Granaten mit Vierventil-Technik
Raketen mit 16 Ventilen

16V: Das Kürzel steht schon bei einigen Klassikern für Fahrspaß gepaart mit Sportlichkeit. Diese Renner regen auf mit Vierventiltechnik!
- Jan-Henrik Muche
- Peter Michaely
- Malte Tom Büttner
- Henning Hinze
- Wolfgang König
- Lukas Hambrecht
Vier Ventile erhöhen die Leistung, zeigte schon der erste erfolgreiche Einsatz eines 16V-Vierzylindern vor über 100 Jahren. Damals gewinnt Ernest Henry, Konstrukteur des Peugeot L76, mit dem GP-Wagen in Europa und den USA einige große Rennen. Es war wie so oft: Was im Rennsport zum Einsatz kommt, ist für die Großserie erst einmal zu kompliziert und viel zu teuer. Erst 1972 ist beim Jensen-Healey zum ersten Mal ein 16V-Vierzylinder ab Werk für den Alltag erhältlich. Die Vorteile der Vierventiltechnik liegen auf der Hand. Durch die doppelte Anzahl an Ventilen ergeben sich in Summe größere Querschnitte. Mehr Verbrennungsluft gelangt in den Motor, das Abgas strömt schneller wieder hinaus. Hohe Drehzahlen und kerniger Klang aus frei atmenden Auspuffrohren - was für ein Spaß! Und das Schönste ist: Ein 16V-Vierzylinder passt überall hinein - ganz gleich ob in den Roadster, die Sportlimousine, das Coupé oder den Rennwagen. Vier gewinnt! Hier kommen fünf Krawallmacher mit vier Ventilen.
Jensen-Healey - Renntechnik für die Straße

Jensen-Healey: Renntechnik für die Straße. Der Zweiliter-Vierventiler kommt von Lotus.
Bild: Götz von Sternenfels
Motor noch unausgereift
Im Jensen sind Nehmerqualitäten gefragt. Das auf dem Chassis des Vauxhall Viva basierende Fahrwerk verfügt zwar über standfeste Bremsen, ist aber bockhart. Zudem schlägt die hintere Starrachse auf groben Unebenheiten gerne Haken. Der Motor war kein Erfolg im Jensen-Healey, vielmehr ruinierte er dessen Ruf. Probleme mit der Ölversorgung des Ventiltriebs, schwächelnde Ventil- und Kurbelwellendichtungen, zu wenig Öldruck - die Mängelliste ist ellenlang und kaum zu bewältigen. Da zudem kein engmaschiges Netz von Servicepartnern zur Verfügung steht und die wenigen Mechaniker mit der anspruchsvollen neuen Technik allein gelassen werden, endet schon das erste Produktionsjahr in einem Desaster. Pech für Jensen, Glück für Lotus: Denn dort bildet der auf Kosten der Konkurrenz serienreif gemachte 907-Motor den Grundstein einer ganzen Familie von Sportwagen- und Wettbewerbsmotoren.
Opel Ascona 400 - Rallyeauto aus Rüsselsheim

Ein Opel für die Rallye-Strecke: Der Ascona 400 ist Vollblutsportler.
Bild: Marcus Gloger
Mercedes 190 E 2.5-16 - Limousine für Sportfahrer

Mercedes 190 E 2.5-16: Der Sechzehnventiler machte aus dem "Baby-Benz" einen respektierten Mercedes.
Bild: Cornelius Braun
Ab 5000 Umdrehungen geht es rund
Weil sich der Sechzehnventiler auf den ersten Metern fährt wie ein braver 190 E 2.3, folgt Vollgas. Das macht den Riesenunterschied: Flott erreicht der Motor 4000 Umdrehungen. Dort beginnt ein zorniges Hämmern, das bei etwa 5500 Umdrehungen in ein helleres, runderes, turbinenhaftes Geräusch übergeht. Zusammen mit der Klangkulisse baut der Motor auch für heutige Verhältnisse noch so viel Druck auf, dass man am Steuer aber eigentlich Besseres zu tun hat, als ständig auf den Drehzahlmesser zu schielen. Doch so souverän der 190er auch bei jedem Tempo geradeaus fährt: Am 42 Zentimeter riesigen Lenkrad über die seinerzeit markentypische, indirekte Kugelumlauflenkung einen präzisen Kurvenradius einzustellen, fühlt sich nur so lange gut an, wie dieser autobahnübliche Werte nicht unterschreitet. Sich über Berg und Tal windende Landstraßen mit engen Kurven? Da macht auch dieser Sport-Mercedes wieder ganz auf schwerer Wagen.
Porsche 944 S - ausgewogener GT

Porsche 944 S: lange Haube, Klappscheinwerfer, der Fahrer sitzt genau zwischen den Achsen.
Bild: Götz von Sternenfels
Kein Temperamentsbolzen
Porsche malte für den 944 S einen Drehmomentverlauf, der zwar bei 230 Newtonmetern gipfelte (25 Newtonmeter mehr als beim 944), aber diesseits von 4000 Touren unter die Kurve des Standardmodells abfiel. Das prägt. So bleibt es letztlich bei jenem zivilisierten, allgemein unterschätzten Fahrgefühl, das jeder 944 so untertreibend und sacht untersteuernd vermittelt, ob mit "S" oder ohne. Durchaus bekömmlich und obendrein erstaunlich zeitgemäß. Für den Vierzylindermotor bot die Vierventiltechnik bei Porsche die letzte Überlebenschance. Wirklich überzeugend genutzt wurde sie von den Technikern in Zuffenhausen allerdings erst im zweiten Anlauf. 1988, nur zwei Jahre nach der Markteinführung des 944 S, folgte der drei Liter große 944 S2 mit maßkrugformatiger Zylinderbohrung (104 Millimeter), fülligem Drehmomentverlauf und 211 PS. Ihn schätzen Kenner noch heute als Meister der Harmonielehre.
Toyota MR2 - Mittelmotor-Roadster made in Japan

Toyota MR2: Mittelmotor-Roadster made in Japan. Fahrspaß braucht nicht viel Auto und Motor.
Bild: Patrice Marker
Fahrspaß braucht nicht viel Auto und Motor
Einsteigen in den Toyota MR2 aus der ersten Serie, interne Werksbezeichnung W1. Selbst Hünen sind in den großzügig geschnittenen Sportstühlen bequem untergebracht. Fahrer und Beifahrer trennt ein massiver Mitteltunnel. Der Pilot sitzt tief und blickt über eine Plastiklandschaft im Commodore-64-Stil. Weil die vordere Haube nach vorn so stark abkeilt, sieht er vom Vorderwagen überhaupt nichts, es sei denn, er öffnet die beiden Klappscheinwerfer. Anlassen, losfahren, das alles ist mit dem MR2 so (un-) spannend wie mit jedem anderen Japaner seiner Zeit. Doch wehe, man gibt ihm die Sporen! Leicht und treffsicher rastet das Fünfganggetriebe in den Gassen ein. Auf freier Bahn meldet sich dann hinter den Sitzen der 1,6er-Vierventiler. Der aus dem Corolla bekannte Vierzylinder mit computergesteuerter Einspritzung hängt gut am Gas, lässt sich aber auch schaltfaul fahren, obwohl das höchste Drehmoment erst bei 5200 Touren anliegt. Damals ist der MR2 ein kleines Wunder: Er sieht exotisch aus, ist aber keine Diva. Er fährt flott, bleibt mit 10,8 Litern auf 100 Kilometer aber noch halbwegs sparsam. Sportwagen fahren scheint auf einmal erschreckend vernünftig.
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