Zwischen Anfang und Ende liegen 18 Jahre. So lange, von 1977 bis 1995, wurde der Porsche 928 in Nuancen verändert gebaut. Und zu jeder Zeit sah der großartige Entwurf der Stilisten um Anatole Lapine und den maßgeblichen Formgestalter Wolfgang Möbius frisch, unverbraucht und zeitgemäß aus. Design: volle Punktzahl!
Porsche 928 GTS
Der GTS markiert die letzte 928-Entwicklungsstufe, Verarbeitung und Materialqualität liegen auf höchstem Niveau.
Frühe und unberührte 928 sind heute eine Seltenheit, späte 928 GTS gibt es dagegen noch immer. Zwischen nacktem Früh-Stück und voll ausgestattetem Spät-Werk liegen technologisch Lichtjahre, der Preisunterschied beträgt am Ende ziemlich genau 100.000 Mark. GTS, Gran Turismo Sport: Das Kürzel beschreibt den letzten 928 perfekt. Dass ein GTS nicht als nackte Fahrmaschine verstanden werden will, zeigt die opulente Ausstattung, bei der damals auf Wunsch sogar die Lamellen der Lüfterdüsen beledert werden – wie bei unserem Testexemplar, einem Ex-Vorstands-Auto. Die Ausführung des Gesamtkunstwerks 928 GTS zeugt von langer Erfahrung und Liebe zum Detail, aber der Anspruch der Konstrukteure bereitet heute Kopfzerbrechen: Elektronik-Flattern und Wartungsstau sind K.O.-Kriterien beim 928-Kauf. Nur Ersatzteile fürs Space Shuttle sollen noch seltener und teurer sein.

Porsche 928: Der große Schock

Porsche 928 GTS
Trotz Spoiler ist die pure Linie des Urentwurfs von 1977 noch gut erkennbar. Fahrverhalten und -leistungen sind gar nicht gestrig.
Edel und praxisnah ist der 928 auch ganz ohne absurde Extras des Porsche-Exclusive-Programms: Der glattflächige Kofferraum ist feiner eingerichtet als eine Bulli-Kabine, aber eine Euro-Palette passt bei umgelegten Rücksitzverschlägen immer noch rein. Die ausgestellten Radhäuser und der große, in Wagenfarbe lackierte Flügel lassen den 928 GTS stark und elegant aussehen, kein bisschen bemüht, wie es bei Verschlimmbesserungen oft passiert. Minus: So ein 928 ist unübersichtlich und führt bei kurz geratenen Fahrern zu gepresstem Atem in engen City-Parkhäusern. Aber Beschweren gilt nicht, der aktuelle Elfer ist auch nicht kleiner. Die Stunde des 928 schlägt beim Fahren, rund 1,6 Tonnen Leergewicht sind ein Klacks für diesen Motor. 350 PS aus 5,4 Liter Hubraum und ein Drehmoment von 500 Nm reißen den GTS ab 3000 Touren nach vorn. Bis zur Höchstgeschwindigkeit von 275 km/h ist es nur ein Katzensprung. Das alles passiert mit heiserem Flüstern, unheimlicher Präzision und Leichtfüßigkeit. Ein echter Porsche, keine Frage.

Fazit

Porsche hat viel Zeit damit verbracht, den 928 auf Perfektion zu trimmen. Auch über 20 Jahre nach seinem Debüt zeigt sich der GTS als Hochleistungs-Sportwagen, der seinem Fahrer keine Kompromisse abverlangt. In unserem ungewöhnlichen Vergleichstest liegt er in Sachen Qualität und Machart ganz vorn, der Schnellste ist er sowieso. Dass nur zwei Insassen menschenwürdig Platz finden, wirft ihn zurück, aber der 928 kann nicht anders: Er ist nun mal ein Sportcoupé.