"Die heutigen Kinder werden die größten Auto-Nostalgiker sein"

Frank B. Meyer im Fiat 128
Pro: Frank B. Meyer von AUTO BILD sieht Carsharing als Wendepunkt.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD

Falls es stimmt, was alle sagen, dann wird die Masse der Neuwagen in absehbarer Zukunft erstens elektrisch fahren, zweitens autonom, drittens nicht in Privatbesitz sein.
Was bedeutet das für die Oldtimerszene der 2040er-, 50er- oder 60er-Jahre?

Killen Elektroautos die Nostalgie?

Ob Autos elektrisch fahren, ist dafür wurscht. Technikfans begeistern sich für bestimmte Motorentypen, aber Nostalgie entsteht unabhängig davon, ob ein V12 oder ein Zweizylinder, ein Diesel oder ein Waschmaschinenmotor unter der Haube steckt.

Machen autonome Autos gleichgültig?

Ob ein Wagen autonom fährt, das wird einen großen Unterschied machen! Ich sehe schon meine Neffen mit Glatze und Flanellhemd, wie sie ihren Enkeln mit heiserer Stimme vom Jahr 2026 erzählen: "Wir konnten damals nicht einfach ein Auto rufen. Es musste eins da sein, und dann mussten wir vom ersten bis zum letzten Meter selbst lenken, Gas geben, bremsen. Ach, und Gänge wechseln. Schalten nannte man das."

Werden Kinder von heute einst Carsharing-Autos lieben?

Den Hauptunterschied für die Nostalgie aber dürfte der Schritt vom Privatwagen zum Carsharing machen. Ich weiß nicht, ob heutige Großstadtkinder 2050 schwärmen werden: "Ooooh, eine B-Klasse! Die haben meine Eltern immer geliehen!" Aber wer in Verhältnissen aufwächst, wo das eigene Auto zur Familie gehört, oder wer als junger Erwachsener von seinem knappen Geld die eigene Karre kauft – der wird sich immer daran erinnern und nach alten Autos umdrehen.
Vielleicht kommt jetzt die letzte Generation von Oldie-Fans.

"Vieles spricht gegen eine starke Oldie-Szene der Zukunft"

Gerald Schadendorf am Mercedes W 116 W116 S-Klasse
Kontra: Gerald Schadendorf von AUTO BILD KLASSIK fehlen geeignete Autos und Fans.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Welche Autos werden zum Oldie, und wer wird Oldies hegen und pflegen?

Welche Rolle spielen komplexe Technik und Abwrackprämien?

Vieles spricht dagegen, dass wir morgen noch auf eine Oldtimerszene blicken werden, wie sie sich uns heute darstellt. Die immer komplexer werdende Technik selbst billigster Autos spricht nicht dafür.
Dazu kommen wiederkehrende staatliche Vernichtungsaktionen, um neueren, noch kurzlebigeren Nachfolgern Platz zu machen.

Werden Autos von heute noch als Ikonen verehrt?

Darüber hinaus fehlt es in meinen Augen bei neuen Modellen auch an automobilen Ikonen – und noch viel mehr an der Klientel, die solche Ikonen lieben und pflegen würde. Das Auto ist schlichtweg in vielen Fällen vom Statussymbol zum reinen Konsumgut degradiert worden. Ob öde Autos oder alte Müslipackungen – so etwas ruft selten Sammler und Bewahrer auf den Plan.

Können Stadtkinder noch Sympathie für Autos entwickeln?

Zudem sehe ich aktuell zumindest in Großstädten wenig Potenzial an Jugendlichen und Heranwachsenden, die dem Auto gegenüber aufgeschlossen sind. Wie viele interessieren sich denn noch fürs Auto, dessen Nutzung und Besitz in dem Maße, wie das vor 20 Jahren der Fall war? Was auf dem Land ein Muss ist, um mobil zu sein, ist in der Stadt zweitrangig, oft sogar lästig. Öffis oder Carsharing genügen doch, und beides kostet nur, wenn man es nutzt. Was man nicht besitzt, darum muss man sich auch nicht kümmern. Spaß haben, ohne Verantwortung zu übernehmen, das geht vor.
Soweit die Meinung der beiden Redakteure. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

Umfrage: Hängt die Jugend noch am Auto?

Umfrage: Hängt die Jugend noch am Auto?
Wollen junge Menschen überhaupt noch den Führerschein?
Ja. Nur sechs Prozent der befragten 15- bis 25-Jährigen wollen darauf verzichten. Häufigster Grund dagegen sind die hohen Kosten. Das ergab die repräsentative Umfrage von 2025 im Auftrag des ADAC, für die 1100 Menschen von 15 bis 25 Jahren befragt wurden.
Wie wichtig ist ihnen ein eigenes Auto?
Sehr wichtig. Von den Befragten mit Führerschein besitzen 69 Prozent ein eigenes Auto, weitere 26 Prozent wollen sich später eines zulegen. Nur vier Prozent möchten keinen eigenen Pkw.
Fährt die Jugend trotzdem lieber Bus und Bahn?
Das hängt vom Alter ab. Von den unter 18-Jährigen nutzen laut der Umfrage 63 Prozent den ÖPNV an mehr als 100 Tagen im Jahr. Mit zunehmendem Alter wird das Auto wichtiger.
Welche Rolle spielt der Wohnort?
Eine große. Rund 30 Prozent der jungen Stadtbewohner nutzen überwiegend öffentliche Verkehrsmittel. Je ländlicher die Wohnregion, desto wichtiger wird das Auto.
Widerlegt die Umfrage die Sorge um die Oldtimer-Szene?
Nein. Sie zeigt, dass Führerschein und eigenes Auto für viele junge Menschen weiterhin attraktiv sind. Ob sie später auch alte Autos sammeln, reparieren und erhalten wollen, wurde in dieser Umfrage nicht untersucht.