Vier Ford Mustang aus drei Generationen

Ford Mustang: Vergleich

Mustangs von mild bis wild

Vier Mustangs, drei Generationen! AUTO BILD KLASSIK feiert den Rebell unter Amerikas Autos. Welcher ist der Edelste, welcher der Wildeste?

"Lee" Iacocca und sein Team mussten genau, was sie taten. Dieses Auto wollte die Generation Baby-Boomer.

Wer den Werdegang des Ford Mustang betrachtet, versteht schnell: Die Jungs um Mustang-Schöpfer "Lee" Iacocca, den autoverrückten Sohn italienischer Einwanderer, hatten einen präzisen Plan. Sie wussten genau, welches Auto sich die jungen Amis der Sechziger wünschten. Fords Marktforscher hatten damals berechnet, dass sich die Zahl der 20- bis 24-jährigen Amerikaner innerhalb des Jahrzehnts verdoppeln würde. Sie wussten, dass diese neue Generation gut ausgebildet war, ordentlich verdiente — und in den Showrooms der US-Hersteller bisher kein Auto gefunden hatte, das exakt zu ihrem Lebensgefühl passte. Die Ford-Planer fanden heraus, wie dieses Auto sein sollte: kraftvoll, sexy und vor allem bezahlbar.
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Ford Mustang - Über 1000 Inserate

Dass der Ford Mustang Boss so böse dreinschaut, ist Absicht: In der Trans-Am-Serie kämpfte er um die vorderen Plätze.

©C. Bittmann

Iacocca hatte es sich zum Ziel gesetzt, dass das Einstiegsmodell nicht mehr als 2400 Dollar kosten durfte. Und so stellte der Mustang bereits 1966 einen Rekord auf, den bis heute kein anderes Auto knacken konnte: Weniger als zwei Jahre nach seiner Markteinführung war bereits die erste Million verkauft. Was folgte, ist ein Sinnbild für das Schicksal der amerikanischen Autoindustrie: Eine geniale Idee verkam zur gigantischen Blase, das knackige Urpferd quoll zum "fetten Schwein" auf – O-Ton Iacocca. Es folgten Ölkrise, Downsizing, Designödnis und schließlich ein Besinnen auf alte Werte – mit einem Retro-Modell, das aussieht wie das von 1967. Geschichte schrieben sie alle – das ist vermutlich die größte Gemeinsamkeit. Oder? AUTO BILD KLASSIK hat vier Mustang-Modelle aus drei Generationen versammelt. Wir reiten Probe: das allseits beliebte Urmodell als Cabriolet mit speziellem Motor. Den Mustang II, von Iacocca zum "kleinen Juwel" hochgejazzt. Ein zahmes Vierzylinder-Pony aus den Neunzigern. Und den legendären Boss von 1969. Und jetzt: tiiief einatmen. Und gespannt sein, welches der Pony Cars wirklich high macht. Hüa!

Das richtige Pony für jeden Stall

Für diesen Vergleich haben uns dankenswerterweise der First-Mustang-Club of Germany e.V., uscars24.de und US-Car-One.com unterstützt.

©C. Bittmann

Henry Ford II wollte den Mustang Thunderbird II nennen, der Berglöwe Cougar stand als Namensgeber auch auf der Ideenliste. Dass Ford schließlich den Namen eines Wildpferdes wählte, befriedigte männliche und weibliche Urinstinkte, klang einfach gut und begründete eine ganze Fahrzeuggattung. Wenige Automobile können von sich behaupten, derart den Lauf der Dinge verändert zu haben wie der Mustang. Unser Vergleich zeigt allerdings auch, wie die Zeit den Mustang verändert hat. Was übrigens – obwohl unsere Punktewertung es nahelegt – nicht heißt, dass er immer schlechter wurde. Nur ... ähm, anders. Das 1965er Cabrio hat uns in allen Punkten überzeugt: Es kann sowohl schnell als auch gediegen fahren, erobert auch Frauenherzen und passt in europäische Normgaragen, obwohl ihm der amerikanische Traum innewohnt. Ein Auto, das in viele Leben passt, ganz anders als der Boss 302: Der ist noch nicht so weit weg von der Ur-Idee und hätte hier sogar nach Punkten gewinnen können – wäre da nicht sein raubeiniges Wesen, das vor allem passionierte Sportfahrer in Wallung bringt. Und dann sind da noch die beiden Spätgeborenen in schillerndem Blau und unschuldigem Weiß. Obwohl unsere Punktetabelle sie auf den hinteren beiden Rängen einsortiert, konnten wir ihnen viel abgewinnen: Das 2.3 LX Cabrio zeigt hohe Alltagsqualitäten bei niedrigsten Anschaffungskosten. Was teilweise auch auf den Mustang II Ghia zutrifft, der als Klassiker sicher verkannt ist. Die Tatsache, dass er einen großen Namen beinahe karikiert, macht ihn als Oldtimer schon wieder liebenswert.

Vier Ford Mustang aus drei Generationen

Die Punktewertung 289 cui HiPo Boss 302 2.3 LX Convertible II Ghia
Spaßfaktor
Temperament 8 10 5 7
Sound 8 10 3 4
Handling 6 8 8 4
Zwischenergebnis 22 28 16 15
Kuschelfaktor
Sitze 7 8 10 9
Federung 7 2 8 8
Platzangebot/Variabilität 8 5 7 5
Zwischenergebnis 22 15 25 22
Neidfaktor
Qualität 6 6 7 4
Design 10 8 2 5
Image 8 10 2 5
Zwischenergebnis 24 24 11 14
Gesamtergebnis 68 67 52 51

Autoren: Lukas Hambrecht, Frederik E. Scherer

Fotos: C. Bittmann

Stichworte:

Achtzylinder V8 Oldtimer

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