Ist die Rede vom Meisterwerk des Daimler-Designchefs Bruno Sacco, dann fällt oft, ja eigentlich immer, die Zahlen-Ziffer-Kombination 500 SEC. Ein großer Entwurf, der einen kleineren, optisch sogar feineren Ableger im C 124 findet. Stilbildend war das Coupé der 124er-Baureihe jedoch nur in einer Hinsicht: Im Frühjahr 1987 trug der CE als erstes Modell der Mercedes-Familie die Sacco-Bretter in die Mitte der Gesellschaft. Die Planken sind längst passé, doch das hohe Ansehen des Coupés hat sich erhalten.
Mercedes E-Klasse 300 CE
Der Mercedes 300 CE ist ein Coupé für standesbewusste Genießer, ein würdiger Vertreter der Marke.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Trotz des Flankenschutzes versöhnt der wertkonservative C 124 auch Traditionalisten mit der chrom- und schnörkellosen Youngtimer-Mittelklasse. Weil der CE wie /8 - und C 123-Coupé auf die B-Säule verzichtet und gediegenen Luxus bietet, ohne auf Lebensnähe zu verzichten: Vier Sitzplätze und ein großer Kofferraum müssen schon sein, sonst kann der Kunde gleich zu Porsche gehen. Vor allem ursprüngliche Typen wie ein 300 CE von 1988 atmen wie kein anderer 124 den Geist schwäbisch-nüchterner Ingenieurkunst. Sanft klackend reichen Gurtbringer die Schnallen an, milde ruckt die Vierstufenautomatik und fängt die drehfreudige Neuentwicklung, den 180 PS starken ohc-Reihensechszylinder mit dem Code M 103, zugunsten des Komforts rechtzeitig wieder ein. So sanft und gelassen wie das Coupé mit seinem seidigen Zweiventil-Sechszylinder fährt kein anderer der angetretenen 124, selbst der 400 E wirkt im Vergleich forsch und drängend.

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Mercedes E-Klasse 300 CE
Die fehlende B-Säule schlägt die Brücke zu den Coupé-Vorgängern der 60er- und 70er-Jahre.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Spätere Coupés mit Chrom-Applikationen und Sportline-Programm kommen dynamischer und fescher rüber. Aber als frühes Topmodell der Baureihe verfügt ein 300 CE über ein natürliches Höchstmaß an Autorität. Seine Ernsthaftigkeit ist stets spürbar. Zumal wenn das umsorgte Altherren-Coupé zu sachlichem Polarweiß schlichte hellgraue Planken und dunkelblaue Standard-Stoffpolster trägt. Dass Scheinwerferreinigungsanlage sowie pneumatisch verstellbare Multikontursitze mit hinteren Kurbelfenstern kombiniert wurden und die Klimaanlage fehlt, durfte keinen Verkäufer erstaunen. Die Erstbesitzer-Generation duldete oft keinen Widerspruch. Und der Kunde war noch König, ganz egal wie sonderbar seine Auswahl auch war. Die abgegriffene Floskel "Moderne Klassik", sie scheint tatsächlich für den C 124 erfunden worden zu sein.
Die Eleganz des 300 CE passt in alle Lebenslagen, seine sachliche Schönheit erschließt sich aber erst auf den zweiten Blick. Der Dreiliter ist ein Sahnemotor, der uns mit typischen Reihensechszylinder-Tugenden wie Laufruhe und Elastizität erfreut. Neuere CE leisten mehr, aber das Urmodell gefällt als Mercedes altmodischen Formats.