Tuning-Porsche 964 "Jorge" auf der BCM
Vom gebrauchten 911 zum Juwel für 300.000 Euro

Jetzt auf der Bremen Classic Motorshow: Diesen Porsche 911 (Baureihe 964) Baujahr 1991 hat ein Hamburger Betrieb veredelt – mit klassischem Tuning, feiner Optik und einem Fahrwerk-Trick.
Bild: David Finest Sports Cars
Er muss so unscheinbar ausgesehen haben, dass offenbar niemand daran dachte, ein Foto von ihm zu machen: der Porsche 911 der Baureihe 964, der in Spanien als trauriger Gebrauchtwagen herumstand. 200.000 Kilometer auf der Uhr, der Lack matt, der Radlauf hinten rechts verbeult, die Dichtungen spröde.
Jetzt aber, auf der Bremen Classic Motorshow 2026, beginnt sein zweites Leben: Schöner und umsorgter als je zuvor und 300.000 Euro teuer wird er bis Sonntag, 1. Februar, im Scheinwerferlicht präsentiert.
Ein Hamburger Kaufmann wollte einen maßgeschneiderten Porsche 964: durchrestauriert, mit mehr Leistung, einer Farbkombination nach eigenem Geschmack – für das Häuschen in Südtirol. Kein Renngerät für die Rundstrecke also. Aber, tja, da war der Zielkonflikt: einerseits möglichst fahraktiv, also gern tiefergelegt, andererseits aber braucht man ja für die Straßen und vor allem für die Tiefgaragen in Südtirol eine gewisse Bodenfreiheit.
Der Kunde sprach mit der Firma David Finest Sports Cars (DFSC) in Hamburg. Das Team um Chef Benjamin David hatte eine Idee, das Problem mit dem Fahrwerk zu lösen – mehr dazu gleich unten.
Darum hat der Porsche den Spitznamen "Jorge"
Zu den Werkstattjungs in Hamburg muss der schlanke Porsche mit der Spanien-Flagge im Fußraum wohl gesprochen haben – mit einem spanischen Akzent. Wie Jorge González, bekannt aus "Germany’s next Topmodel" und der BILD-Werbekampagne "Kauf kein Kack". So kamen sie darauf, ihn Jorge (sprich: Chorche) zu nennen.
Darum nahm die Werkstatt keinen besseren Porsche 964 als Basis
Warum nahm die Firma als Basis für den Edel-Porsche ausgerechnet so einen vertrockneten Alt-Elfer?

Mit abgeschliffener Karosserie steht der Porsche 964 in der Werkstatt. Die neuen Räder sind schon da – und werden gleich montiert, damit das leere Auto rollbar ist.
Bild: David Finest Sports Cars
Erstens war die Karosserie nahezu rostfrei – allen Porsche-Klischees zum Trotz ist das nicht selbstverständlich. Zweitens hat das Exemplar kein Schiebedach. Vorteile: niedrigerer Schwerpunkt, weniger Ärger mit Undichtigkeiten, Klapper- und Windgeräuschen. Drittens sollte das Auto aufwendig restauriert werden, Gummiteile werden also ohnehin getauscht und der Innenraum neu bezogen.
Von welchem Porsche 964-Modell sprechen wir?
Der Basiswagen ist ein Porsche 911 (964) Carrera 2, also ohne Allradantrieb, als Coupé mit Schaltgetriebe – von den zivilen 964 also die agilste Variante. Baujahr: 1991. Er hatte genau 3,6 Liter Hubraum, 250 PS, 310 Nm Drehmoment, Topspeed 260 km/h.
In der Werkstatt von David Finest Sports Cars wurde der Porsche erst mal demontiert, die Karosserie entlackt, die kleinen Rostschäden wurden behoben, der schnell geflickte Rempler am Radlauf hinten rechts professionell instandgesetzt.
Das Geheimnis des Fahrwerks

Als erstes baute das Team von DFSC in das noch unrestaurierte Porsche-Heck die neue Hinterachse mit dem speziellen Kniff ein.
Bild: David Finest Sports Cars
Wie haben die Porsche-Profis nun die Aufgabe gelöst, Agilität und Bodenfreiheit unter einen Hut zu bringen? Mit einer höhenverstellbaren Hinterachse. Für Autos, deren Frontspoiler fast über den Asphalt schaben, gibt es Lift Kits: Hebel an der Vorderachse, die – meist hydraulisch betätigt – die Front vor Hindernissen auf Knopfdruck ein wenig anheben. DFSC baute in diesen Porsche 964 so ein System nicht nur an der Vorderachse ein, sondern adaptierte auch eins für die Hinterachse!

Bild: David Finest Sports Cars

Bild: David Finest Sports Cars
Sie nahmen vom Hersteller KW das System HLS 4, das auf die Stoßdämpfer wirkt und die Bodenfreiheit um bis zu 45 Millimeter erhöht. So kann der Kunde bald mit seinem tiefergelegten 964 durch die Kurven braten, setzt aber an der Tiefgaragen-Rampe nicht auf.

Bild: David Finest Sports Cars
Klassisches Tuning für den Sechszylinder-Boxer
Nun kamen die externen Experten ins Spiel: Die Karosserie ging zum Lackierer – der Firma Haka –, der luftgekühlte Boxer zum Motoreninstandsetzer Matthias Hoeing von Hoeing Autosport und Raue Classics.

