machten einen Film daraus – "Leaving the Frame", mehr darüber weiter unten.

Kurvenknattern am Küstenstreifen Big Sur zwischen Los Angeles und San Francisco. Mit mexikanischem Nummernschild fährt der Käfer quer durch die USA und nach Kanada.
Bild: Manuel Vering
Die vielleicht fröhlichste Etappe: ein VW Käfer, ein Dachzelt und 20.000 Kilometer von Mexiko bis Neufundland. Der Käfer war das Mittel, um voranzukommen, "oft aber auch ein Türöffner", berichtet Manuel Vering: "Leute kamen wegen des Käfers auf uns zu."
Wenn man Maria Ehrich in ihrer Wahlheimat Berlin auf einen Ingwertee trifft, diese zarte junge Frau im geblümten Sommerkleid, dann mag man sich das alles gar nicht vorstellen.
Erst kurz vor der Abreise macht Maria ihren Führerschein – mit einmal Durchfallen. Fahrpraxis? Null. Dann reisen die beiden hinaus in die Welt.
So fanden sie den VW Käfer Última Edición
In Mexiko brauchen sie ein Auto. Manu hat einen Kontakt vor Ort, der helfen soll. Aber auch in Mexiko sind Käfer selten geworden im Stadtbild. "Die typischen grünen Käfer-Taxis gibt es kaum noch." Drei Wochen suchen sie. "Zig Käfer haben wir uns angeschaut", sagt Manu. "Alle Schrott."
Schließlich finden sie ihn. In einem Schaufenster. Einen VW der "Última Edición" in Harvest Moon Beige. Baujahr 2003, gerade mal 1900 Kilometer runter. Mit Klimaanlage! Und Alarmanlage!

San Francisco: Mit höchstens 50 PS und schwerem Gepäck muss man den VW Käfer bergauf in Schwung halten, auch in engen Kurven.
Bild: Manuel Vering
Der Preis? "Um die 9000 Dollar", sagt Manu aus der Erinnerung. "Erstbesitzer war ein VW-Ingenieur", sagt Maria. "Der hatte sich den damals gesichert." In Deutschland kostet so etwas heute nicht unter 18.000 Euro.
Nur 3000 Stück hat Volkswagen damals in Mexiko vom letzten Käfer gebaut. Die eine Hälfte in Pastellblau, die andere in Beige. Einer gehört nun Maria und Manu. Das Modernste daran ist das CD-Radio.
Mit Käfer "Heidi" 20.000 Kilometer von Mexiko bis Neufundland
Weil ein Käfer mehr ist als ein Auto, geben sie ihm einen Namen: "Heidi".
Ein Mechaniker vor Ort erklärt ihnen, wie man bei "Heidi" den Keilriemen wechselt. Dann geht's los. Quer durch Mexiko Richtung Norden.
Gefährliche Drogengebiete
Die Route plant Manu. "Er hat mir erst später erzählt, dass wir durch gefährliche Drogengebiete gekommen sind", sagt Maria. "Wir hatten ein vollgestopftes Auto mit mexikanischem Kennzeichen. Damit fuhren wir an die Grenze nach Kalifornien." Auf alles sind die Berliner in diesem Moment vorbereitet. Lange Verhöre. Filzen des Käfers. Und dann passiert: nichts. "Die US-Grenzer haben sich nur unsere Pässe angeschaut", sagt Maria.
Mit Dachzelt und Campingausrüstung durch die USA

An den Mammoth Lakes in Kalifornien baut Manuel das Dachzelt auf ...
Bild: Manuel Vering

... und die Nacht bietet ihnen einen traumhaften Sternenhimmel.
Bild: Manuel Vering
In Kalifornien kaufen sie sich ein Dachzelt, einen winzigen Kartuschenkocher, Outdoor-Geschirr. Abends halten sie am liebsten mitten in der Natur an, klappen das Zelt auf, krabbeln die Leiter hoch und schauen in die sternenklaren Nächte.
Klingt romantisch. Im Februar in Los Angeles ist es aber lausekalt im Dachzelt, unter dem der Wind hindurchpfeift.
Im Death Valley dagegen fragen sich die beiden, ob der Käfer wirklich eine Klimaanlage hat, wie der Verkäufer es betont hat. Manuel: "Die Luft, die sie uns ins Gesicht geblasen hat, war vielleicht zwei Grad weniger heiß."

