Ford Taunus II 1.3 GL
Gemütlicher Schleicher

Die Kölner Kante Ford Taunus II ist seit 1976 sachlich glatt, ganz ohne prägende Knudsen-Nase. Doch unterm Bleich blieb fast alles beim Alten. Gänzlich unsportlich vor allem die Basisversion mit 55 PS schwachem 1,3-Liter.
- Andreas Borchmann
Taunus und Eifel werden wohl nie gute Freunde. Dem Ford liegt der Ring nicht. Könnte er nicht gleich am Tor zur Grünen Hölle, im Gefälle des Hatzenbach, ordentlich Schwung sammeln, müsste er wohl auf ewig im Fegefeuer schmoren. 55 PS reichen schon im Flachland kaum, den kantigen Kölner in weniger als 20 Sekunden auf 100 km/h zu schleppen, am Berg verhungern sie. Mühsam, im zweiten Gang, schnauft der Taunus den steilen Anstieg zur Hohen Acht hinauf. Der brummige, von Natur aus zugeschnürte Vierzylinder brüllt gequält, winselt um Gnade wie eine ausgepresste Zitrone: Ich bin doch kein Star, holt mich hier raus. Entspannte Ruhe gibt die alte, gusseiserne Maschine nur in längeren Bergab-Passagen, den Flugplatz hinunter oder durch die Fuchsröhre zum tiefsten Punkt der Nordschleife, dem Breidscheid. Der Fahrer lernt auf der 20,8-Kilometer-Runde immerhin die Qualitäten der leichtgängigen Lenkung und der exakten Schaltung schätzen. Allenfalls der lange Weg zwischen den Gängen zwei und drei verursacht ab und zu einen kleinen Klemmer. Ärgerlich, wenn der Taunus deshalb zu viel an Schwung verliert. Schwamm drüber. Ein Ford Taunus ist kein Eifel-Rennwagen. Als Familienkutsche konzipiert, wirft er andere Qualitäten in die Waagschale. Gemütlichen Raum für vier Reisende zum Beispiel mit einem verwinkelten, aber geräumigen Kofferabteil. Und die Kostbarkeiten der GL-Ausstattung: Der Fahrer blickt auf Echtholz-Intarsien, lenkt mit einem umschäumten Vierspeichen-Volant – das bringt ein wenig Noblesse ins bürgerliche Ambiente.

Bild: Christian Bittmann
Fazit
Renngene trägt der Ford Taunus keine in seinem Erbmaterial. Und das liegt nicht nur am schwachbrüstigen 55-PS-Maschinchen. Wäre der Vierzylinder stärker, würde das einfache Fahrwerk, konstruktiv aus dem Mittelalter des Automobilbaus, der Kölner Limousine schnell einen Strich durch die schnelle Rechnung machen. Aber Rennen fahren war ja nie seine Aufgabe. Viel Auto fürs Geld war die Devise. Und deshalb gab es den Taunus viertürig 1978 ab 11.995 D-Mark. Das war ein starkes Argument.
Service-Links