Volvo 960 3.0-24V Kombi mit 1.000.000 Kilometern
Wie ein Volvo 960 zum Langstrecken-Champion wurde

Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD
Kaum ein Wort wird so häufig missbraucht wie "nachhaltig". Verwendet wird es vor allem in der Werbung und in PR-Texten. Dabei geht es oft überwiegend nur um eines: den Konsum anzuregen und Kasse zu machen. Ob das jeweilige Produkt tatsächlich eine vollkommen saubere Öko-Bilanz hat, interessiert nicht immer. Es muss aber zumindest so aussehen, die Kunden sollen sich schließlich auch ein gutes, grünes Gewissen erkaufen.
Im Duden steht folgende Definition: "Das Adjektiv 'nachhaltig' geht zurück auf das Verb 'nachhalten', das in seiner ursprünglichen Bedeutung zu verstehen ist als 'für eine längere Zeit anhalten, andauern, bleiben'. So auch nachhaltig: Etwas wirkt sich auf längere Zeit, auf längere Dauer aus."
Um die Beziehungskiste von Hauke Hobbiesiefken-Feldmann und seinem Volvo 960 Kombi zu beschreiben, gibt es kein geeigneteres Wort als "nachhaltig". Die Beziehung Hauke und Volvo hält seit 20 Jahren und ist damit ebenso stabil und nachhaltig wie der Volvo selbst. Wie kam es dazu?

Familien-Kombi: Hauke (links), Dogge Bruno und Mathias nutzen den Volvo jeden Tag, zu jeder Jahreszeit. Der 960 parkt ganzjährig auf der Straße.
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Großer Volvo-Fan war Hauke schon immer, besonders die eckigen 7er- und 9er-Volvo haben es ihm angetan. Sein erstes Auto mit 18 war 2003 ein Golf 2 1.3 mit 55 PS, mit dem er nie glücklich wurde. 2004 suchte seine Mutter einen größeren Kombi als ihren Audi A4 Avant; als Grafikerin hatte sie gelegentlich größere Gegenstände zu transportieren, für die der Audi zu klein war.
Bei einem Händler entdeckte Hauke einen 1996er Volvo 960 Couture 3.0-24V – die Vollfett-Endstufe eines 9er-Volvo-Kombis. Hauke ergriff seine Chance. Sein Vorschlag: Seine Mutter solle den Volvo nur im Fall eines Transports nutzen, aber ansonsten den sparsamen und kompakten A4 weiterfahren. Er sagte: "Wenn du den Volvo nicht brauchst, fahr ich den eben!"
8750 Euro kostete der Volvo 960
Selbst die Warnungen des Autohändlers, ein 204-PS-Geschoss sei nicht das richtige Auto für einen 19-Jährigen, halfen am Ende nicht: Hauke setzte sich durch. Für 8750 Euro kaufte Hauke den 960, mit 160.200 Kilometern auf dem Zählwerk. Fortan entwickelte er sich in seiner Freizeit zum gefragten Chauffeur. Niemand in seinem Freundeskreis hatte ein ähnlich großes, schnelles, komfortables und sicheres Auto mit solch einem riesigen Kofferraum.
Fahrzeugdaten | Volvo 960 Couture 3.0-24V Kombi |
|---|---|
Motor | Reihensechszylinder vorn längs |
Antrieb | Vierstufenautomatik, Hinterradantrieb |
Hubraum | 2922 cm3 |
Leistung | 150 kW (204 PS) bei 6000/min |
max. Drehmoment | 267 Nm bei 4300/min |
Beschleunigung | 0–100 km/h 9,3 s |
Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h |
L/B/H | 4860/1750/1434 mm |
Verbrauch | 11,1 l S/100 |
Gewicht | 1600 kg |
Neupreis (1996) | 71.400 Mark |
Also fuhr Hauke immer. Egal ob am Wochenende zu Partys oder zu viert mit Gepäck in den Urlaub: Hauke fuhr immer. Da der Volvo auch eine Anhängerkupplung hat, war sein Talent als Zugfahrzeug ebenso gefragt. Der Großteil der Kilometer kommt bis heute durch berufliche Pendelfahrten zustande. Aktuell fährt Hauke die Strecke Köln–Kaufbeuren und zurück einmal wöchentlich. Er sagt: "Der Volvo war von Anfang an das perfekte Auto für mich. Groß, variabel, vielseitig, sehr komfortabel, sicher und zuverlässig."

