Der BMW 2002 ti hat alles, was ein sportliches Auto braucht: Hinterradantrieb, Leistung, eine zielgenaue Lenkung und kompakte Maße. Ja, das Konzept haben die Bayern von Alfa kopiert. Aber dann konsequent zu Ende entwickelt.
Durch ihn ist BMW zu dem geworden, was es heute ist: eine der ersten Adressen für die Freude-am-Fahren-Fraktion. Sicher war das keineswegs, denn als der kleine Bruder der "Neuen Klasse" 1966 seinen Einstand gab, zunächst mit braven 85 PS, zweifelten die Händler, ob sich so ein Auto überhaupt verkaufen ließe, noch dazu für stolze 8650 Mark. Am Ende wurde ihnen der Nullzwo aus den Händen gerissen. Als deutsche Antwort auf Italiens Giulia war sein Weg zur Sportlimousine vorgezeichnet, BMW geht ihn nur konsequenter. Stilistisch, denn gegen die leicht pummelige Italienerin wirkt der Nullzwo mit seinem angriffslustig zugespitzten Bug und dem fettfrei-muskulösen Blech wie ein trainierter Leichtathlet.
Untersteuern ist für den „ti“ ein Fremdwort. Der BMW 2002 hat Hummeln im Hintern.
Bild: Roman Raetzke
Aber auch technisch, schließlich zeigt sich das Fahrwerk dank hinterer Einzelradaufhängung nicht einmal ansatzweise überfordert, selbst mit den 120 PS der 1968 vorgestellten Topversion "ti". Wurden die werkseitig verbauten 40er-Solex-Vergaser durch eine Gemischfabrik von Weber ersetzt wie beim Wagen von Bernd Möller aus Trittau (Schlesw.-Holst.), stehen die Pferdchen besonders prächtig im Hafer. Dank großzügig bemessenem Hubraum und geringem Gewicht – mit 1022 Kilo ist der colorado-orangene "ti" der Zweitleichteste im Vergleichstest – kommt das stämmige Drehmoment so oder so eindrucksvoll zur Geltung. Der BMW-Motor zieht deutlich strammer durch als der gleich große Vierventiler des Triumph – und läuft zudem um Welten kultivierter. Leichtgängig und spielfrei setzt die Lenkung die Befehle des Piloten um – ein ideales Werkzeug, nicht nur um in flotten Wechselkurven einen sauberen Strich zu fahren, sondern auch, um den "ti" wieder einzufangen, wenn er bei Übermut oder zu frühem Gasgeben mit dem Heck auskeilt. Untersteuern ist für den Nullzwo ein Fremdwort, Leistungsübersteuern fast schon ein Bedürfnis. Gierig sticht er in die Kurve und pfeilt bei frühem Gaseinsatz mit zünftigem Antriebsschlupf wieder heraus. An den Stammtischen trug diese heckagile Auslegung damals zügig zur Legendenbildung bei. Denn, so die Werbung später: "Es gibt Automobile, die fährt man, weil man sie sich leisten kann. Einen BMW leistet man sich, weil man fahren kann."
Zehn Jahre nach der Fast-Pleite ist BMW zurück in der Erfolgsspur: Im Nullzwo rasen die Münchner durch die 70er – und tragen dazu bei, dass man diese später gern die "wilden" nennt.