Der Fahrer kann froh sein, wenn er keine dicken Beine hat. Die würden gar nicht in den Spalt zwischen Lenkrad und Sitzfläche passen. 43 Zentimeter misst das Mercedes-Steuer im Durchmesser – nicht nur aus heutiger Sicht riesig. Einmal eingefädelt, fühlt man sich im SLC trotzdem pudelwohl. Der typische Mercedes-Federkernsitz verbreitet schnell Behaglichkeit. Hart verschalt, weich im Kern und mit einer duftenden Rosshaarauflage gepolstert, wippt er beim Fahren auf und ab, erinnert an gute Gespräche bei Kaffee und Kuchen auf Omas Sofa. Die gern etwas länger dauern können. Den Blick über die ewig lange Motorhaube auf den Horizont gerichtet, rollt der SLC Richtung Norden, Süden, Osten oder Westen – und dann immer geradeaus.
Mercedes 450 SLC 5.0
Zünftig ist der Bürzel aus Gummi, exklusiv für den sportlich ambitionierten 5.0.
Dieser Mercedes ist ein komfortabler Gran Turismo für die große Fahrt, glättet selbst die Wogen schlechter Wege. Kurvenkünstlerische Manöver à la BMW oder Porsche liegen dem 450er als Charakterfach nicht. Er ist eher der Typ Längsdynamiker. Kurven, vor allem enge, bringen ihn nur vom kürzesten Weg zwischen zwei Punkten ab: der Geraden. Und entlarven die leichtgängige Servolenkung, die sich anfühlt, als wäre sie in Watte gewickelt. SLC ist sicher nicht die Formel für einen klassischen, knallharten Sportwagen. Aber Vorsicht, das bedeutet nicht, dass dieser Mercedes lahm wäre. Eh man sich versieht, wird aus dem gemütlichen 450er-Schaukelsofa ein heißer Stuhl.
Mercedes 450 SLC 5.0
Willkommen im Klub: Leder und Wurzelnussholz im kommoden Innenraum des SLC.
Die 5.0 hinter dem SLC streut nämlich eine Prise Cayenne-Pfeffer auf Omas Kuchen – dank 241 PS und 404 Newtonmeter Drehmoment. Das Gaspedal aufs Bodenblech gedrückt, und der sonst wolkenweiche V8 donnert los. Unter der langen Alu-Motorhaube grollen böse Gewitter, der sanfte Gleiter schlägt wie ein geölter Blitz ein. Null bis 100 in acht Sekunden – stürmisch! Platz zwei in diesem Vergleich, hinter dem 300-PS-Porsche. Erstaunlich: Die Dreistufenautomatik im Mercedes 450 ist mit der des Porsche 928 zwar fast identisch, fällt hier aber nicht negativ auf. Sie wechselt die Fahrstufen nicht unbedingt besonders flott, aber zum passenden Zeitpunkt und vergleichsweise sanft.

Von

Andreas Borchmann