Die Domäne des großen Volvo sind lange Strecken. Bis zu 85.000 Kilometer spult Hauke mit ihm jährlich ab. Meistens bei rund 130 km/h, ab und zu gibt er auch mal Vollgas.
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Als Fluggerätmechaniker hat Hauke schon berufsbedingt einen fokussierten Blick auf Qualitätskontrollen und penibel einzuhaltende Arbeitsabläufe. "In der Luftfahrt hängt das Leben ab von perfekt funktionierenden technischen Prozessen. Sehr gründliches, dokumentiertes Arbeiten bin ich gewohnt." Diese Denkweise färbte schnell ab auf den Umgang mit seinem Volvo. Von Beginn an hat Hauke ihn akribisch gepflegt, jedes Wartungsintervall eingehalten. Nicht nur das: Sämtliche Serviceintervalle wie Ölwechsel, Zahnriemenwechsel oder den Tausch des Automatikgetriebeöls lässt Hauke stets vor der jeweiligen Fälligkeit erledigen. Bei einem Volvo-Vertragspartner. Aktuell ist er Kunde beim Volvo- Autohaus La Linea in Köln-Porz.
Kein verhätschelter Garagen-Klassiker
Perfekte Wartung und Pflege ist die eine Seite, die andere ist die Nutzung des Volvo. Er ist mit seinen 28 Jahren und der hohen Laufleistung kein verhätschelter Garagen-Klassiker, der nur noch im Sommer bei 23 Grad Außentemperatur fahren darf. Nein, der Volvo muss ran, heute genauso wie 2004. Er steht auf der Straße, nicht in der Garage. Bei jedem Wetter. Er wird zu jeder Jahreszeit genutzt. Auch im tiefsten Winter bei Frost und Streusalz auf den Straßen spult Hauke jede Woche rund 1100 Autobahn-Kilometer ab.

Innen präsentiert sich der Volvo tipptopp – abgesehen vom strapazierten Beifahrersitz. Sämtliche anderen Details sind in jahreswagenähnlichem Zustand.
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Er sagt: "Der Volvo ist seit 20 Jahren mein einziges Auto. Ich hatte seit 2004 kein weiteres. Der Volvo macht alles mit, wird aber auch gut gepflegt und gewartet." Allerdings hatte Hauke nicht von Anfang an vor, den Volvo so lange zu behalten. Er sagt: "Bei 300.000 Kilometern meinten die Ersten, ich müsse den Volvo bald mal verkaufen. Bei Erreichen der 400.000-Kilometer-Marke kamen mir Zweifel, ob ich den Volvo überhaupt verkaufen soll. Als ich die halbe Million Kilometer überschritten habe, war ich mir sicher, die volle Million schaffen zu wollen!"
Das Beeindruckende: Bis zum Kilometerstand von 700.000 waren keine außerplanmäßigen Reparaturen fällig! Bis heute erfolgten zwei: die Überholung der Hinterachse 2015 und die Überholung des Zylinderkopfes ein Jahr später. Alle Arbeiten erledigte ein Volvo-Vertragshändler. Die Kostenbilanz nach 20 Jahren und 839.800 selbst gefahrenen Kilometern? "Ich bewahre jede Rechnung auf, die sind in zwei dicken Aktenordnern. Ganz exakt zusammengerechnet habe ich das nie. Grob geschätzt habe ich in 20 Jahren 90.000 bis 95.000 Euro für den Volvo ausgegeben, inklusive Kaufpreis", sagt Hauke.

Bis auf die nachgerüstete Domstrebe ist der Motorraum in absolut originalem Zustand. Werksseitig eingebaut sind eine Standheizung und eine über 220 Volt betriebene Heizung des Motor-Kühlkreislaufs.
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Und einiges wird noch folgen. Am Unterboden steht Arbeit an: Eisstrahlen, eventuell kleine Schweißarbeiten am Batteriekasten, neuer Unterbodenschutz und eine Hohlraumkonservierung. Hauke ist schon auf der Suche nach einem Karosseriebauer, der die Arbeiten ausführt. Denn auch in Zukunft setzt er auf die alltägliche Nutzung seines Volvo. Er sagt: "So lebe ich. Sinnvoll ist es immer dann, wenn es hält, funktioniert und einem ein breites Grinsen für lange Zeit beschert!"
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