Mercedes W 123

Pro & Kontra: alte Camper

Braucht ein Schlafplatz einen Motor?

Alte Camper sind rar und gerade bei jüngeren Klassiker-Fans angesagt. Erlebt man mit ihnen auch die besten Oldtimer-Touren? Zwei Kollegen debattieren.

"Ich fahre gern auf Entdeckungsreise mit eigenem Bett"

Ja, bitte: Alex Failing mag Touren mit seinem Camping-Bulli.

Meinen VW T3 fahre ich jetzt seit fast 18 Jahren. Weil ich damit so schnell und gehörschonend am Urlaubsziel ankomme? Nee. Weil ihn seine satten 138 Turbodiesel-Newtonmeter als Wohnwagenschlepper prädestinieren? Auch nicht. Weil ich, wo es mir gefällt, anhalten, sein Aufstelldach hochdrücken und mich mit bester Aussicht im Oberstübchen langmachen kann? Na klar! Das ist die Freiheit, die nur wir Reisemobilisten haben. Und die wir lieben. Alle anderen müssen immer irgendwas aufbauen, irgendwo einchecken oder irgendwann spätestens da sein. Klar: Camping in jedweder Form ist momentan trendy. Wer also mit dem Reisemobil auf dem Campingplatz in erster Reihe stehen will, muss früh da sein oder lange vorher buchen. Das nimmt einen kleinen Teil der von uns so geschätzten Flexibilität. Aber eben nur in diesem Ausnahmefall. Ansonsten bieten Reisemobile – historische wie moderne – nach wie vor die Unabhängigkeit, die uns im Alltag oft so sehr fehlt. Da ist Abwechslung angesagt. In vielen Ländern darf auf geeigneten Parkflächen wenigstens eine Nacht geschlafen werden, und offizielle Stellplätze gibt es immer häufiger. Die bieten gegen überschaubare Gebühren oft auch eine Strom- und Wasserversorgung. Und: Mit meinem Reisemobil bin ich auch unterwegs irgendwie zu Hause. In gewohnter Umgebung ungewohnt Neues erkunden – das ist die perfekte Mischung.

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"Zu einer guten Tour gehört auch das Verlassen des Kokons"

Nein, danke: Henning Hinze steigt am Ziel gern aus.

Ich erinnere mich an eine Nacht in den Bergen Marokkos, in der ich froh war, in einem 30 Jahre alten Fiat-Ducato-Wohnmobil zu schlafen. Das nagelnde Nutztier hatte uns bis zu den Ziegenhirten gebracht, die wenige Zähne hatten, aber umso mehr Gastfreundschaft, Fladenbrot und Tee, was sie unbedingt mit uns teilen wollten. Nur waren die neuen Freunde außer Reichweite, als nachts ein Auto hielt und Menschen mit einer Taschenlampe versuchten, eine Tür am Wohnmobil zu öffnen. Hätten sie angesichts der Verriegelung nicht sofort aufgegeben: Ein Dreh am Zündschlüssel, ein Räumgriff Richtung Sichtschutz in der Windschutzscheibe, und wir wären auf und davon gewesen. Aber was ist dieser Ausnahmefall gegen all die einsamen, zweisamen, familiären Nächte irgendwo unterm Sternenhimmel oder im Zelt? Oder gegen die Nacht im Hotel, nach der es am Morgen ein richtig gutes Frühstück gibt? Und vor allem: Was ist es gegen das Vergnügen, tagsüber in einem schönen, vielleicht sogar schön zu fahrenden Klassiker zu sitzen und nicht die ganze Zeit ein Bett durch die Gegend zu kutschieren? Nein, so sympathisch und lässig ein Camper-Bulli auch sein mag, so rar und besonders ein DKW Schnellaster als Wohnmobil ist: Ich persönlich mag tagsüber fahren, muss aber nicht auch noch den Abend und die Nacht im Auto verbringen. Im Klassiker zu sitzen ist schön. Aber aussteigen auch! Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

Autoren: Alexander Failing, Henning Hinze

Stichworte:

Oldtimer

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