Soll das Luxus sein? Ein kleiner, offener Sportwagen für sagenhafte 15.800 Mark, ohne Drehzahlmesser und Tankuhr? Aber es stimmt: Bis 1954 peilen alte und neue Gesellschaftsgrößen wie Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Herbert von Karajan und Helmut Rahn den Benzinstand im Porsche 356 per Holzlineal und schalten serienmäßig nach Gehör. Es ist die Elite, die Porsche fährt, weil sonst keiner dafür infrage kommt. Ein 356 ist sagenhaft teuer. Topmodell des Jahrgangs 1953 ist das 1500 Super Cabriolet, das so viel kostet wie drei Export-Käfer. Mehr Porsche gibt es 1953 nicht zu kaufen.
Die Idee des Ursprungs
Nur 1,5 Liter Hubraum, aber stramme 70 PS sitzen im Heck des Porsche 365 Cabriolet.
Im Heck sitzt der neue 1,5-Liter-S-Motor mit 70 PS, dessen Sägen wie Musik in den Ohren der Insassen klingt. Obwohl fühlbar, sichtbar und hörbar an allen Ecken Volkswagen drinsteckt, gehören zur Schau gestellte Standesdünkel dazu: Porsche-Piloten grüßen einander auf der Straße und organisieren sich neuerdings sogar in Clubs.
Kaufberatung: Porsche 356 Cabrio

Mit 175 km/h hängt der Porsche 356 die Konkurrenz ab

Die Idee des Ursprungs
Durch das drehfreudige Leistungsvermögen schiebt sich der Porsche 356 Cabriolet leichtfüßig durch den Parcours.
Die enge Verwandtschaft zum VW und die exklusive Nähe zum Hansa 1500 endet damals wie heute, wo das Fahren beginnt. 175 Sachen schnell ist der Porsche, der Hebmüller schafft mit Ach und Krach 105 km/h. Wo der 356 durch die Pylonengasse huscht, wälzt sich der massive Borgward dem Ziel entgegen. Wenn der Porsche bremst, sucht der VW schlingernd Halt. Leichtfüßig jubelt der Porsche-Boxer hoch, wo VW und Hansa weder richtig drehen noch drücken. Und es reicht nicht, dass der Stuttgarter Kreise um die beiden fährt, er ist auch noch erstaunlich bequem, nie laut, hart oder fordernd, was bei späteren Porsche-Generationen immer als Qualitätsmerkmal gilt. Selbst in der Güte von Material und Ausführung ist das 1500 S Cabrio überlegen. Bei Karosseriebau Reutter in Zuffenhausen müssen sie noch gründlicher und verbissener gearbeitet haben als bei Hebmüller. Dass er nur Platz für zwei Passagiere und ein bisschen Gepäck bietet, ist sein einziges Manko.
Es fällt schwer zu glauben, dass der Porsche nur vier Jahre jünger ist als Hansa 1500 und Hebmüller-VW. Doch diese paar atemlosen Aufbaujahre machen den Unterschied. Im Gegensatz zu den beiden Edel-Automobilen von 1949/50 muss der Porsche von 1953 keine Kompromisse mehr machen. Luxus ist bei ihm keine Ausnahme mehr, sondern schon die Regel.

Fazit

Der Porsche ist gar nicht der harte Hund, für den ihn viele halten. Er überrascht mit unerwarteten Komfort-Qualitäten und stabilem Gesamteindruck – weder Borgward noch VW fühlen sich so solide an. Trotz herkömmlicher Technik ist der 356 bei Fahrleistungen und Handling den anderen weit überlegen. Das Gesamtpaket stimmt einfach.