Klassik-Test: DAF 66 Variomatic
Autofahren so leicht wie Kaffeekochen! Das zumindest versprach die Werbung für das Variomatic-Getriebe des DAF 66.
Der DAF, das müssen wir gestehen, hat sich auf der Suche nach klassischen Kompakt-Dreitürern aus reiner Liebhaberei in unseren Test verirrt. Er stach beim Casting mit seiner kastigen Form solche Siegertypen wie Simca 1100 oder Alfasud aus, die ja vor dem Golf das Konzept Schrägheck plus Frontantrieb nutzten. Der DAF hat dafür den formalen Schmäh des Trabant. Und Ben, einer unserer jungen Fahrer, sagte spontan: "Der sieht ja geil aus!" Das hat wahrscheinlich bislang niemand unter 68 Lebensjahren so wahrgenommen. Und wenn, dann mit anderen Worten, denn der DAF 66 galt früher als das Tanten-und Oma-Automobil schlechthin. Und daran ist DAF selbst schuld. Denn anfangs machten die Holländer Werbung mit einer Hausfrau, die das Fahren ihres DAF mit dem Schwierigkeitsgrad des Kaffeekochens verglich. Passend dazu hatten frühe Variomatic-Wagen auch keine nennenswerten Fahrleistungen. Die Enkel, die einen DAF bisweilen erbten, haben sich meist geweigert, ihn zu fahren, weil sie nicht als Fahr-Legastheniker gelten wollten.
Klassik-Test: DAF 66 Variomatic
Mit dem "Oma-Auto" auf dem Nürburgring: Dreimal gewann der DAF 66 die Konstrukteurswertung beim Marathon de la Route.
Dabei war DAF mit dem Automatik-Wagen durchaus auch im Motorsport unterwegs, zum Beispiel gewannen die Holländer dreimal die Konstrukteurswertung des legendären Marathon de la Route auf dem Nürburgring. Vorbei und vergessen. Sportlich ist unser Kandidat trotz seiner Rallyestreifen und der zeitgeistigen Sonnenblende dennoch nicht, doch weiß die direkte, präzise Lenkung zu gefallen. Allerdings neigt sich die hochbeinige Karosse schwer schlagseitig in die Kurve. Die Motor-Variomatic-Combo wirkt mit 57 PS durchaus munter, heult dabei ein wenig mit den Kegelrädern und vereinfacht vor allem das Fahren. Bei Vollgas aus dem Stand regelt die kluge Riemenautomatik die Drehzahl bei 4400 Umdrehungen ein, ungefähr dort nämlich ringt sich der 1,3-Liter-Renault-Motor noch ein wenig Drehmoment und schon ein wenig Leistung ab, und unbeirrt, ohne jede akustische Frequenzänderung, zieht der DAF von dannen. Das hat eine gewisse Magie.

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Klassik-Test: DAF 66 Variomatic
Verblüffende Nebenwirkung: Der DAF 66 fährt rückwärts genauso schnell wie vorwärts – das stufenlose Getriebe macht's möglich.
Die Karosserie ist die geräumigste des Trios, die Rücksitzbank umklappbar, woraufhin eine ebene Ladefläche entsteht. Das komplexe Gestänge der großen Heckklappe scheint aus dem Zeltbau zu stammen. Sogar hinten gibt es Gurte, auch da staunen die Konkurrenten. Überhaupt ist die Ausstattung erfreulich komplett, nichts wirkt klappriger als im Golf, auch wenn ein DAF kein Mercedes ist. Als Volvo 1975 die holländische Marke übernahm, verbesserte sich dennoch gleich mal die Verarbeitungsqualität. Nur hat’s kaum einer bemerkt. Wegen seiner genialen Variomatic wurde der 66 später zum traurigen Clown, denn das stufenlose Getriebe spreizt die Riemenscheiben in beiden Richtungen gleichartig, mit dem Effekt, dass der DAF rückwärts genauso schnell ist we vorwärts. Womit bald eine Ulk-Krawall-Crash-Rennserie entstand, die den tapferen Wagen rückwärts rasend der Lächerlichkeit preisgab. Selbst Sieger waren da Verlierer, das DAF-Image hat sich nie davon erholt. Gar nicht lustig.
Fazit: Irgendwie mögen wir den DAF. So auf die Art, wie man Außenseiter mag. Dabei hat er seine praktischen Seiten, vor allem viel Platz, eine tolle Ausstattung, manierliche Fahrleistungen, das großartige Getriebe. Im Grunde gibt er sich keine Blöße. Nur das Image! Was haben die Holländer da bloß angerichtet!