Reiz ist Schönheit in Bewegung, sagt ein Sprichwort. So betrachtet, hat BMW mit dem 507 in den späten 1950er-Jahren alles richtig gemacht. Ob er auch ein rassiger Sportwagen ist, verrät unser Test.
Egal wo der BMW 507 auftaucht: Er zieht die Blicke auf sich wie ein Supermodel das Blitzlichtgewitter – erst recht in sündigem Rot. Seine Basis bildet die 502-Limousine, deren Chassis um 35,5 Zentimeter gekürzt wurde. Außerdem leistet der 3,2-Liter-V8-Motor im Roadster dank einer höheren Verdichtung von 7,8:1 immerhin 150 statt 140 PS (USA-Hochverdichtungsmotor: 165 PS). Je nach Hinterachsübersetzung schafft der 507 damit bis zu 220 km/h. Klingt auf dem Papier nach einem echten Supersportwagen der späten Fünfziger. Doch im Gegensatz zum BMW 328 gibt sich der üppigere 507 mild statt wild.
Schnell gefahrene Kurven quittiert der BMW 507 mit starker Seitenneigung.
Bild: Sven Krieger
Während die beiden Insassen im Vorkriegs-Roadster 328 zusammengepfercht sind wie in einer Sardinenbüchse, verwöhnt sie der 507 auf seinen beiden Sitzen mit dem Raumgefühl einer Limousine. Das liegt auch daran, dass sein Getriebe direkt mit dem Motor verblockt ist, womit im vorderen Fußraum deutlich mehr Platz zur Verfügung steht. Die Sitze im 507 bieten nur mäßigen Seitenhalt, sind aber bequem. Die Lenkung könnte für einen Sportwagen noch einen Tick direkter sein. Das Serien-Vierganggetriebe (auf Wunsch gab es ein Fünfgang-Sportgetriebe) lässt sich zwar butterweich schalten, allerdings sind die Schaltwege für BMW-Verhältnisse relativ lang. Um vom Zweiten in den Dritten zu kommen, muss man den kurzen Hebel zum Beispiel sehr weit nach rechts drücken. Da die Schaltbox vollsynchronisiert ist, kommen allerdings auch Laien auf Anhieb problemlos mit ihr zurecht.
Der Hubraum des V8-Motors ist mit 3,2 Litern relativ klein.
Bild: Sven Krieger
In den Paradedisziplinen Handling, Slalom, Spurwechsel und Rundenzeit kann der 20 Jahre jüngere 507 dem BMW 328 nicht das Wasser reichen – trotz vorderer Einzelradaufhängung und hinterer Banjo-Achse mit Panhardstab. Mit seiner ausladenden Alu-Karosserie und seiner komfortbetonten Abstimmung will er um die Slalom-Pylonen gezwungen werden und protestiert gegen diese Behandlung mit starker Seitenneigung. Zwar zeigt er erst spät eine Tendenz zum Übersteuern, doch gleicht sein Fahrverhalten auch in dieser Disziplin dem einer Limousine. Sahnestück des Roadsters ist der 3,2-Liter-V8. Er beschleunigt noch im Vierten ruckfrei aus dem Drehzahlkeller und bietet einen Sound mit Gänsehaut-Potenzial. Auch deshalb kommt der 507 dem perfekten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort sehr nah. Den zeitgenössischen Namenszusatz "Touring Sport" trägt er zu Recht.
Der von Albrecht Graf Goertz entworfene 507 ist ein Meilenstein des Autodesigns – und ein Sportwagen der milden Sorte, dem komfortables Cruisen mehr liegt als die Jagd nach Rekorden. Die rund 220 Exemplare, die noch existieren, sind astronomisch teuer.