Mercedes Benz W 124 im Vergleich

Mercedes E 250 Diesel vs. E 60 AMG: Fahrvergleich

Die Entdeckung der Langsamkeit

Kraft-Wagen kontra Wanderdüne: Unterwegs auf der Suche nach dem perfekten W-124-Gefühl in Mercedes E 250 Diesel und E 60 AMG.
Die Bandbreite des W 124 ist legendär; von 72 PS bis in die 400-PS-Liga reichte das Leistungsspektrum, vom Nutzwertauto, wie dem Mercedes E 250 Diesel, bis zum Obendrüber-Luxuswagen, wie dem E 60 AMG. Eine Sinnsuche mit zwei sehr unterschiedlichen Charakteren, die fast 130.000 Mark und 270 PS trennten.

Gebrauchtwagensuche: Mercedes E-Klasse

Mercedes E 60 AMG – Königsklasse der E-Klasse

Modisch gewagt: Sportsitze mit changierend gefärbtem Leder und fast schwarzes Holz im Cockpit.

Der bei AMG ganze 148-mal gebaute E 60 mit 381 PS war einst die edelste Ausbaustufe der Mercedes-Mittelkasse-Baureihe der 80er und frühen 90er. Wenn es, wie hier, einer von nur zwölf E 60 auf Basis des E 500 Limited ist, handelt es sich um einen Superlativ. Rar, begehrenswert, schnell und exklusiv, bei Kauf im Spätsommer 1994 genau 186.127 Mark teuer. Aber immer noch eine E-Klasse mit Alltagstauglichkeit, Platz für vier und unbedingter Haltbarkeit. Ausstattung und Look der AMG-E-Klasse sind typisch Limited: Lack und sogenannte Sacco-Planken an den Seiten im gleichen Farbton, Sechsspeichenräder vom 190 E 2.5-16 Evolution II und kühl-schummriges Vogelaugenahorn-Holz an Armaturenbrett und Mittelkonsole. Dazu feste, bequeme Sportsitze mit Leder in Zahnbürsten-Spritztechnik-Optik, hier fast zurückhaltend in Schwarz- Grau.

In 5,4 Sekunden von 0 auf 100

Der Sechsliter-M-119 passt gerade so unter die Haube. AMG hat einen Liter Hubraum nachgeschenkt.

Ein straffer abgestimmtes Fahrwerk und ein Plus bei Hubraum und Leistung machen aus einem E 500 einen E 60. Mehr Bohrung und Hub ergeben 5956 cm3, und aus 320 werden 381 PS – durchaus spürbar für den Fahrer. Wo der sportlich-kurzhubige Vierventiler vom Typ M119 im E 500 nur leise summt, vibriert der Sechsliter-V8 im E 60 mit nervösem Leerlauf und kehliger Note. Für 470 Nm maximales Drehmoment braucht es Drehzahlen nahe der 4000er-Marke, aber die kurz übersetzte Vierstufenautomatik gibt Hilfestellung: Mit einem Satz ist der E 60 verschwunden, nur 5,4 Sekunden braucht er von 0 auf 100, ab 250 km/h regelt er elektronisch ab. Die Fünfstufenautomatik mit Overdrive, die dem so stets hochtourig laufenden V8 Drehzahl erspart hätte, gab es ganz oben in der Modellpalette leider nie.

Mercedes E 250 D – Mit Effizienz und Augenmaß

Von außen identisch: Doch zwischen V8-Topmodell und Fünfzylinder-Diesel liegen fahrdynamisch Welten.

Der E 250 Diesel verkörpert mitnichten reine Askese, der moderne Motor mit zwei oben liegenden Nockenwellen und Vierventiltechnik ist beileibe kein Bauern-Triebwerk, für das man sich schämen müsste. Mit der Modellpflege ("Mopf") 2 hatte Mercedes seine Mittelklasse 1993 fit für die letzten Jahre gemacht und auch einige Diesel modernisiert. Da war die Baureihe schon fast zehn Jahre alt. Teure und schnelle Turbodiesel mit fünf und sechs Zylindern gab es zwar auch, aber die blieben die Ausnahme. Ganz unten in der Hierarchie arbeitete der Zweiliter-Vierzylinder-Saugdiesel, bis zuletzt als Zweiventiler; erst mit 72, ab 1989 mit satten 75 PS. In der Käufergunst vorn lag aber der Fünfzylinder-Diesel, der einst von Ferdinand Piëch im Lohnauftrag entwickelt worden war. In der Gesamtabrechnung aller Motoren belegt er hinter 230 E und 300 E den dritten Platz.

Die 113 PS entwickeln eine ungemein beruhigende Wirkung

Der Vierventil-Diesel OM 605 bekommt Luft durch fünf Kiemen im rechten Kotflügel.

Dieser 250er in Standard-Polarweiß hat als Extraausstattung funktionale Wischer für die Scheinwerfer, Vierstufenautomatik, Leder auf orthopädischen Sitzen, eine teure Klimaanlage – und behielt Kurbelfenster auf allen Plätzen, denn irgendwo ist ja mal Schluss! Das Ergebnis hüllt noch heute in Geborgenheit: Vorglühen, starten, gedämmtes Nageln – der Unterschied zum sprungbereiten E 60 könnte nicht größer sein. Im kalten Zustand vibrieren Lenkrad und Frontscheibe, aber einmal warm gefahren, prasselt es vorne nur noch gedämpft. Drehzahlen verlieren an Bedeutung, selbst wenn der Vierventil-Diesel bis 5000 Touren drehen darf. Auch heute bleibt der E 250 D bezahlbar mit 2900 Euro in Zustand 3 und um die 6000 Euro in Zustand 2.

Mercedes Benz W 124 im Vergleich

Mercedes E 250 Diesel vs. E 60 AMG: FahrvergleichMercedes E 250 Diesel vs. E 60 AMG: FahrvergleichMercedes E 250 Diesel vs. E 60 AMG: Fahrvergleich

Jan-Henrik Muche

Fazit

Wo der E 60 ansatzlos vorwärtsdrängt, rollt der Fünfzylinder-Diesel oft schon bei 1400/min entspannt dahin. Idealtempo: 130 km/h, dann ist alles im Fluss. Genug ist besser als zu viel! Nirgendwo wird das deutlicher als in diesem Vergleich, in dem der Diesel mit viel Komfort und vertretbarer Leistung zeigt, was der Mensch braucht, um immer entspannt zu sein (siehe Sitze!) und nie in Eile. Sich Zeit zu nehmen ist einfach besser, als Zeit zu gewinnen.

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.