Große Klasse, kleine Motoren
Wie stark sind die schwachen Großen?

AUTO BILD-Archiv-Artikel 15/1987: Audi 100 CC mit nur 75 PS, Opel Omega GL (82 PS) und Ford Scorpio CL (90 PS) sind die Einsteigermodelle ihrer Reihe. AUTO BILD prüfte die großen Limousinen mit den kleinen Motoren.
- Andreas Borchmann
Die Tachonadel des Opel Omega GL tänzelt bei 190 km/h. Ich drücke die Stoppuhr und staune. Den letzten Kilometer habe ich in 20,1 Sekunden zurückgelegt. Das entspricht einer Geschwindigkeit von 179 km/h. Mit dieser Spitze zählt der Opel doch tatsächlich zu den Schnellen im Lande. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Schließlich war ich mit einigen Vorurteilen an diesen Vergleichstest herangegangen: Drei so große und schwere Autos mit so kleinen Motoren – ob das gut geht? Doch nicht nur der Opel Omega beweist, dass man mit diesen Autos auf der Autobahn ganz gut leben kann. Selbst der nur 75 PS starke Audi ist mit 167 km/h nicht gerade langsam (Ford 177 km/h).
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Alles prima also, wenn... Ja, wenn das nicht nur die halbe Wahrheit wäre. Um diese Geschwindigkeiten zu erreichen, brauchen alle drei nämlich einen sehr langen Anlauf. Und selbst Steigungen, die man mit dem Auge kaum wahrnimmt, bremsen die Fahrt vehement ab. Zudem: Wichtiger als die Höchstgeschwindigkeit ist sicher die Art, wie die Motoren ihre Leistung abgeben. Und da gehört beispielsweise der 1,8 Liter große Ford-Motor zur äußerst brummigen Sorte. Er lässt sich zudem nur zäh und widerwillig hochdrehen. Deshalb heißt hier die Devise: Fleißig schalten! Was einem mit der exakten und leichtgängigen Schaltung zum Glück locker von der Hand geht.
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Auch der Opel-Motor ist kein Leisetreter. Er brummelt im Sound eines Kadetts vor sich hin. Dafür wehrt er sich nicht wie der Ford, wenn er mal aus niedrigen Drehzahlen hochbeschleunigen muss. Obwohl er um acht PS schwächer ist als der Ford, liegt er in den Fahrleistungen nahezu gleichauf. Im Alltag fühlt sich der Audi-Motor am angenehmsten an. Er lässt sich schaltfaul fahren, dreht, ohne zu murren hoch, bleibt immer leise. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Fahrleistungen die schlechtesten sind. Und wer die Zuladung voll ausnutzt, kann nur noch mit dem Temperament eines Kleinwagens rechnen.
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