VW-Bus T2: fast verbrannt, jetzt restauriert
Der Bulli aus dem Feuer ist gerettet

Eine Feuerhölle legte 2025 große Teile von Los Angeles in Schutt und Asche. Dieser blaue Bulli kam mit Hitzeschäden davon. Jetzt hat VW den "Magic Bus" restauriert!
Bild: Volkswagen of America
Die Feuer, die im Januar 2025 durchs südliche Kalifornien tobten, waren eine Jahrhundertkatastrophe. Auf großen Flächen brannte alles nieder, 18.000 Wohnhäuser wurden zerstört, 200.000 Menschen flohen oder wurden evakuiert, mindestens 30 starben.
Als die Flammen erloschen waren, blieb eine apokalyptische Landschaft übrig aus verkohlten Palmen und nackten Kaminschloten, wo einst Häuser standen. Fotograf Mark J. Terrill von der Nachrichtenagentur Associated Press stapfte am 9. Januar durch so ein zerstörtes Wohngebiet in Malibu am westlichen Rand des Großraums Los Angeles. Es roch beißend nach Rauch.
So wurde der blaue VW T2b berühmt
Auf einmal, mitten in dieser schwarzbraunen Welt, erspähte er ein leuchtend blaues Rechteck: einen VW T2. Der kleine blaue Bulli hatte mitten in den Bränden an einer Straße gestanden. Die höllische Hitze hatte ihm zugesetzt, auf der Bürgersteigseite platzte Lack ab, Blinker und Positionslichter schmolzen – aber die Fahrerseite, die Fotograf Mark Terrill sah, war fast unversehrt. Mark drückte ab.

Dieses Foto ging um die Welt: ein kleiner blauer Bulli inmitten einer zerstörten Siedlung in Schwarz und Braun.
Bild: Mark J. Terrill / Associated Press
Sein Bild ging um die Welt. Es war nicht nur ästhetisch; es war wie ein Symbol des Überlebens, des Durchhaltewillens, der Hoffnung. Nutzer auf Social Media tauften ihn "Magic Bus". Sie wussten noch nicht, dass ihre Besitzerin den kleinen blauen Bulli "Azul" genannt hatte – spanisch für "Blau".
Die Besitzerin hatte ihren Bulli schon abgeschrieben
Megan Weinraub, so heißt sie, glaubte den schönen VW T2b Baujahr 1972 längst verloren. Am 5. Januar waren sie und der Vorbesitzer und Kollege Preston Martin mit dem VW T2 zum Surfen gefahren. Da Megan im Land der Automatik-Autos noch wenig Übung hat, mit Schaltgetriebe am Berg anzufahren, parkte Preston den Oldtimer-Bulli an einer ebenen Straße oberhalb ihrer Wohnung.
Am 7. Januar brach das Feuer in Palisades aus, und Weinraub floh mit ihrem Hund Bodi und etwas Hundefutter. Der Bulli "Azul" tat ihr leid, berichtet die Nachrichtenagentur AP, aber ihr war klar, dass andere Menschen ihr Zuhause oder sogar Angehörige verloren hatten.

Details wie der geschmolzene Blinker und der abplatzende Lack deuten nur an, wie schwer es den VW T2 erwischt hat.
Bild: Volkswagen of America
Der T2 überlebt – "ich bin total ausgeflippt"
Am 9. Januar schickte ihr eine Nachbarin ein Foto mit dem Bus. "Ich bin total ausgeflippt", sagte Megan. "Ich war im Badezimmer und habe geschrien."
"Als das Foto von Azul viral ging, fühlte ich mich, als ob die ganze Welt einen Teil meines Herzens miterlebt hätte."

Ein Bild aus unbeschwerten Tagen: Megan Krystle Weinraub, Ihr Bulli "Azul" und ihr Hund Bodi vor der Feuerkatastrophe.
Bild: Associated Press
Martin Preston (24) war mindestens genauso glücklich: denn er hatte sogar eine Zeit lang in dem Bulli gewohnt!
Der VW-Bus war Martins Wohnung
Martin hatte den VW Typ 2 als Maschinenbau-Student eher spontan gekauft. Genug Geld hatte er eigentlich nicht, aber nachdem er den T2 auf Vordermann gebracht hatte, wohnte er in seinem letzten Studienjahr darin und sparte Miete. Seine Mutter, die erst geschimpft hatte, nähte Vorhänge für die Bulli-Fenster.
Im Sommer 2024 verkaufte Martin Preston den VW Bus an die 29-jährige Megan. Martin und Megan stellen beide beruflich Surfbretter her.

