Zweiräder testet AUTO BILD Klassik ja sonst eigentlich nicht. Bei der BMW R50S machen wir mal eine Ausnahme – sie passt perfekt in unseren Spaß-Vergleich von vier "echten Fuffzigern". sehr bald erkennen wir: Ihre allerliebste Disziplin ist der Slalom. Wo die Autos quietschend um die Pylonen wanken und der Ape-Fahrer um sein Leben bangt, da fährt die BMW mit leichtem Swingen praktisch geradeaus, denn sie ist ja als Einspurfahrzeug so schön schmal. Doch auch wenn wir die Kurven richtig ausreiten, ist die R50S das vergnüglichste Fahrzeug. Auf dem Motorrad gibt es keine dieser lästigen Seitenkräfte wie beim Auto, denn durch die Kurvenneigung geht die Zentrifugalkraft immer schön mittig durch den Allerwertesten nach unten.
Das Erfolgsgeheimnis der BMW R50S ist das Fehlen der Seitenkräfte auf den Körper. Alles geht so geschmeidig. Und dann noch der seidige Boxermotor!
Bild: Christian Bittmann
Aber das ist nicht der einzige Vorzug gegenüber dem Auto. Der wesentlichste ist, dass man hoch aufgerichtet draußen im Freien Platz nimmt. Überblick! Frische Luft! Das Fühlen der Geschwindigkeit durch Druck- und Temperatursensoren in der Haut. Und dann noch die rasante Beschleunigung dank der 35 PS des S-Modells (Normalversion: 26 PS) bei nur 200 Kilo Leergewicht! Schließlich der seidenglatte Klang des Zweizylinder-Boxers. Nicht zu vergessen auch die freiliegende Technik mit Mittelmotor. Der Kardanantrieb. Die komplexe Vorderradschwinge, die paradoxerweise dazu führt, dass die Maschine beim Bremsen vorn hochgeht. Die total uncoolen, aber superbequemen Sättel statt einer Sitzbank. Die serienmäßige Luftpumpe.
BMW baute schon damals die zuverlässigsten Motorräder überhaupt. Die R50S ist ein zweirädriges Meisterwerk.
Bild: Christian Bittmann
Wir haben aber auch Nachteile notiert: Beim Verzögern kommt die BMW mit ihren zwei Rädern nicht an die Vierrädrigen heran. Außerdem ist da die schwierige Kommunikation mit dem Sozius; vor allem aber gibt es keinen Kofferraum. Wer die Brötchen vom Bäcker heimschippern möchte, hat ein Problem. Zwar existiert eine Art Handschuhfach im Tank. Dennoch wäre der als Zubehör lieferbare Gepäckträger anzuraten, also Transportmöglichkeit gegen Aufpreis! Nun, in den 50ern war es ja auch üblich, bei Autos für eine Heizung extra zur Kasse zu bitten. Die wiederum hat die BMW serienmäßig, zumindest für die Füße, denn die lagern hinter den beiden heißen Zylindern. 160 Spitze läuft die R50S, acht mehr als der Audi 50. Umso erstaunlicher, dass die schwarze Maschine bei der Beschleunigung über die Viertelmeile zwei Sekunden hinter dem Audi ins Ziel kommt. Aber unser Audi stand auch besonders gut im Futter. Dennoch hat die BMW als erstes Motorrad im Klassik-Test einen bleibenden Eindruck hinterlassen. In der Fahrspaßwertung liegt sie am Ende ganz vorn, und in der Redaktion kommt plötzlich die gefährliche Lust auf klassische Bikes auf.
Über sechs Jahre mussten bis zum ersten Motorrad-Test in AUTO BILD Klassik vergehen. Bereut hat es die Redaktion nicht. Die BMW ist verdientermaßen ein echter Klassiker. Freude bringt nicht nur das Fahren mit ihr, sondern auch das Erleben von grundsolidem, ausgereiftem Maschinenbau. Ein zweirädriges Meisterwerk!