Viele Autos werden für Kühnheit und Eleganz ihrer Konstruktion bewundert. Die Frage ist nun, wie man damit umgeht. Schließlich ist es unausweichlich, dass der Glanz eines legendären Autos auch auf den Fahrer abstrahlt. Ist das nun eher Nebeneffekt des Klassikers oder gar das Ziel seines Besitzers? Hier zwei Meinungen aus der Redaktion.
"Besitzerstolz gehört dazu. Wer das abstreitet, der lügt"
Ja, bitte: Martin Puthz genießt den Zuspruch anderer.
Bild: Alexandra Lier / AUTO BILD
Ich fahre einen alten Jaguar. Wenn ich an Schaufenstern vorbeirolle und ihn und mich im Spiegel sehe, ertappe ich mich manchmal selbst dabei, dass ich mir heimlich sage: "Mensch, passt der Wagen gut zu dir!" Und ja, ich gebe zu: Wenn andere mir darin beipflichten, dann freut mich das. Natürlich schätze ich die Technik, den leisen Motor und das sanfte Fahrwerk. Auch die elegante Form, den Duft der Ledersitze und die feine Maserung des Wurzelholzes. Aber seien wir doch mal ehrlich: Jeder Klassiker ist auch ein Statement an die Außenwelt - wie ein Kleidungs- oder Schmuckstück, das den persönlichen Stil unterstreicht. Wenn andere den mögen oder ihn sogar bewundern, macht das stolz. Jeden von uns. Wer das abstreitet, der lügt. Das Ganze ist auch gar nicht ehrenrührig, solange ein gesundes Maß an Eitelkeit nicht in Narzissmus oder gar in Protzerei ausartet. Wo die Grenze zur Peinlichkeit verläuft, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn man mich in meinem Jaguar für einen Snob hält – meinetwegen. Doch bevor ich im aufgemotzten Cabrio mit Brüllmotor beifallheischend vor der Eisdiele aufkreuze, dankt eher die Queen ab. So ein Auftritt passt nicht zu mir. Und ich finde ihn auch alles andere als bewundernswert.
"Die Peinlichkeit des Protzens überlasse ich gerne anderen."
Nein, danke: Tomas Hirschberger genießt lieber im Stillen.
Bild: Ralf Timm
"Ein vernünftiges Auto soll seinen Besitzer überallhin transportieren – außer auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten." Dieser Satz stammt von Henry Ford. Und man kann es wohl kaum trefflicher formulieren. Wenn ich all die eitlen Gockel sehe, wie sie auf Oldtimertreffen ihre gewienerten Bankauszüge präsentieren, sich in der Bewunderung anderer sonnen, als hätten gerade sie entscheidend bei der Konstruktion ihrer keimfreien Preziose mitgewirkt, wird mir ganz anders. Typen, die über Wert, Zustand und Aussehen ihres Blechkumpels ihr eigenes Ego aufblähen, so dick und fett, dass es irgendwann in keinen Kofferraum mehr passt, haben für mich eine veritable narzisstische Störung. Das ist nicht meine Welt. Natürlich bin auch ich stolz auf meinen Oldie. Ich liebe es, ihn zu betrachten. Immer wieder, aus allen Perspektiven. Aber ich brauche dafür kein Publikum, schon gar keine Claqueure. Die Peinlichkeit des Protzens überlasse ich gern anderen. Und ich mache mir auch keine Gedanken, ob der Wagen zu mir passt. Natürlich passt er, hätte ich ihn mir sonst gekauft? Die Liebe zu meinem Oldie ist für mich eine ganz persönliche, fast schon intime Beziehung, Wie zu einem Partner. Und da will ich doch auch keinen dabei haben, der vor lauter Bewunderung Beifall klatscht
Das ist die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen zum Glam-Faktor des Oldie-Fahrens. Wie sehen Sie das?