Vor Megan gehörte der VW Bus Martin Preston. Er baute ihn zum Camper um.
Bild: Associated Press
Restaurierung? Für die jungen Surfer undenkbar
Der T2b war also nicht völlig zerstört. Aber schon so stark, dass weder Martin noch Megan sich eine Restaurierung hätten leisten können.
Ein Happy End war möglich, weil natürlich auch VW in Kalifornien mitkriegte, wie "Azul" durch die Nachrichten und Social Media ging. Den inzwischen berühmten Bulli zu retten, wäre nicht nur eine gute Tat, sondern auch ein Spitzen-PR-Stunt.

Die Oldtimerexperten von VW in Kalifornien holten den T2b zur Werkstatt in ihrer Oldtimersammlung in Oxnard. Hier stehen unter anderem ein Rabbit und ein GTI – US-Versionen des VW Golf 1.
Bild: Volkswagen of America
Also machte Volkswagen of America Megan Weinraub ausfindig. Sie schleppten den knusprig gebräunten T2 die Küste hinauf nach Oxnard zur werkseigenen Oldtimer-Werkstatt.
Volkswagen selbst restaurierte den angebrannten Bulli
Das Team um Fahrzeugtechniker Gunnar Wynarski hatte ordentlich zu tun: Die Heckscheibe war in der Hitze geplatzt, der ganze Innenraum stank nach Rauch, Teile am Armaturenbrett waren rissig, eine Achsmanschette war hin, Metallteile rosteten schlimmer als vor dem Brand.

Bild: Volkswagen of America
"Von dem Augenblick an, als wir Azul zum ersten Mal sahen, war es unser Ziel, sicherzustellen, dass die Geschichte des Fahrzeugs durch die Brände nicht ausgelöscht, sondern durch seine Restaurierung, die Rückführung zu seinem Besitzer und die Rückkehr auf die Straße wieder zum Leben erweckt wird", sagt Gunnar Wynarski.
Azul wurde also nicht in den Auslieferungszustand zurückversetzt, sondern sollte nachher aussehen wie eine restaurierte Fassung des T2, wie er am Tag vor dem Feuer war. Sogar den Innenausbau, den Martin Preston als Student in den Bulli gebastelt hatte, rekonstruierten die VW-Jungs – bis hin zu den Vorhängen, die seine Mutter genäht hatte! Den gleichen Stoff wiederzufinden, war eine ungewohnte Aufgabe für die Kfz-Mechaniker.
Größte Schwierigkeit: alle Ersatzteile zu finden
Die Seiten der Karosserie mussten ein bisschen gerichtet, das Auto neu lackiert werden; das übernahm die Firma GE Kundensport in Kalifornien.

Bild: Volkswagen of America
Reifen, neue Fenster und Dichtungen, neue Scheinwerfer, Instrumente, ein originaler Auspuff ("new old stock"), eine Motorklappe aus Kunststoff: All das war nicht weiter schwierig an- und einzubauen.

Bild: Volkswagen of America
VW-Mann Gunnar Wynarski gibt zu, dass es schwierig ist, für den T2b manche Teile aufzutreiben. Besonders knifflig war das bei der originalen Antenne, der originalen Zeituhr, dem Ausrückhebel und dem Thermostat.

Bild: Volkswagen of America
Eine Benzineinspritzung, die ganz genau dem Original entsprach, fand selbst das VW-Team nirgends mehr, und auch die Abgasrückführung mit all ihren Schläuchen und Dichtungen bekamen sie so nicht wieder hin.
Am Ende reparierte, restaurierte oder ersetzte das Team mehr als 900 Teile, also rund das halbe Auto. 2080 Arbeitsstunden flossen in die Restaurierung, einschließlich der Recherchezeit.

Bild: Volkswagen of America
All das kostet viel Geld. Zusätzlich aber spendete VW of America einen nicht genannten Betrag an die California Fire Foundation, eine gemeinnützige Stiftung, die Einsatzkräfte und ihre Familien in Kalifornien unterstützt.

Bild: Volkswagen of America
Ein Hoffnungsschimmer auf Rädern
"Es ist einfach toll, dass er zu so einer Art Hoffnungsschimmer geworden ist", sagt Martin Preston begeistert. "Alles drumherum war völlig zerstört. Und dann steht da dieser strahlend blaue, glänzende Van."

Bild: Volkswagen of America
Megan Weinraub ist glücklich: "Ich kann es gar nicht erwarten, wieder damit zu fahren und Licht und Hoffnung zu bringen!"
Ein bisschen wird sie sich noch gedulden müssen: Denn zunächst mal stellt Volkswagen of America den "Magic Bus" auf der Los Angeles Auto Show aus. Dann, vom 4. Dezember 2025 bis zum 11. Januar 2026, wird das Petersen Automotive Museum in Los Angeles den geretteten VW T2 zeigen. Ein kleines blaues Wunder mit einer Botschaft: Es kann sich lohnen, nie die Hoffnung aufzugeben.
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