Unter der Heckschürze glotzt ein überdimensionales Endrohr hervor, und statt der schüchternen Serienkupplung vermittelt zwischen Turbomotor und Allradantrieb nun ein rutschfestes Pendant aus Sintermetall. Verbastelt? Nein, in der Skyline-Subkultur zählt so was noch locker zum, nun ja, Originalzustand. Sechs GT-R-Serien hat Nissan bis heute aufgelegt, diese dritte wird immer die ruhmreichste sein. R32 nennen sie ihn intern, Godzilla aus Ehrfurcht vor seinem vernichtenden Siegeszug im japanischen GT-Championat Anfang der 90er.

Bestialischer Biturbo-Motor

Der Überwältigende
Die Domstrebe überbrückt 2,6 Liter und 280 PS. Untenrum erstreckt sich ein tiefschwarzes Turboloch, darüber stürmt’s.
Bestialisch ist vor allem der Motor, ein 2,6-Liter mit zwei Turboladern, der trotz der freiwilligen Selbstbeschränkung auf 280 PS wohl nie unter 300 ausgewildert wurde. Zumal sich die Hardware nur in Dimension und Druck des Laderpakets vom Rennorgan unterscheidet. Will sagen: Seine kleineren Garrett-Turbinen wirbeln spontaner los als die Übergrößen, boosten obenraus zwar nicht ganz so massiv, ändern aber nichts daran, dass die Kraftentfaltung eines GT-R eines der unvergesslicheren Sportfahrer-Erlebnisse ist. Keine Frage: 300 SL, E-Type und M1 faszinieren, der Nissan überwältigt. Sechs Drosselklappen, 353 Newtonmeter, 0,7 Bar Ladedruck, Drehzahlen bis 8000 und dazu der Sound der 90er.
Das mechanische Zirpen des Kurzhubers wird hinten zu bassigem Knurren aufgebläht, ab 3000 Touren braust das Tosen der Ladedruckwelle auf, die kurz darauf als Taifun durch den Antriebsstrang fegt und ihre Ausläufer gut hörbar durchs Wastegate schnupft, sobald man Gas wegnimmt. Die Bremsen beißen vehement, die fluffige Servolenkung schneidet exakt an der Ideallinie entlang, in den Katakomben verschachert der Allrad das Drehmoment, während die mitdrehende HICAS-Hinterachse den langen Radstand geschickt um den Scheitelpunkt zirkelt. Die Dynamik beamt einen auch heute noch in eine ferne Welt, das Drumherum jedoch holt einen zurück ins Hier und Jetzt. Alles ist mit Kunststoffen unterschiedlichster Speckigkeiten möbliert und das Styling nie das, was hierzulande als ästhetisch gilt. So bleibt der Beweis, dass Schönheit auch von innen kommen kann, am Reihensechszylinder hängen.

Fazit

von

Stefan Helmreich
Richtig sexy wird Godzilla nur durch den Biturbomotor, der größtenteils aus dem Gruppe-A-Rennwagen stammt und entsprechend aufgeigt. Mit etwas weniger Rücksicht auf das Material hätten wir beim Sprintwert auf 50 wohl eine Eins vors Komma und die Tachonadel dementsprechend in unter sechs Sekunden auf 100 gebracht. So zeigt sich die fahrdynamische Überlegenheit des Hightech-Bombers GT-R vor allem in Kurven.

Von

Stefan Helmreich