Hey, diese Badewannen-Linie kennen wir doch im Großformat. Stimmt: Bei NSU müssen sie vom Chevrolet Corvair schwer beeindruckt gewesen sein. Wenn der Prinz 4 auf seinen Zwölf-Zoll-Räderchen daherflitzt, ähnelt er einem kleinen Jungen in viel zu großen Hosen. Damals aber, als viele Deutsche noch BMW Isetta oder Heinkel Kabine fuhren, damals öffnete der Prinz 4 seinen Käufern die Tür zum richtigen Auto.
NSU Prinz 4 L
Der NSU Prinz 4 L ist gestylt wie ein Großer, geräumig und gut ausgestattet.
Fünf Sitzplätze (zumindest laut Fahrzeugschein), großer Kofferraum vorn, ein kleiner hinter der Rücksitzlehne und 30 PS machten 1961 Lust auf Langstrecke und Überhol-Duelle mit Gegner Nummer eins, dem Käfer. Der braucht für die gleiche Leistung einen doppelt so großen Motor und trinkt mit acht Litern einen Liter mehr als der kleine Prinz. Mit Anlauf kann der ihn sogar abhängen: NSU versprach 120 km/h Spitze, der Käfer schafft mühsam 115. Punktsieg für den kleinen Neckarsulmer, der übrigens zum erfolgreichsten NSU aller Zeiten werden sollte. Nicht ohne Grund. Schon beim Einstieg fallen akkurate Verarbeitung und gute Ausstattung auf. Da der Prinz 4 ab 1969 nur noch als L (wie Luxus) zu haben war, besitzt unser Testwagen angenehme Kleinigkeiten wie Lichthupe, Scheibenwaschanlage, Chokekontrolle, drei Instrumente und Schminkspiegel. Dass der Zündschlüssel genau auf die Kniescheibe des Fahrers zielt, schien früher nicht so wichtig.

Klassiker mit Heckmotor: Die heißen Heckschleudern

NSU Prinz 4 L
Links sind Kippschalter für Licht, dann Uhr, Tacho und Tankanzeige. Sogar einen schicken Hupring gibt es.
Freude kommt auf, wenn der Prinz erst mal läuft. Leise heulend bringt der Dynastart-Anlasser (der gleichzeitig Lichtmaschine ist) die beiden Kolben auf Trab. Fröhlich hängen sie am Gas, schieben die 555 Kilo Leergewicht munter voran. Bodenwellen meistert die Federung gut, der Geradeauslauf ist es auch. Alles gut, bis sich die erste zu schnell angefahrene Kurve nähert. Dann ahnt der Fahrer, wie das Profil des kurvenäußeren Hinterrädchens versucht, sich in den Boden zu krallen. Und er spürt, wie die Pendelachse hilflos einknickt und das Hinterteil blitzartig zum Überholen ansetzt. Doch als ob es die Ingenieure geahnt hätten: Mit der modernen und feinfühligen Zahnstangenlenkung lässt sich die Situation gut beherrschen. Am 27. Juli 1973 verließ der letzte kleine Prinz 4 die Werkshallen in Neckarsulm. Vier Jahre später endete mit dem Ro 80 die Geschichte der drei Buchstaben. Auch der Prinz zeigt, warum sie unter Fans unvergessen sind.