Kolben und Zylinder (oben rechts) kamen neu, ebenso die Ventile, die Sportventilfedern und die Achsen der Kipphebel (rechts). Die Kipphebel selbst (unten rechts) und die Zweiventil-Zylinderköpfe (links) wurden überarbeitet.
Bild: David Finest Sports Cars
Hoeing zerlegte den Motor und behielt am Ende nur wenig mehr als den Block, die Kurbelwelle (die war noch maßhaltig), die Zylinderköpfe und die Kipphebel. Auch die Steuerkettengehäuse arbeitete er auf – Neuteile kosten ja auch um die 1500 Euro das Stück.
Was nicht sinnvoll aufbereitet werden konnte, kam neu. Zum Beispiel Kolben und Zylinder, Buchsen, Steuerketten.
Welches Tuning hat der Motor erfahren?
Schärfere Nockenwellen geben den Ventilen mehr Hub und längere Öffnungszeiten. Die Einlassventile sind etwas größer als die Serienteile. Hoeing überarbeitete den Zylinderkopf, veränderte zum Beispiel die Kontur für die Ventilsitzringe – das sei der Leistung zuträglich, sagt er.
Ziel der Maßnahmen: etwa 300 statt bisher 250 PS. Vorm Prüfstand sollte der Motor sanft eingefahren werden, was bei Salz auf der Straße erst mal warten muss.
Die Lackierung des Porsche 964
Bis in die Hohlräume hinein strahlte und lackierte die Firma Haka von Hakan Karadiken die Karosserie. Porsche-Auskenner frohlocken beim Anblick des dunkelgrünen Metallic-Lacks: „Wie des Auto vom Ferry!“ Denn Ferry Porsche ließ alle seine Porsche in Oakgrün-metallic lackieren.

Frisch lackierte Karosserie. Hier fällt auf, wie sehr die Porsche-Baureihe 964 noch dem Vorgänger Porsche 911 G-Modell ähnelt. Der Grünton…
Bild: David Finest Sports Cars

… namens Jetgrün hat relativ große Metalflakes, also Pigmente, die den Metallic-Effekt erzeugen.
Bild: David Finest Sports Cars
Aber nein: "Jorge" ist jetgrün-metallic. Der Farbton wurde erst 2009 mit dem Porsche Panamera eingeführt. Historisch ist sie also nicht korrekt – aber wem fällt das auf?
Die Ästhetik des 964 „Jorge“: Jetgrün trifft Gold
„Der Fokus dieses Fahrzeugs liegt auf Schönheit“, berichtet Olaf Bornhöft. Er ist Projektleiter für „Jorge“ bei David Finest Sports Cars und Kfz-Meister mit viel Porsche-Erfahrung. „Ich bin der, der die ganze Zeit mit dem Kunden und der Frau im Austausch ist.“ Die Frau habe viel Freude daran und freue sich darauf, den Porsche zu fahren.

Bild: David Finest Sports Cars

Bild: David Finest Sports Cars
Das ästhetische Konzept ist deutlich zu sehen: Nicht nur die BBS-Kreuzspeichenräder sind in einem Goldton lackiert, auch die Bremssättel sind grün und tragen ein goldenes Porsche-Logo.

Bild: David Finest Sports Cars
Der 964-Innenraum: Ein Traum in Grün
Das Thema Grün zieht sich auch durch den ehemals schwarzen Innenraum. Die schwarzen Lederflächen oben vernähte der Sattler David Ekselenski von der DE-Sattlerei mit grünem Garn; er besorgte quadratmeterweise grünes Leder und vernähte es mit schwarzem Garn.

Bild: David Finest Sports Cars
Nicht nur die Sitzflächen sind grün beledert, auch die Leisten unten am Armaturenträger, die Türzuziehgriffe, die Mittelkonsole und manches mehr.

Bild: David Finest Sports Cars

Bild: David Finest Sports Cars
Das Ergebnis: ein 964-Oldtimer, aber ein neues Auto
"Wir haben jedes Bauteil in der Hand gehabt, geprüft, überholt, gestrahlt, gepulvert oder neu verzinkt", fasst Projektleiter Olaf Bornhöft zusammen. "Das ist auch nachhaltig, man muss nicht alles neu kaufen." Wie groß ist der Anteil der Teile, die ersetzt wurden? "Vielleicht 40 Prozent."

Bild: David Finest Sports Cars
Am Ende gibt der Kunde etwa 300.000 Euro für den restaurierten und modifizierten (also "Restomod"-)Oldtimer aus.
Den Kilometerzähler stellt die Firma DFSC nun auf Null. Der Zustand entspricht ja auch weitgehend einem Neuwagen, aber natürlich hat der Wagen immer noch gut 200.000 Kilometer runter.

Bild: David Finest Sports Cars
Darf so ein Auto ein H-Kennzeichen tragen?
Ein H-Kennzeichen würde nicht am Motortuning scheitern, das gab es ja in den 90er-Jahren auch in der Art.

Bild: David Finest Sports Cars
Bei den Innenraumfarben müsste der Prüfer anderthalb Augen zudrücken. Heikelster Punkt dürfte die Höhenverstellung an der Hinterachse sein. Aber vielleicht bekommt der Porsche 964 auch eine italienische Zulassung. Dann könnte er statt Jorge Giorgio heißen.

Bild: David Finest Sports Cars
In der ersten Version des Artikels hatten wir das Maß der vorderen Bremsscheibe mit 330 mm angegeben. Dann stellte sich heraus, dass es 322 mm sind. Wir haben das korrigiert.
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