Er wurde fast der Sieger in unserem Test, so viel können wir schon mal verraten. Vor allem zwitschert der Kurz-Kadett am schnellsten um die Pylonen, hat trotz schief stehender Lenksäule die mit Abstand beste Lenkung, wunderbar kurze Schaltwege, ist supereinfach zu bedienen, federt sportlich direkt, hat den kleinsten Wendekreis, kurz: Er macht am meisten Spaß und ist auch noch mechanisch am solidesten. Nur zum flotten Rosten neigt er leider ebenso wie seine beiden Gegner.
Sportlicher Zeitgeistversuch
Zeitgeistiger Bestseller: Seine Robustheit und Anspruchslosigkeit verhalfen dem Opel Kadett C in den Siebzigern zum Massenerfolg.
Minuspunkte bringen ihm der kleine Innenraum mit wenig Platz für die Beine hinten, der mäßige Fahrkomfort und – dafür kann er nichts – das Opel-Image. Auch der ziemlich zähe, immer leicht singende Stoßstangenmotor, in unserem Test mit 1200 Kubik und 52 Pferden, geht nicht gerade als brillanter Maschinenbau durch. Der Kofferraum schrumpfte durch Beschneidung der Mutter-Limousine um 23 Zentimeter auf ein Minimum, doch ratsch-klack liegt die Rückenlehne flach, und die Cargo-Luke öffnet ihr hungriges Maul. Der Innenraum ist schmucklos, aber ergonomisch perfekt. Wir sitzen auf schwarzem Kunstleder, schauen auf schwarze Kunststoffe und eine Ausstattung, die aus dem griechischen Sparta zu kommen scheint. Aber im Grunde fehlt der kleinen Fahrmaschine ja nichts, ihre Bestimmung sind die Kurven, und die gibt’s draußen gratis.
Sportlicher Zeitgeistversuch
Ganz schön kompakt: Die Schrägheck-Version des Opel Kadett C ist 23 Zentimeter kürzer als die Mutter-Limousine.
Trotz der heute als primitiv geltenden Starrachse boten die Kadetten herausragende Fahreigenschaften, weswegen sie gern im Motorsport verheizt wurden. Der City allerdings seltener, denn wegen der großen Heckklappe neigte seine Karosserie zum Verwinden, er war zudem ein bisschen schwerer und bekam aus Platzgründen die Caravan-Hinterachse mit schrägen Stoßdämpfern. Der Rost hat viele dahingerafft, vor allem wurde der Kadett C jedoch ein Opfer der Liebe seiner Jünger, die ihn mit Geschenken überhäuften und ungefragt einem dumpfen Drang zur Verschönerung folgten. Dabei war der Kadett C und auch sein Ableger City doch schon serienmäßig gut gelungen. Überhaupt gilt es mal zu erforschen, weshalb manche Marken so inbrünstig von bestimmten Bevölkerungsgruppen verehrt und manche, wie der technisch viel anspruchsvollere DAF, weggeworfen werden wie Einweg-Taschentücher.

Endstation Schrottplatz: Beerdigung eines Opel Kadett C

Sportlicher Zeitgeistversuch
Sportlich, schmucklos und unbequem: Mit dem Innenraum des Opel Kadett C lässt sich kein großer Eindruck schinden.
Der Kadett C ist maximal simpel, aber auch deswegen so robust und einfach zu reparieren, zudem ist er im Grunde erzkonservativ,besitzt aber mit dem Schrägheck diesen Schuss Modernität, den der Käufer von 1975 vorzeigen wollte. All das führte dazu, dass GM 1,7 Millionen Kadett C verkaufte, obwohl absehbar war, dass dem Golf-Konzept die Zukunft gehört. Erst 1979 beugte sich Opel und brachte den schräggeheckten, frontgetriebenen und daher viel raumökonomischeren Kadett D. Der C City machte dafür als Pionier für Opel den Schnupperkurs. Er war der Test. Klar, dass so einer Testsieger werden will.
Fazit: Weshalb manche Autos so erfolgreich sind? Weil Fahren Spaß macht: Lenken, Bremsen, Schalten, Beschleunigen. Außer in der letzten Disziplin ist der Kadett City darin überall spitze. Dazu robust, anspruchslos und auch hübsch anzusehen. Nur Platzangebot, Komfort und der Dampf des Motors lassen Wünsche offen.