Bild: Manuel Vering
Der Kofferraum vorn unter der runden Haube ist ihr Kleiderschrank. Auf den Rücksitzen verstauen sie Kamerarucksack, Isomatten und die Campingausrüstung.
Nette Menschen sprechen sie auf den VW Käfer an
Wenn sie morgens aufwachen und noch etwas zerknautscht aus ihrem Zelt gucken, stehen manchmal schon gut gelaunte Amerikaner vor ihrem Auto und sagen: "Amazing! How sweet!" Einmal lädt sie ein älteres Pärchen sogar zu sich nach Hause ein, weil sie früher selbst mal mit dem Käfer durchs Land gefahren sind. Danach bleiben sie in Kontakt.
Wenn M&M eine Dusche brauchen, stoppen sie auf Campingplätzen. Dort stehen sie dann neben Linienbus-großen Wohnmobilen, an deren Heck noch ein zusätzliches Auto hängt. Und zwar nicht so ein Kleinwagen wie "Heidi".
Schlaglöcher, Spritmangel und ein Cop

Bild: Maria Ehrich
"Die schlimmsten Straßen waren in Mexiko – und in New York. Mitten in Manhattan waren schlimme Schlaglöcher", berichtet Manuel.
Der Durchschnittsverbrauch liegt bei acht bis zehn Litern, das Dachzelt verbessert nicht gerade die Aerodynamik.
Ein weiteres Mal geht's auf einem Highway nicht weiter, weil der Tank leer ist. Nun will man mit einem Mexiko-Käfer und Mexiko-Kennzeichen nicht unbedingt eine Panne im Mittleren Westen der USA haben. Und so hält auch gleich ein Trooper, ein Autobahn-Polizist, hinter ihnen. Blaulicht, Lautsprecherdurchsage, alles wie im Film. Zum Glück mit Happy End: Der Trooper bietet seine Hilfe an. Bei einem Käfer kann auch ein Cop nicht "No" sagen.

Bild: Manuel Vering
Nach dreieinhalb Monaten Roadtrip erreichen sie Neufundland, ganz im Nordosten Amerikas. Das Ende. Und irgendwie ein neuer Anfang. Der Käfer als Beziehungskiste.
Der Mexiko-Käfer kommt mit nach Deutschland
Ein paar hundert Exemplare der "Última Edición" kamen 2003 nach Europa. Jetzt ist es einer mehr. Von Montreal aus reist der Käfer nach Bremerhaven. Knapp 2000 Euro kostet die Schiffsreise, dann kommen noch 10 Prozent Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer hinzu.
"Technisch gesehen haben wir einen Oldtimer. Ohne ABS, ohne Airbags. Normalerweise funktioniert das nur, wenn du ein H-Kennzeichen hast", sagt Manu. Aber dafür ist das Auto damals zu jung. Am Ende schaffen sie es mithilfe ihres Käfer-Clubs und ein bisschen Glück, den Wagen in Berlin zuzulassen.
Was bleibt von der großen Reise?
Ob sie der Trip verändert habe? "Auf jeden Fall hat er mich viel entspannter werden lassen", sagt Maria. "Ich habe das Geld früher immer aufs Sparbuch gepackt. Nun ist davon zwar nicht mehr viel übrig, aber dafür sind wir jetzt reich an unglaublichen Erfahrungen."
Was ist aus heutiger Sicht außerdem von der Reise geblieben? Maria Ehrich: "Wir haben gelernt, wo unsere Grenzen liegen. Wir wollten alles selbst machen, uns nicht helfen lassen – das war schlecht. Ich weiß jetzt, was ich will. Und lasse mich nicht so schnell ins Bockshorn jagen."
Außerdem gibt es da noch diese ganz praktische Sache: Maria kann jetzt Auto fahren.

Bild: Ullstein Taschenbuch
Technische Daten VW Käfer Última Edición
- Motor Vierzylinder-Boxer, hinten längs, luftgekühlt, zentrale Nockenwelle über Stirnräder angetrieben, elektronische BenzineinspritzungHubraum 1584 ccmLeistung 37 kW (50 PS) bei 4100/minmax. Drehmoment 97 Nm bei 2200/minBeschleunigung 0-100 km/h 22,5 sHöchstgeschwindigkeit 130 km/hAntrieb Viergang-Schaltgetriebe, HeckantriebBremsen vorn Scheibenbremsen, hinten TrommelbremsenLänge/Breite/Höhe 4060/1550/1500 mmRadstand 2400 mmKofferraum 140 Liter vorn, 127 Liter hintenVerbrauch 7,8 Liter Super/100 kmTankinhalt 40 LiterLeergewicht 810 kgNeupreis in Deutschland (2003) ca. 13.000 Euro
Service-Links









